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Chapter 9 No.9

Isolde geht an einem blütenschweren Maienmorgen in ihrem Atelier gedankenvoll auf und nieder.

Das Atelier liegt in einem Garten still versteckt, ebenerdig.

Frischer, herber Laubgeruch str?mt zu den Atelierfenstern herein, die in der gro?en Glasfl?che weit ge?ffnet stehn.

Der blaue, leuchtende Himmel schaut durch das Oberlicht zu ihr nieder.

Schwalben ziehen ihre schrillen Sommert?nchen im schnellen Flug wie feine, glitzernde F?den über den blauen ?therraum hin. Sie weben im Kreuz- und Querflug ein Netz von diesen sü?en, spitzen Lauten. Ein Zug Tauben fliegt über das gl?serne, kuppelf?rmige Dach. Die Flügelschwingungen h?ren sich so fein, so flie?end an, so durchdringend frei, ohne jede Erdenschwere.

Isolde ist ganz in sich selbst versunken. Sie bewegt sich in dem starken, m?chtigen Licht, in dem gro?en, kahlen Raum wie im Freien.

In ihrer Hand h?lt sie achtlos den Grabstichel.

Auf einem kleinen Tisch liegen zwei ge?ffnete Briefe.

Gipsabgüsse stehen l?ngs der W?nde, Abgüsse nach der Natur, Glieder, H?upter, Totenmasken.

Der Sch?del, der Isolden durch fünf Jahre begleitet hat, ist das einzige im Raum, was gewisserma?en als Schmuck auff?llt. Er tr?gt eine schimmernde Narrenkappe aus einem alten, k?stlichen Goldstoff und darüber einen braunen Lorbeerkranz.

Sonst im ganzen Atelier kein Schmuck, weder ein Teppich, noch sonst ein Luxusgegenstand.

Unter der Kuppel, jetzt ganz von Licht übergossen, ein wunderlich fremdartiges Werk, eine sitzende Buddhastatue aus fleckenlosem Marmor:

Isoldens Werk.

Um den Sockel der meterhohen Gestalt stehen diese Worte:

Inbrünstig bin ich gewesen,

Inbrünstig wie noch kein Andrer.

Rauhsinnig bin ich gewesen,

Rauhsinnig wie noch kein Andrer.

Wehmütig bin ich gewesen,

Wehmütig wie noch kein Andrer.

Abgel?st bin ich gewesen.

Abgel?st wie noch kein Andrer.

Und diesen Spruch einzugraben, war Isoldens Morgenwerk. Ja, und es war ihr gewesen, als l?ge in dem sonst geneigten Buddhahaupte der gro?e Friede, - der gro?e Friede der Erkenntnis, der vornehme, ganz von m?chtigem Menschengeist durchdrungene und gehaltene Friede, nicht der demütige, unselbst?ndige.

Wie ein Jubel, wie eine erstickende Seligkeit war es über sie gekommen. Es schien ihr gelungen, was sie gewollt hatte.

In dem Buddhahaupte lag das K?nigliche, das ganz Souver?ne, die gro?e, seltene Menschenmajest?t, die noch über dem Menschenschmerz steht, der das Gr??te auf Erden und über der Erde ist.

Du ungeheurer Todesschmerz, Leidens- und Lebensschmerz, du bist zu besiegen!

In Isoldens Augen waren hei?e Thr?nen gestiegen. In Wahrheit, ihr erschien das Haupt das zu sein, was es sein sollte, wie sie es in langer leidenschaftlicher Hingebung ersehnt hatte.

Schien es ihr nur so - oder war es wirklich so?

Im Augenblick - jetzt in dieser Stunde war es so.

Sie glaubte, wenn sie auch im voraus wu?te, da? sie wieder zweifeln würde.

Sie ging wie über der Erde schwebend in ihrem lichtvollen Raum auf und nieder.

Keine Schwere!

Und es hob sie, da? das Werk für diese beiden Menschen bestimmt sei - für ihre liebsten Menschen auf Erden. Für ihn und sie! Da? sie das ihnen geben durfte und konnte.

Was waren ihr in diesen Jahren Helwig und Lu Geber geworden.

O, ihr lieben, wahren, einfachen Menschen! dachte sie.

Und wie würde Lu sich freuen, wie würde es ihr warm ans Herz greifen, wenn sie die sch?nen, stillen Züge ihres Mannes und seine Seele im Buddhahaupte wiedererkennen würde?

Was alles hatte Isolde ihm zu danken! was für sch?ne, tiefe Stunden hatten sie zu dreien miteinander erlebt!

?O, ihr weltentrückten Menschen!' dachte Isolde, ?in eurem sch?nen, stillen Heim - auf eurer Insel der Seligen - mitten in der schmutzigen Welt!'

Wie liebte sie diese beiden! Bei ihnen hatte sie menschenwürdig fühlen und denken gelernt.

Was mit ihnen zusammenhing, war so zweifelsohne!

Da? es etwas so Wahres gab, wie diese Leute!

Wie freute sie sich, beide in ihr Atelier zu führen und zu sagen: ?Das danke ich euch! Dir danke ich es, du weiser, guter, abgekl?rter Mann, der du so anders bist als andre, von niemandem drau?en in der Welt verstanden, du stiller Gro?er du!"

*

Isolde ist sch?ner geworden, vornehm, streng im Stil. Sie neigt zu der Art Erscheinungen, wie Mrs. Wendland in ihrer ersten Jugend einst gewesen sein mochte, schlank, bleich, das m?chtige, lockige Haar wie eine dunkle Wolke über der Stirn, tiefe Augen, über denen es wie ein Schleier liegt.

Ihre Art sich zu kleiden, ist v?llig ungesucht; doch was diesen K?rper berührt, wird vornehm.

Isolde ist heute in Feierstimmung. Sie denkt heut nicht mehr daran, etwas zu thun. Sie h?rt jetzt auf die Schwalben, die hoch oben am blauen Firmament mit ihren seidenen T?nen wie mit F?den weben und wirken.

Da steht ihre Schwester Marie geistig ihr vor Augen.

Was für ein kleines Gesicht hat der arme Sammtaffe bekommen.

Das Sammtige, Volle ist von ihr geschwunden.

Isolde sieht sie vor sich, wie sie oben in Mengersens Sommervilla, die er sich in der Nachbarschaft von Gebers gebaut, in dem sch?nen Waldgarten mit einander spazieren gingen, hoch über dem Ufer der Isar.

Marie war damals Mutter ihres ersten Kindes, dessen Geburt ihr fast das Leben gekostet hatte. Seelisch und k?rperlich konnte sie sich davon lange nicht erholen. Ihr Kind gedieh, aber sie selbst hatte etwas wie vom Frost Getroffenes, etwas Mattes, Stilles, Banges.

Das Kind mochte ein halbes Jahr alt sein, als sie damals mit einander unter den dichtbelaubten B?umen gingen. Da hatte sich Marie mit einemmal an Isolde geklammert und ihr etwas zugeflüstert, ein Gest?ndnis - ein so banges, schweres, da? sie wieder der Qual und dem Tod entgegenginge, und Isolde war von den fassungslosen, verzweifelten Thr?nen der Schwester na? am Hals geworden.

Die beiden jungen Gesch?pfe hingen an einander und wagten sich nicht in die Augen zu sehen.

Marie weinte trostlos und Isolde wu?te nicht, was sie sagen und fühlen sollte.

Es war so peinlich.

?Ide," schluchzte Marie, ?er kann mich doch gar nicht lieb haben! Wie kann er denn? Er wei? ja wie es war, wie entsetzlich! - er wei? doch alles.

Ide, wenn das Liebe ist!"

Marie schrie wie entsetzt auf und warf sich ins Gras, und lag mit dem Gesicht an die Erde gedrückt, h?rte und fühlte und sah nichts vor Weinen.

Isolde kniete neben ihr.

?Sterben, zu Tode gerissen und gemartert werden - alles, wenn es sein mu?! alle Qual - alle Todesangst - und alles - alles - alles! - aber Ide, - er ist ja nicht mein Freund!"

Diese arme wehe Stimme! Isolde h?rte sie jetzt noch mit voller Deutlichkeit.

?Nichts bin ich ihm! Gar nichts! das, was ich ihm bin, ha?' ich!

Ich wei?, ich bin dumm - ich wei?! - aber, wenn er mit mir spr?che, ich würde es doch verstehen, schon weil ich ihn so lieb hab'. -

Ide, glaub mir, ich würde klug aus Liebe. - Ganz gewi? - ich wei?.

Was er Sch?nes hat, verschweigt er vor mir. Nichts was er denkt, sagt er mir. Wir sind ganz getrennt."

Sie klagt rührend in die Erde hinein.

Das alles h?rte und sah Isolde im Geiste wieder vor sich, so lebhaft, so ergreifend, wie eben erst geschehen.

Sie sah sich selbst, wie sie unbeweglich neben ihrer Schwester kniete.

Und was Marie sprach, schluchzte sie immer noch wie in die Erde hinein: ?Ein ganz einsamer Mensch ist nicht einsam, aber ich bin so einsam!

Glaubst du, da? er Mitleid mit mir hat?

Nein sag ich dir! Gar nicht - keine Spur.

Es mu? halt so sein, denkt er. Das ist ganz in der Ordnung so. Dafür ist sie eine Frau. Er denkt ich brauche nichts andres - essen, trinken - und sein Weib sein.

Ach was sich so ein Mann denkt - so ein fremder Mann. Und dann glaubt er, da? er unsinnig geduldig zu mir ist, wenn er mich einmal anh?rt. Aber seinem Gesicht seh ich's an. - Er ist immer schon mit allem fertig. Einfach meint er, das geh?rt so mit dazu, da? ich klage.

Siehst du, da? ich nun wieder Mutter werde: das ist so eine Schmach - so ein Elend für Leib und Seele.

Ein Wort, wenn er mir aus seiner Seele g?be - dann trüg' ich alles - alles - auch den Tod - auch alles Leidenmüssen.

Die H?nde würde ich ihm küssen, wenn er mit mir sprechen würde, wie mit einem Freund. Alles ertrüg' ich - alles.

Nein, - und ich hab's mal versucht - mehrmals. - Nie mehr Ide - nie mehr!

Wenn er nicht selbst kommt - ich kann nicht wieder kommen -"

Ihr K?rper war von wilden, leidenschaftlichen Thr?nenfluten erschüttert und gepeinigt.

?Siehst du Ide - die Mutter - der Mutter ists gerade so gegangen! Du hast mal gesagt, du glaubst sie w?re dumm -

Ach Ide - nein! Dumm nicht - verprügelt - abgestorben. - Geschlagen hat er sie nicht - - aber doch verprügelt - mit Worten - mit Gedanken. So eine ewige Mi?achtung ist wie ein grauer Regentag. Dabei stirbt die Seele.

Ich fühl's - ich werde wie Mama.

Was er nur glaubt das ich bin?

Ob er glaubt, da? ich mich wohl fühle?

Ob er überhaupt einmal über mich nachdenkt? - - - Ich wei? nicht!"

Sie war ratlos.

Isolde kniete damals in wahrer Todesangst neben ihr und hielt ihre festgeballte kleine Hand in der ihren.

Und wie Isolde ihre von Weinen ganz entstellte Schwester ins Haus zurückgeführt hatte, kam Mengersen eben aus seinem Atelier.

Er trug, wie immer im Haus, einen wei?en Flanellanzug.

Man sah ihm an, er hatte mit Glück gearbeitet und befand sich geistig und k?rperlich au?erordentlich wohl, blies behaglich die blauen W?lkchen seiner Cigarette in die Luft, da bemerkte er die beiden Schwestern.

?Was ist geschehn, Marie?" fragte er kurz. ?Hast du dich wieder gehen lassen? Du sollst ja nicht, bedenke doch deine Lage, und verschone mich etwas, wenn es dir m?glich ist, mit diesen Launen. Ein wenig kannst du dich ja wohl zusammennehmen."

Er war unangenehm berührt. Isoldens Besuche bei ihrer Schwester mochten ihm auch fatal sein. Sie fühlte, da? sie ihn irritierte.

Ihm gegenüber hatte sich bei ihr ein ganz sonderbarer Ton herausgebildet, der ihrer Natur fremd war, eine leichte, kühle Ironie.

Dem Sch?del, ihrem einstigen Symbol, hatte sie nicht ohne Sinn eine goldne Narrenkappe aufgesetzt und nicht umsonst den Lorbeerkranz.

Henry Mengersens Kunst war und blieb ihr das Anbetungswürdige, das Gro?e, das sie liebte. Die Liebe zu diesem Inbegriff von Kunst hatte sie zur Künstlerin gemacht. Eine Anerkennung von ihm war ihr heute noch von h?chstem Wert und er konnte sie ihr auch nicht versagen. Sie hatte es erreicht: Er anerkannte ihr Talent und ihren Flei? und das Ziel, das sie wollte.

Wie hatte sie diese Jahre gearbeitet! Als sollte sie sich mit der Arbeit rein waschen von aller Schmach, die ihrer Seele anhaftete.

Nur das konnte heilen und reinigen. Und h?tte er ihr zu Fü?en gelegen und um Verzeihung gefleht - nichts - nichts h?tte das geholfen.

Aber, da? er sie anerkennen mü?te!

*

Asketisch hatte sie diese Jahre gelebt, als g?be es für sie keine Jugend, keine Sch?nheit und keinen Reichtum.

Daheim, in dem luxuri?s ausgestatteten Haus ihrer Eltern, in der Leopoldstra?e, bewohnte sie ein kleines, unscheinbares Zimmer, schlief auf einem harten Feldbett, Winter und Sommer bei offenem Fenster, badete t?glich kalt, litt nichts Weichliches - nichts Z?rtliches in ihrer Umgebung; bei Wetter und Wind machte sie weite G?nge.

In ihr war das Gefühl lebendig: die Schmach abwaschen! die Schmach, die er ihr angethan, rein werden, stark werden, arbeiten, erreichen, Mensch werden.

Da? sie so sch?n war, freute sie.

Wie sie ihre eigne Sch?nheit verstand und liebte!

Und sie wurde reiner und reiner. Ihre Seele wu?te nichts mehr von Schmach - von eigner Schmach.

Ein solches Gefühl von Starksein, von Sch?nsein, von K?nnen, von Macht erfüllte sie jetzt oft.

?Ja, das glaub ich,' dachte sie hin und wieder. ?Ihr m?chtet mich einfangen, einkasteln. Einer m?chte mich selbst besitzen, meine Sch?nheit, mein Verm?gen und damit schalten und walten nach Gutdünken.

Da? i net lach!'

Das alles ging ihr jetzt durch den Sinn, als sie in ihrem hohen, weiten Atelier auf- und niederwandelte.

Was war aus ihr geworden in diesen Jahren - etwas so Freies.

So, wie in eine andre Luft, war sie gekommen.

Zum ersticken, wenn sie an ihre Schwester dachte, an ihre Mutter.

Die Nacht, in der sie still wie eine Tote in ihrem Bett gelegen hatte, war unvergessen, war eingebrannt in ihr Bewu?tsein.

In ihrem innersten Sein bedeutete es nichts, da? es ihr selbst wohl erging.

Sie geh?rte doch zu denen, die tief unter dem Begriff Mensch stehen, zu den K?rpern ohne Geisteskraft, die beschimpft, mi?achtet, ohne Menschenwürde leben, zu der dumpfen, gedankenlosen H?lfte der Menschheit, die nicht das Recht hat, voll Mensch zu sein.

Sie stand jetzt vor dem Tisch, auf welchem die zwei Briefe lagen, einer, der heute gekommen war und ein anderer, der seit drei Wochen hier schon gelegen hatte.

Sie nahm den ?lteren Brief in die Hand und las ihn wieder.

Von ihrer Schwester Marie aus Berlin ist er, die schreibt ihr nach der Geburt eines Kindes.

Ein wirrer, mit Bleistift gekritzelter Brief:

?Ide, Todesqual, vierundzwanzig Stunden lang - wie jedes Mal, von Anfang bis zu Ende entsetzlich.

Nur mein Wille, meine armen Kinder nicht zu verlassen, erhielt mich am Leben. Nicht chloroformiert, weil Kind sonst absterben - - schon angegriffen.

Sonst alles in Ordnung. Henry an Vater geschrieben. Denk an mich.

Einsam! Einsam!

Wei?t noch?

Ade."

O ja, sie wu?te!

Sie wu?te auch, was Henry, Schwager ?Wei?r?ckchen", wie sie ihn nannte, geschrieben hatte:

?Alles vortrefflich! Das kleine Ungeheuer ist, was man so einen ?pr?chtigen Jungen" nennt! Schwere Entbindung, wie wir das nun einmal in der Gewohnheit haben. Marie befindet sich nach ihren Strapazen jetzt mehr als gut. Der Arzt ist au?erordentlich zufrieden. Nicht die geringste Ursache zu Besorgnis."

Und der heutige Brief. Isolde hatte ihn schon mehrmals gelesen. Sie überflog jetzt noch einmal diese und jene Stelle:

?Mein Mann reist jetzt, weil er ?sthetisch gequ?lt ist. Der Herr W?chner leidet schmerzlich darunter, da? ich meine Mutterpflichten an dem Jüngsten erfülle, - noch schmerzlicher aber darunter, da? ihm jetzt so viel unpoetische Dinge unverhüllt entgegentreten.

Dieser Realit?ts- und Wahrheitsfanatiker kann n?mlich absolut nicht die Wirklichkeit vertragen.

Und da ich noch vollkommen ersch?pft bin, sehr wenig au?er Bett sein darf, so kann ich mich nicht mehr als gn?dig verhüllende Wolken zwischen ihn und die Wirklichkeit schieben.

K?rperschw?che und Ammendienst halten mich von allem zurück. Die einzige Person, die um mich besorgt war, mu?te leider sehr bald zurück. Sie war anderweitig engagiert. Die bi? für mich etwas Ruhe heraus.

Schade, da? du wegen der armen Mama nicht zu mir kommen durftest. Welcher Trost w?re mir das gewesen!

Seitdem die Wartfrau fort ist, werde ich wieder als ?Nützlichkeitstier" von allen behandelt. Wenn ich mich auch kaum bewegen kann vor Schw?che, mu? ich doch mindestens ein Kind warten und h?ufig noch eins dazu beaufsichtigen.

Dann kommt der Gatte und schimpft, da? immer Kinder bei mir sind und klagt den Himmel an, da? er Familienvater ist, dann versuche ich einige seiner Schmerzen zu lindern, bis die meinen zu stark werden. So vergehn im Wechsel meiner Pein die Tage. Ich halte mich an meinen alten Trost: die Zeit steht nicht still. Also mu? ein Wechsel kommen.

Henry hat recht, - so komisch es klingt - eine Frau, die ein Kind erwartet, sollte nicht im Hause bleiben. Er ist so sehr empfindlich darin. Es beleidigt seinen Sch?nheitssinn, mich in diesem Zustand zu sehn. Es ist ihm unertr?glich. Ich wei? das. Zuerst erschien es mir ein grausamer Wahnsinn, wie er es sagte; - mir war, als th?te sich ein Abgrund vor mir auf.

Er sprach es so ganz naiv aus, als Künstler, wei?t du.

Aber wie alles nun einmal ist, hat er von seinem Standpunkt ganz recht.

Wundert mich, da? es nicht ein solches Gesetz giebt. Für die Frau w?re es im Grunde auch besser.

Meine Ide, schreib mir doch recht bald einen lieben, langen Brief.

Mich verlangt stürmisch danach, denn ganz inwendig sitzt bei mir etwas Hei?es - Feuchtes. Das sollst du fortwischen, du hast den Zauber der Liebe, du kannst es.

Vergi? mich ja nicht, Ide! Von dir kommt mein Leben. Was meine Seele auf Erden hat, hat sie von dir! Einzig von dir. Mit dir wachs' ich und denk' ich. Du h?ltst mich. La? mich nicht ganz fallen."

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