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Chapter 9 No.9

Die Augustsonne brannte mit sengenden Strahlen vom Himmel herab, auf den Roggenfeldern stand der liebe Erntesegen schon in Hocken. Nur der Weizen war noch zu schneiden und der Hafer, aber Gott allein wu?te, ob die reife Frucht noch im Frieden in die Scheuern kommen würde. Allerhand wilde Gerüchte schwirrten in der Luft, flogen von Mund zu Mund. Und das abergl?ubische Landvolk sah unheilkündende Zeichen. Die Kraniche zogen früher als in anderen Jahren nach dem Süden, in dem Sternbilde des B?ren stand eine feurige Rute.

Mit blo?em Auge war sie noch schwer zu erkennen, aber sie wuchs und wurde gr??er wie damals im Kriegsjahre siebzig.

Da lie?en auch die Besonnenen sich hinrei?en, und ein dumpfer Zorn sammelte sich allm?hlich in der Bev?lkerung des Grenzlandes gleich einer Gewitterwolke. Was sollten diese immer neuen Beunruhigungen von rechts und links, von denen man in der Zeitung las; konnte man nicht in Frieden nebeneinander leben? Auch dem Langmütigsten lief einmal die Galle über, und dann gab es Kleinholz ringsum. Aber wenn schon einmal abgerechnet werden mu?te, dann bald! Damit es endlich Ruhe gab. Den ewigen Alarmzustand hielt niemand mehr aus.

Die fünfte Schwadron der Ordensburger Dragoner war auf Felddienstübung nach der Grenze zu. Patrouillen ritten im Vorgel?nde, brachten Meldungen von dem weitaus st?rkeren Feind, der durch einen Rekognoszierungsvorsto? zu vorzeitiger Entwicklung gebracht werden sollte. Der Befehl, den der Führer erhalten hatte, war kurz und entsprach dem Ernstfalle, wie alle Uebungen, die der Oberstleutnant Harbrecht ansetzte. Fliehende Landbewohner hatten die Meldung gebracht, da? der Feind über die Dombrowker Berge im Anmarsch w?re. Rittmeister von Foucar bekam den Auftrag, seine St?rke und Zusammensetzung zu erkunden. Da traf er nach kurzer Ueberlegung seine Ma?nahmen, lie? die Schwadron antraben.

W?hrend er an der Tête ritt, fuhr es ihm durch den Sinn, da? der jüngere Leutnant Gorski ihm in der vorgestrigen Nacht eine Art von Versprechen gegeben hatte. Ein Versprechen, das er am n?chsten Morgen wahrscheinlich schon wieder vergessen hatte. Nichts deutete darauf hin, da? er ihm vielleicht etwas zu sagen hatte. Gelegenheit dazu w?re reichlich genug gewesen, als die Schwadron noch auf dem Kasernenhofe hielt. Er brauchte ja nur zu sagen: ?Herr Rittmeister, ich war gestern in Kalinzinnen, habe Grü?e zu bestellen.? Statt dessen hatte er, wie ihm scheinen wollte, geflissentlich zur Seite gesehen, als er mit fragendem Blick sein Auge suchte. Und es war schlie?lich erkl?rlich. Der Tag hatte ein anderes Gesicht als die Nacht – in der Nacht versprach man manches, was man im hellen Tageslichte nicht halten konnte, weil sich dann die kühlen und nüchternen Erw?gungen einstellten. Das wu?te er selbst am besten ...

Die Schwadron hatte den Beldahner Wald hinter sich, das Gel?nde wurde übersichtlicher. Im Hintergrunde standen die Dombrowker Berge, eine kahle Hügelkette, über deren Kamm die Grenze führte. Davor Oedland mit Wacholderbüschen, links im weiten Bogen eine zwanzigj?hrige Kiefernschonung, deren Rand von Infanterie besetzt war. Als die linke Seitenpatrouille der in Zugkolonne reitenden Schwadron auf dreihundert Schritt heran war, bekam sie Feuer. Eine Reihe blauer Uniformen tauchte auf, eine helle Kommandostimme klang klar herüber: ?Auf die hinter der Patrouille anreitende Kavallerie ... Visier achthundert Meter ... Schnellfeuer ...? Leichte W?lkchen hoben sich am Waldrande, ein seltsames Knattern war vernehmbar wie das Rasseln einer Maschine.

Gaston hob den S?bel, lie? rechtsum Kehrt schwenken, bis die Schwadron hinter einer Bodenwelle in Deckung war. Der erste Halbzug sa? ab, er?ffnete unter Begleitung von drei Flaggen, die die beigegebene Infanterie markierten, ein heftiges Feuer, das den Feind zur weiteren Entwicklung n?tigen sollte. Aus einer Schlucht zwischen zwei Hügeln in der Front quoll Kavallerie, formierte sich in der Vorbereitung zur Attacke in Linie, auf dem Berge halb rechts zeigten sich gelbe Flaggen. Zwei Batterien Artillerie stellten sie vor.

Da lachte Gaston kurz auf, es gab Gelegenheit, ein schneidiges Reiterstücklein auszuführen, das durchaus im Sinne der Uebung lag. Nicht umsonst hatte er in den vergangenen Wochen das Gel?nde an der Grenze durchstreift zu Rade oder im Sattel. Rechts von der Senkung, in der er hielt, führte eine breite Schlucht, die gedecktes Anreiten gestattete, in die Flanke der feindlichen Artillerie. Nur dreihundert Schritt ungef?hr waren zum Schlu? mit ?Marsch, Marsch, Hurra!? zu durchreiten in offenem Feld, um sie zu überrennen und zu vernichten. Und im Ernstfalle h?tte wohl mehr da oben gestanden als zwei plundrige Batterien, ein Schlag h?tte es werden k?nnen, der den ganzen Erfolg des ersten Vorsto?es zum Scheitern brachte.

Die Meldungen über das bisher Gesehene gingen nach hinten an den dicken Major von Schnakenburg, der auf dieser Seite die Uebung ?beschiedsrichterte?, wie der respektlose Leutnantsausdruck diese T?tigkeit nannte. Um die in der Front anreitende Kavallerie kümmerte sich Gaston nicht. Die machte zun?chst 'mal einen ?Luftsto??, weil er mit seinen hundert M?nnerchen n?mlich nicht mehr da war. Weiter hinten aber geriet sie in das Feuer der Infanterie, das freilich nur durch einige geschwenkte Flaggen markiert wurde.

Das Kommando ging durch halblaute Zurufe weiter, die Schwadron trabte an in Zugkolonne, die Schlucht war breit genug. Sie ?ffnete sich zu einem Hange, der zu der Bergkuppe führte. Gaston schwenkte den S?bel, lie? die Eskadron in Linie aufmarschieren, und dann klangen die Kommandos, die Trompetensignale schmetterten.

?Zur Attacke Lanzen gef?llt ... Marsch, Marsch, Hurra!? ... Wie eine Windsbraut fegte die Schwadron den sanftgeneigten Hang hinan, der Artillerie in die Flanke, m?chtig erklang das Hurragebrüll aus hundert rauhen Kehlen. Der Rittmeister von Foucar sprengte auf die Kuppe, winkte mit dem S?bel in einer Art von Siegerfreude nach dem Tal hinab, zum Zeichen, da? das verwegene Reiterstücklein gelungen war ...

Von der russischen Seite des Hügels kam ein fremdartig klingendes Hornsignal, der Boden erdr?hnte unter Rossehufen. Gaston wandte den Kopf, eine Schwadron russischer Dragoner kam in Linie den Hang hinaufgesprengt, die Lanzen gef?llt. Drei?ig Schritt vor der Grenze hob der Führer den S?bel: ?Stoi!? Die Dragoner fielen in Trab, um in Linie zu halten. Der linke Flügelunteroffizier des ersten Zuges schien jedoch die Herrschaft über seinen Gaul verloren zu haben, jagte weiter, über die Grenze. Der preu?ische Infanterieunteroffizier, der die Flaggen kommandierte, ein Kolo? von sechs Fu? Gr??e, warf sich dem Gaul entgegen und ri? ihn am Zügel in die Knie, so da? der Reiter kopfüber aus dem Sattel flog.

Es war einer jener Augenblicke, in denen den Zuschauern das Blut in den Adern stillstand. Ein kleiner Funke sprang auf in einer mit Elektrizit?t überladenen Atmosph?re. Wenn man ihn nicht mit besonnener Hand d?mpfte, konnte es unabsehbares Unheil geben. Aber es war eine h?llische Schwierigkeit dabei. Man stand in diesem Augenblicke vor dem ganzen Vaterlande, durfte gerechtem Stolze nichts vergeben.

Der Führer der Grajewoer Dragoner schrie mit zornrotem Kopfe etwas auf russisch hinüber. Gaston verstand genug, um zu wissen, da? der da drüben ungestüm und mit wenig gew?hlten Worten die Freigabe seines auf feindliches Gebiet geratenen Mannes forderte. Er wandte sich im Sattel, seine Stimme klang ruhig: ?Oberleutnant Gusovius!?

?Herr Rittmeister??

?Lassen Sie scharf laden!?

?Zu Befehl! ...?

Das war ein Bluff, seine Kerls führten nur Platzpatronen bei sich. Aber er wirkte. Der Offizier auf der anderen Seite verstummte pl?tzlich, als die Karabinerschl?sser rasselten.

Gaston ritt hart an die Grenze, salutierte mit dem Degen.

?Herr Kamerad, ich bitte um die Mitteilung Ihrer Wünsche. Nur ich mu? Sie darauf aufmerksam machen, auf deutschem Boden verstehe ich nur Deutsch!?

Der Russe erwiderte den Salut und sprach mit finsterem Gesicht in dem harten Dialekt, der in den Ostseeprovinzen gesprochen wurde: ?Errsuche h?fflichst, meinen Unteroffizier freizugebben. Sein Gaul ist ein Durchg?nger, er hatte durchaus nicht die Absicht, mit Ihnen auf eigene Faust Krieg anzufangen.?

Gaston verneigte sich leicht im Sattel.

?Das habe ich nicht einen Augenblick lang befürchtet.? Er rief über die linke Schulter: ?Unteroffizier, geben Sie den Mann wieder frei. Er ist nur aus Versehen über die Grenze geritten.?

Der baumlange Unteroffizier, der den Russen im Genick hielt, nahm die Hacken zusammen.

?Zu Befehl, Herr Rittmeister!? Und mit einem gutmütigen Schubs gab er dem Gefangenen den Kragen frei: ?Lauf, kleiner Russ', aber komm mir nich noch 'mal in die Finger! Sonst nehm' ich Dich unterm Arm nach Hause, mach' Biefstick aus Dir.?

Die Ordensburger fünfte Schwadron lachte hell auf. Der Führer der Grajewoer Dragoner bekam einen roten Kopf.

?Herr Kamerad, ich bitte, Ihrem Untergebenen diese Redensarten zu untersaggen!?

?Herr Kamerad, dazu habe ich nicht die geringste Veranlassung,? war die kühle Antwort. ?Es ist ein Zeichen für die gegenseitige Stimmung. Und jetzt w?ren wir wohl fertig??

?Serr wohl! Bis auf eine Kleinigkeit. Für ein ernsteres Zusammentreffen m?chte ich gerne Ihren Namen wissen. Ich selbst hei?e Freiherr von Heidedorff!?

Gaston mu?te unwillkürlich l?cheln.

?Mein Name ist Gaston Baron Foucar von Kerdesac.?

Der andere stutzte.

?Franzose??

?Nein, Deutscher! Auf Wiedersehen, Herr Kamerad.?

Er salutierte und lie? seine Schwadron kehrtmachen, in Zügen den Weg zurückreiten im Schritt, den sie gekommen war. Und er l?chelte noch, als er schon wieder an der Spitze seiner Truppe ritt.

Der Russe da drüben war von Herkunft ein Deutscher. Ihm selbst flo? franz?sisches Blut in den Adern, und er führte eine deutsche Schwadron. Im Ernstfalle h?tte er sie auch gegen die andere Seite geführt, ohne Wimperzucken. Gegen das Land, das seine Vorfahren vor hundert Jahren noch Vaterland genannt hatten. Was war da der Name? Wie man fühlte, war alles. Und in ernsterem Erw?gen sprang ihn die Frage an, weshalb wohl zwischen den V?lkern der alten Welt, die doch so viel Gemeinsames hatten an Blut und Kultur, diese feindselige Spannung entstanden war. Nur, weil die Franzosen den Verlust zweier Provinzen nicht verschmerzen konnten, die sie einstmals doch selbst geraubt hatten? Oder weil das gro?e Raufen anhub um das letzte Stück Erde, das noch zu verteilen war? Oder weil ein Wettlaufen begonnen hatte, welche Nation am meisten Baumwolle, Kanonen und Maschinen verkaufte? Oder weil in dem ewigen Kreislauf des Geschehens nach dem verschwommenen Weltbürgertum vergangener Jahrhunderte eine Periode aufkam, voll von Egoismus? Mü?ig war es, darüber zu grübeln. Vielleicht lag die L?sung in einer Art von Eifersucht, welche Nation in Zukunft dazu berufen w?re, der Welt den Stempel ihres Wesens aufzudrücken. Das war ein hohes Ziel. Nur man konnte sich vorstellen, da? es auch im Frieden zu erreichen war, ohne da? Hekatomben von Menschen hingeschlachtet wurden ...

Die Schwadron trabte in der breiten Schlucht zurück, die ihr den gedeckten Anritt erm?glicht hatte. Karl von Gorski spornte seinen hochbeinigen Trakehner vor, lenkte ihn neben den Fuchswallach seines Schwadronschefs. Er zitterte vor Begeisterung.

?Verzeihen, Herr Rittmeister – es ist gegen alle Kleiderordnung, ich wei? es, aber ich kann mir nicht helfen, und wenn ich dafür eingesperrt werde.? Er hob den rechten Arm, rief mit heller Stimme: ?Dragoner! Unser Herr Rittmeister Baron von Foucar, unser Führer für Tod und Leben ...?

Gaston fuhr dazwischen: ?Leutnant von Gorski, sind Sie des Teufels?? Aber der Kleine lie? sich nicht beirren, schrie weiter: ?unser Herr Rittmeister hurra, hurra, hurra!?

In den staub- und schwei?bedeckten Gesichtern wurden die Augen blank, dreimal rollte der Ruf gleich krachenden Salven durch die Mittagsstille und brach sich im Widerhall an den W?nden der Talschlucht.

Gaston wollte seinem Leutnant eine energische Strafpredigt halten, aber auch die anderen Offiziere der Schwadron kamen herzugeritten, Oberleutnant Gusovius streckte seinem Vorgesetzten in impulsiver Aufwallung die Hand entgegen.

?Nichts für ungut, Herr Rittmeister, unser Kleiner hat nur das ausgel?st, was uns allen auf der Seele lag. Es war gro?artig! Und wir alle sind stolz darauf, da? wir dabei waren!?

?Na also, dann besten Dank, meine Herren! Sie aber, Herr von Gorski, m?chte ich bitten, Ihrem Temperament in Zukunft ein wenig den Zügel anzulegen, Selbstverst?ndlichkeiten nicht immer gleich mit Hurra zu begrü?en.?

Der Kleine machte ein zerknirschtes Gesicht, aber der Schalk blitzte ihm aus den Augen.

?Sehr wohl, Herr Rittmeister! Sonst k?me die fünfte Schwadron Dragonerregiments Graf Schmettau aus dem Hurraschreien überhaupt nicht mehr heraus.?

Da mu?te auch Gaston auflachen und freute sich herzlich, da? seine Leute an ihm hingen.

Vom Waldrande her kam der Offiziersruf, auf einem niedrigen Hügel hielt der Regimentskommandeur zur Kritik. Die Schwadron wurde von dem Wachtmeister weitergeführt, die Herren setzten ihre G?ule in beschleunigte Gangart, Karl von Gorski ritt neben seinem Chef.

?Herr Rittmeister, ich bitte um Entschuldigung, aber ich konnte vorhin wirklich nicht anders! Die Begeisterung hatte mich so gepackt.?

?Ist ja schon erledigt!?

?Gehorsamsten Dank! Und es scheint, ich kann heute überhaupt nicht dicht halten. Eigentlich n?mlich hatte ich mir vorgenommen, auch über 'was anderes nicht eher zu sprechen, als bis ...?

?Na schon raus damit! Was ist los??

?Also ich war gestern drüben in Kalinzinnen. Ich habe Grund zu der Annahme, Herr Rittmeister werden demn?chst noch mal eingeladen werden.?

Gaston fühlte, wie es ihm ganz licht und weit wurde in der Brust.

?Wahrhaftig??

?Sehr wohl, Herr Rittmeister. Ich habe sogar triftigen Grund!?

?Na, dann sch?n Dank, Kleiner! Heute mittag trinken wir die beste Flasche, die im Kasinokeller liegt.?

?Zu Befehl, Herr Rittmeister! Schon am frühen Morgen, als ich aufstand, sagte ich zu mir selbst: Karlchen, pa? auf! Heute gibt es noch einen Lichtpunkt in Deinem kümmerlichen Leutnantsleben.?

Der Oberstleutnant Harbrecht hielt mit dem Major vom Stabe, seinem Adjutanten und einem Hauptmann von der Infanterie auf der Hügelkuppe, die vom Uebungsfelde heransprengenden Offiziere rangierten sich im Kreise. Gaston trieb seinen Fuchswallach drei Schritt vor, bat um die Erlaubnis, eine Meldung abstatten zu dürfen, und berichtete kurz über den Zwischenfall an der Grenze. Der auf demselben Gel?nde man?vrierenden russischen Schwadron w?re ein Gaul mit dem Reiter durchgegangen auf preu?isches Gebiet. Er habe geglaubt, aus diesem Versehen keine Staatsaktion machen zu müssen, und befohlen, den Russen wieder freizulassen, ohne erst an h?herer Stelle um Genehmigung nachzusuchen.

?Hat sich der Herr von drüben gebührend entschuldigt??

?Er bat h?flich, seinen Mann, der ein durchg?ngerisches Pferd ritte, wieder freizulassen.?

?Dann ist's gut, danke!?

Gaston ritt wieder in den Kreis, und nun kam eine Kritik wie ein Hagelwetter. Der Oberstleutnant Harbrecht pflegte kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Zun?chst bekam die Infanterie ihr Teil, weil sie sich durch eine einzige Schwadron Dragoner zu vorzeitiger Demaskierung ihrer gedeckten Stellung h?tte verleiten lassen. Dann aber prasselte es auf die Führer der zweiten und dritten Schwadron hernieder, da? die beiden Rittmeister wie zwei begossene Pudel dasa?en. Was die Herren sich wohl dabei gedacht h?tten, als sie aus ihrer Bereitschaftsstellung zum Angriff übergingen, ohne die St?rke des Feindes auch nur ann?hernd durch die in diesem Falle gebotene Nahaufkl?rung festzustellen? Und den Führer der zweiten, den Rittmeister von Lüttritz, fragte er noch im besonderen, weshalb er es wohl verabs?umt h?tte, der Artillerie eine ausreichende Bedeckung beizugeben. Wo er sich doch durch einen einzigen Blick auf die Karte h?tte überzeugen müssen, da? ein kurz entschlossener Führer auf der Gegenseite nicht lange fackeln würde, der feindlichen Verteidigungsstellung durch einen schneidigen Vorsto? die Z?hne einzuschlagen.

Dem Oberstleutnant Harbrecht war in gerechtem Zorn der Atem ausgegangen, er mu?te eine kurze Pause machen. Karl von Gorski neigte sich nach rechts, flüsterte leise: ?Du, Hans.?

?Was' los??

?Ein Jammer, da? die Kommandeure nicht befugt sind, die Todesstrafe zu verh?ngen. Wenn die verbrecherischen Rittmeister immer gleich gek?ppt würden, würde das die Avancementsverh?ltnisse der unteren Chargen doch sehr günstig beeinflussen.?

?Sehr richtig, aber halt den Schnabel, – jetzt kommen wir an die Reihe!?

?Aber mit Schlagsahne natürlich ...?

Und die Prophezeiung traf ein. Der Oberstleutnant sang einen wahren Hymnus auf den Führer der fünften Schwadron. Seine Dispositionen w?ren klar und richtig gewesen, der pl?tzliche Angriff aber auf die feindliche Artillerie ein Meisterstück kavalleristischer Taktik. Den günstigen Augenblick wahrnehmen und danach kurz entschlossen handeln, das machte den echten Reiterführer aus! Und er schilderte, wie sich im Ernstfalle die Aff?re weiter entwickelt h?tte. Die Artillerie zum Schweigen gebracht und überritten, die feindliche Kavallerie im Rücken gefa?t, zu Krautsalat verhauen ... Nach allem Ungewitter schlo? der Kommandeur mit der humoristischen Wendung, es w?re immerhin ein Trost, da? die ?feindliche Armee? die Niederlage bezogen h?tte, nicht aber die eigene.

Der Kreis l?ste sich auf, die drei Schwadronen, die an der Uebung beteiligt gewesen waren, ritten ins Quartier zurück. Die Fünfte, als die Siegerin, hatte die Ehre, hinter der Regimentsmusik zu reiten, aus n?chster N?he die aufmunternden, lustigen Weisen zu h?ren. Und auf dem Heimwege bekam der Führer der Fünften noch eine neue Ladung von Lobsprüchen auf sein lorbeergeschmücktes Haupt. Karl von Gorski hatte dem Etatsm??igen eine begeisterte Schilderung von dem Zusammentreffen an der Grenze gegeben, der dicke Major von Schnakenburg übermittelte sie dem Kommandeur, und dieser setzte sich in Trab, lenkte seinen Gaul neben den Fuchswallach Gastons.

?H?ren Sie mal, lieber Rittmeister, Sie haben mich vorhin ein bi?chen beschwindelt. Der Zwischenfall mit den Russen war bedeutend sengeriger, als Sie ihn mir in Ihrer Bescheidenheit darzustellen beliebten!?

Gaston l?chelte.

?Verzeihung, aber ich konnte doch wohl nicht gut melden: Herr Oberstleutnant, es ist mir soeben gelungen, den Ausbruch des gro?en europ?ischen Krieges zu verhindern??

?Na,? meinte der Kommandeur, ?wenn auch nicht ganz so doll, aber in dem Augenblick roch es doch sehr nach Pulver! Die Stimmung ist zum Platzen gespannt, und es geh?rt nicht allzu viel Phantasie dazu, sich auszumalen, was alles h?tte geschehen k?nnen, wenn Sie die Angelegenheit nicht in einer so – ich m?chte sagen – überlegenen Art und Weise in Ordnung gebracht h?tten!?

Gaston verneigte sich leicht im Sattel, die Hand am Helmrande.

?Gehorsamsten Dank! Es erfüllt mich mit Stolz, da? Herr Oberstleutnant mit mir zufrieden sind.?

?Papperlapapp, 'zufrieden'! Imponiert hat's mir, wie Sie das gemacht haben! Das gl?nzendste war, da? Sie mit Platzpatronen scharf laden lie?en. Ich habe hell aufgelacht, als Major von Schnakenburg mir es eben schilderte! Und jetzt mu? ich Ihnen was erz?hlen. An dem Tage, als Sie Ihre Schwadron übernahmen, war ich zuf?llig mit meinem T?chterchen auf dem Gro?en Platz.?

?Ich entsinne mich sehr wohl. Die junge Dame hat mich mit ihren blauen Guck?ugelchen recht scharf gemustert.?

?Ja! Und Sie haben ihr sehr gut gefallen. Als Sie mit Ihrer Schwadron einige wohlgelungene Bewegungen ausgeführt hatten, sagte sie: 'Papa, ich glaube, wir haben mit diesem Herrn von Foucar eine gl?nzende Akquisition gemacht'. Ich stimmte ihr schon damals zu, aber heute m?chte ich's mit besonderem Nachdrucke wiederholen, da? ich ganz und gar der Meinung meines T?chterchens bin! Und meinem alten Freund Wegener dankbar, da? er Sie mir ins Regiment gebracht hat. Na, und inzwischen habe ich ja auch zu meiner Freude geh?rt, da? Sie sich aufgemacht haben, den bisher vers?umten Anschlu? an die Kameraden zu suchen.?

?Sehr wohl, Herr Oberstleutnant! Aber ich m?chte gehorsamst bemerken, dieses Ueberma? von Lob erdrückt mich. Ich bitte, mich Ihrem Fr?ulein Tochter angelegentlichst zu empfehlen und hinzuzufügen, da? ihre so klar prüfenden Augen mir damals ein ganz besonderer Ansporn waren.?

Der Kommandeur lachte.

?Ne, lieber Foucar, den zweiten Teil richt' ich nicht aus. Das J?hr ist sowieso schon verschossen in Sie. Meine gute Alte auch. Und aus ihren Erz?hlungen entnehm' ich, noch nie h?tte sich die gesamte Weiblichkeit im St?dtchen für einen neu ins Regiment gekommenen Herrn so interessiert wie für Sie. Sie h?tten 'so was an sich ...' Na, ich will Sie nicht noch eitler machen, wie Sie wahrscheinlich wohl schon sind.?

Gaston erwiderte darauf nichts, er spürte einen leichten Stich im Herzen. Es hatte wohl seine Richtigkeit, da? die Frauen in ihm etwas Besonderes sahen. Sonst w?re es doch kaum erkl?rlich gewesen, da? die da in Berlin ihm schon nach der ersten flüchtigen Begegnung eine Zuneigung geschenkt hatte, die sonst vielleicht erst nach l?ngerer Bekanntschaft zustande kam. Ein anderer an seiner Stelle w?re mit dieser Mitgift wahrscheinlich ein skrupelloser Don Juan geworden. Er aber war, dank der Erziehung durch Frauenhand, ein respektvoller Jüngling geblieben, der in jedem Weibe etwas Heiliges sah. Und mit einer gewissen Bitterkeit mu?te er daran denken, wie anders vielleicht alles gekommen w?re, wenn er in jener Nacht in dem Ballokal gesagt h?tte: ?Charmant, gn?dige Frau, ich wohne Rankestra?e Numero so und so viel. Falls Sie mir dort gelegentlich einmal Ihr Herz ausschütten wollen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.? Das w?re der richtige Ton gewesen für diese frivole Gesellschaft. Statt dessen war er gleich mit dem schweren Geschütz eines veritablen Heiratsantrages herausgerückt. L?cherlich war das gewesen! Und noch l?cherlicher, da? er hinterher die ganze Angelegenheit so tragisch genommen hatte, da? er darüber sein wirkliches Glück verscherzte. Aber, Gott sei Dank, noch winkte ja ein Hoffnungsstrahl nach der finsteren Nacht der Verzweiflung. Und den gedachte er am Zipfel zu fassen, sich draufzuschwingen, wie das Schneiderlein im M?rchen, das auf einem feinen Lichtfaden in den Himmel kletterte.

Der Regimentskommandeur an seiner Seite traktierte schon eine Weile lang ernsthafte Angelegenheiten. Da? die Augen- und Ohrenzeugen der Grenzaff?re nachher auf dem Regimentsbureau zusammenzukommen h?tten, um über den Vorgang ein genaues Protokoll aufzunehmen. Für den Fall, da? die Sache auf irgend einem Wege in die Zeitungen k?me. Man wü?te ja, wie es in solchen F?llen zuginge. Die Kerls erz?hlten den Vorfall in der Kneipe, zwei Tage sp?ter st?nde er, in entstellter Form und auf dem Umwege über das Ordensburger Bl?ttchen, in den Berliner Zeitungen. Da g?lte es, der Brigade rechtzeitig einen Bericht einzureichen, der ihr gestattete, erforderlichen Falles mit einem Dementi aufzuwarten.

Und dann kam der Kommandeur auf sein Steckenpferd, den zukünftigen Feldzug zwischen, gleicherma?en mit allen Errungenschaften der Neuzeit ausgestatteten Nationen. Grauenhaft mü?te der werden – von der Zeit, in der er den Russisch-Japanischen Krieg als Attaché mitgemacht h?tte, wü?te er ein Lied davon zu singen! Das Schlachtfeld von einer unheimlichen Leere, nur die Shrapnells schwirrten in der Luft auf ausgerechnete Ziele. Und die beiden Heere buddelten sich gleich Maulwürfen aneinander heran. Zur Nachtzeit überfiel man sich gegenseitig, wie im Dunkeln schleichende M?rder gingen die Truppen aufeinander los, statt wie ehrliche K?mpfer im Tageslicht. Drahthindernisse mu?te man zerschneiden, Wolfsgruben überklettern, und dann gab's ein Ringen in stockfinstrer Nacht, Mann gegen Mann mit Bajonett und Kolben. Gott allein mochte wissen, wie die Taktik in zwanzig Jahren aussah, wenn die Vervollkommnung der Kriegswaffen, die einen Angriff auf gedeckt liegende Infanterie bei Tage schon jetzt fast unm?glich machte, so weiter ging.

So sprach der Kommandeur, der neben ihm reitende Untergebene h?rte respektvoll zu, aber seine Gedanken waren ganz wo anders. Bei einer, nach der er sich all diese Wochen in Sehnsucht verzehrt hatte, und die er jetzt in gemessener Frist wiedersehen sollte. Die ihm zugesagte nochmalige Einladung war eine Verhei?ung besonderer Art, da mu?te er sich mit einigem auseinandersetzen, ehe er sie annahm. Und da quoll ein Gefühl – wie ihm scheinen wollte – gesunder Selbstsucht in ihm empor.

Sollte er sein ganzes Leben in Sack und Asche vertrauern, weil eine unglückliche Frau sich an ihn geh?ngt hatte? Mit einer Leidenschaft, die er nicht erwidern konnte? Zum Teufel noch mal, er hatte sie nicht eingeladen, sich in ihn zu verlieben! Und von dem Wort, das er ihr gegeben, hatte er sich zweimal gel?st. Damit sollte sie sich abfinden, wie mit manchem anderen in ihrem bewegten Leben.

Eine Art von Ha? stieg in ihm auf. Ohne seine pinselige Gewissenhaftigkeit h?tte er schon seit Wochen vielleicht ein anderes Leben führen k?nnen. Ein Leben, bei dem man fr?hlich war mit den Fr?hlichen, wie ein rechter Reitersmann, der sich um das Gestern nicht qu?lte und um das Morgen. Und, wenn er schon beim Anreiten gegen den Feind sein Herz beschwerte, auch wu?te, weshalb. Weil daheim im Quartier eine zurückblieb, um derenwillen er gerne heil wiedergekommen w?re. Eine Reine und Feine, von der er genau wu?te, da? sie in ihrer Vergangenheit nichts zu verstecken hatte.

Die Schwadronen, die an der Uebung teilgenommen hatten, zogen mit klingendem Spiel zum St?dtchen hinein, auf dem Kasernenhofe wurden sie vom Kommandeur entlassen. Die Offiziere der Fünften ersuchte er, in die Regimentskanzlei zu kommen, um dort, noch unter dem frischen Eindruck, alle Einzelheiten des Zusammentreffens mit den russischen Dragonern festzustellen, in einem für die Brigade bestimmten schriftlichen Berichte niederzulegen. Und da ergab es sich, da? Karl von Gorski, weil er auf dem Heimwege den Vorgang wohl ein halb Dutzend Male mit Begeisterung erz?hlt hatte, am besten Bescheid wu?te, sich noch jedes einzelnen Wortes entsann, das von hüben und drüben gewechselt worden war. Da übertrug der Kommandeur ihm die Abfassung des Berichtes, wie er mit einem L?cheln hinzufügte, zur Belohnung für den bei der Aff?re bewiesenen Eifer.

Erst als die anderen Herren schon die Treppe hinabgingen mit klappernden S?beln, d?mmerte dem Kleinen eine Ahnung, da? er diesmal der Hereingefallene war. Mit einem wahren Dreim?nnerdurst in hei?er Schreibstube an einem ellenlangen Bericht bauen mu?te, w?hrend sein Bruder Hans mit dem Oberleutnant Gusovius in der schattigen Laube des Kasinogartens jetzt schon das erste Glas Bayrisch über die ausged?rrte Zunge rinnen lie?. Da verschwor er sich heftig, niemals mehr wieder vorwitzig mit Kenntnissen zu prunken, deren Anerkennung von seiten der Vorgesetzten ehrenvoll war, aber mit vermehrter Arbeit verbunden.

Als Gaston durch die schattenlose Hauptstra?e ritt, den Burschen hinter sich, winkte von einem mit Blumen bestandenen Balkon ein Batisttüchlein, eine helle Frauenstimme rief: ?He, Herr von Foucar!?

Er hob den Kopf, Frau von Lüttritz, die jugendliche Gattin des Kommandeurs der zweiten Schwadron, stand zwischen blühenden Geranien, lachte ihn fr?hlich an. Da ritt er n?her: ?Gn?dige Frau befehlen??

?Sie m?chten mal zu meinem Mann 'raufkommen! Er probiert gerade ein neues Erfrischungsgetr?nk, das ich heute erst aus K?nigsberg bekommen habe. Melonenextrakt mit eisgekühltem Selter und einem leichten Schu? Kognak. Davon will er Ihnen gro?mütig 'was abgeben, trotzdem Sie ihn in den Dombrowker Bergen so greulich besiegt haben!?

Er rief zurück: ?Gn?dige Frau, mir l?uft das Wasser im Munde zusammen, aber ich mu? leider nach Hause. Ich erwarte eine Nachricht, von der für mich allerlei abh?ngt. Au?erdem bin ich in einem absolut nicht pr?sentablen Zustande ... einen halben Zentimeter Chausseestaub innerlich und ?u?erlich.?

?Glauben Sie, mein Mann sieht anders aus? Und manchmal erf?hrt man schon unterwegs mündlich, was man erst zu Hause schriftlich zu finden hofft!?

Da lachte er und schwang sich aus dem Sattel und stieg mit froher Erwartung im Herzen die Treppe empor.

In dem behaglichen Wohnzimmer, dessen Fenster zur Abwehr der drau?en herrschenden Hitze durch dicke Vorh?nge verdunkelt waren, empfing ihn das Ehepaar Lüttritz. Eine junge Dame, die mit dem Rücken zum Fenster gesessen hatte, stand auf und kam n?her. Ihr Gesicht konnte er nicht erkennen, denn seine Augen waren noch vom hellen Sonnenlicht geblendet und mu?ten sich erst an das Halbdunkel gew?hnen. Aber er spürte im Herzen, wer da auf ihn zukam.

Frau von Lüttritz sagte l?chelnd: ?Die Herrschaften sind sich wohl nicht mehr fremd. Fr?ulein von Gorski hatte im St?dtchen zu tun und war so liebenswürdig, mich zu besuchen.?

Gaston verneigte sich schweigend. Eine seltsame Beklommenheit hatte ihn pl?tzlich überfallen, wie vor einer kommenden Entscheidung. Annemarie streckte ihm die Hand entgegen. Ihre Stimme klang ein wenig unsicher.

?O ja, ich entsinne mich. Ich kam damals mit Papa aus der K?nigsberger Klinik.?

Er wollte ihre Hand an die Lippen ziehen, sie aber wehrte ab, und eine feine R?te stieg in ihren Wangen empor.

Frau von Lüttritz mischte mit Eifer und Sachverst?ndnis das kühlende Getr?nk, ihr Gatte, ein gutmütiger, dicker Herr mit blondem, kurzgestutztem Barte, sah ihr interessiert zu.

?Nimm nicht so viel von dem teuren Kognak rein, Lottchen! Nachdem er mich schon milit?risch gesch?digt hat, der brave Foucar, ist es doch nicht n?tig, da? er mich jetzt arm macht.?

Man setzte sich lachend um den Tisch herum, das Gespr?ch wandte sich den Ereignissen des Vormittags zu. Und der Rittmeister von Lüttritz bekannte ehrlich, er w?re heilfroh, nicht an der Stelle seines Kameraden Foucar gewesen zu sein. Er h?tte den ersten zornigen Zuruf des russischen Schwadronschefs wahrscheinlich mit einer hahnebüchenen Grobheit beantwortet, und der Ramsch w?re fertig gewesen! Und da Annemarie noch nicht wu?te, um was es sich handelte, schilderte er den Zusammensto? an der Grenze, wie er ihm von dem jüngeren Gorski auf dem Heimwege erz?hlt worden war. Er wurde ordentlich lebhaft dabei und schlo? mit der neidlosen Anerkennung, er h?tte eine so elegante Abfuhr nicht fertig gekriegt mit seinem schwerf?lligen Temperament. Dazu geh?rte doch wohl ein Tr?pfchen von dem Blute derer, die gew?hnt w?ren, das leichte Florett zu führen statt des schweren S?bels.

Die Damen hatten mit gl?nzenden Augen zugeh?rt. Gaston verwahrte sich dagegen, da? man aus einer Unbetr?chtlichkeit eine Heldentat machte, aber sein Protest klang nicht mehr so echt wie noch wenige Stunden zuvor, als er den kleinen Gorski anschrie. Nun, wer an seiner Stelle h?tte wohl anders gehandelt, wenn vor der heimlich Geliebten sein Loblied gesungen wurde?

Frau von Lüttritz wurde pl?tzlich ins Kinderzimmer abgerufen. Sie warf im Abgehen dem Gatten einen Blick zu. Da entsann sich dieser mit einem Male, er h?tte der im Nebenzimmer wartenden Ordonnanz ein paar eilige Unterschriften zu geben, und entschuldigte sich mit der Versicherung, er komme sofort wieder zurück. Gaston merkte, da? freundliche H?nde ihm die Gelegenheit zu einer Aussprache bereitet hatten, und da gab er sich einen Ruck. Wer mochte wissen, wie lange die Zeit des Alleinseins dauerte, und dann war der günstige Augenblick verpa?t. Nur, als er zu sprechen begann, klang seine Stimme heiser vor Erregung.

?Mein gn?diges Fr?ulein, Sie werden sich gewundert haben, da? ich Ihrer so freundlichen Einladung bisher nicht gefolgt bin. Das hatte seine Gründe. Ich schleppte etwas mit mir herum, wovon ich mich erst sp?ter freigemacht habe. Damit wollte ich Ihnen nicht unter die Augen treten. Ich erschien mir zu unwürdig. Ehe ich aber weiter spreche, müssen Sie die Güte haben, mir eine kurze Frage zu beantworten. Mir ist erz?hlt worden, Sie würden sich demn?chst verloben. Ist das wahr??

Annemarie sa? verwirrt da, die Wangen mit Blut übergossen. Sie selbst hatte ihre Freundin Lüttritz gebeten, den Herrn von Foucar anzurufen, wenn er vorüberreiten würde, weil sie ihm etwas zu sagen h?tte. Jetzt aber war sie erschreckt von dem Ungestüm, mit dem er auf sein Ziel losging. Und es dauerte ein Weilchen, bis sie die Antwort fand.

?Nein,? sagte sie leise, ?ich habe ihm geschrieben, er dürfte sich keine Hoffnungen mehr machen. Er würde selbst am besten wissen, weshalb nicht mehr. Also ich werde mich nicht verloben.?

Da überflutete ihn das Glück, machte ihn übermütig und froh. Er lachte auf.

?Das wollen wir denn doch nicht verreden! Ich rechne sogar sehr stark darauf, aber mit mir!? Und als sie ihr Gesicht noch tiefer senkte, griff er nach ihrer Hand.

?Fr?ulein Annemarie, das ist wie heute vormittag, wenn der Augenblick da ist, mu? man nicht zaudern, sondern handeln. Seit dem ersten Tage, wo ich Sie gesehen habe, bin ich krank vor Sehnsucht, und da? ich Ihnen auch nicht gleichgültig bin – also sonst w?ren Sie doch nicht hier! Na und jetzt ...? Ob er sie nun an der Hand in die H?he gezogen hatte, oder ob sie aus eigenem Antrieb aufgestanden war, wu?ten sie sp?ter nicht zu sagen. Das war wohl ganz von selbst gekommen, da? sie mit einem Male in seinen Armen lag.

So standen sie eine ganze Weile lang, wie in eine ferne Welt entrückt, in der lauter Glück herrschte und Seligkeit. Kü?ten sich stumm und freuten sich, da? sie zueinander gefunden hatten, als es noch Zeit war. Und dann sa?en sie wieder auf ihren Stühlen, schwatzten t?richtes Zeug, wie es alle Verliebten taten seit Anbeginn der Welt.

Frau von Lüttritz kam wieder ins Zimmer und schlug in komischem Erstaunen die H?nde zusammen.

?Um Gottes willen, Annemieze, wie siehst Du aus! Im Gesicht ganz bemalt und die Bluse voll Flecken. Ich hatte mir's gleich gedacht, Du h?ttest zu der Unterredung mit dem bestaubten Reitersmann 'was Helleres anziehen sollen.?

Da warf Annemarie sich ihr mit Lachen und Weinen in die Arme: ?O Gott, Lottchen, das ist ja ein ganz schrecklicher Mensch! Meinst Du, er h?tte mich gefragt? Er nahm mich einfach in seine Arme.?

Frau von Lüttritz klopfte ihr den Rücken. ?Aber es war Dir nicht unangenehm! Das ist die Hauptsache. Na, ich gratuliere herzlich.?

Der Hausherr kam aus dem Nebenzimmer, merkwürdigerweise mit einer eisgekühlten Flasche Sekt in der Linken, w?hrend hinter ihm der Bursche ein Tablett mit vier Gl?sern trug. Es folgte eine frohe Viertelstunde, in der man an nichts anderes dachte als an das Glück des Augenblicks. Der Rittmeister von Lüttritz hob sein Glas.

?Na prost, junges Brautpaar, von Herzen alles Gute! Jetzt fange ich auch an, vor Ihren strategischen Talenten Respekt zu kriegen, lieber Foucar. Das war eben noch fixer als die Eroberung der beiden Batterien. Aber jetzt würde ich an Ihrer Stelle 'was opfern, wie der hochselige K?nig Polykrates. So viel Glück an einem Tag war ja noch nicht da.?

Die Gl?ser klangen aneinander, drau?en auf dem Vorplatze schrillte die Türglocke. Unwillkürlich horchten die Vier im Zimmer auf. Eine barsche Stimme war zu h?ren: ?Ist Fr?ulein von Gorski bei Ihnen??

?Ich wei? nich, Herr Leutnant,? antwortete der Bursche, ?ich mu? mal erst fragen.?

?Um Gottes willen,? sagte Annemarie halblaut, ?sein Bruder! Er kommt, mich zur Rede zu stellen.?

Herr von Lüttritz kratzte sich den Kopf.

?Ich hab's vielleicht beschrien. Der Ernst des Lebens meldet sich! Und was macht man da blo???

Gaston richtete sich auf.

?Wenn Sie mir gestatten würden, lieber Lüttritz, den Leutnant von Brinckenwurff in Ihrem Arbeitszimmer zu empfangen??

?Nicht um alle L?nder, die das Meer umspült. Sie kennen ihn nicht so gut wie ich. Der riskiert Kopf und Kragen, wenn er sich 'was auf die H?rner genommen hat. Sie k?nnen sich nicht vorstellen, was das Festlein, das wir eben feierten – also was für einen Affront das für die Familie Brinckenwurff bedeutet. Da mu? die Angelegenheit diplomatisch behandelt werden!?

W?hrend die beiden Herren noch sprachen, war der Bursche ins Zimmer gekommen und hatte gefragt, welchen Bescheid er dem drau?en wartenden Herrn von Brinckenwurff ausrichten solle. Annemarie warf den Kopf zurück, ihre feinen Nasenflügel bebten vor Erregung, aber ihre Stimme klang frei: ?Erlaubst Du, liebes Lottchen? Dann sagen Sie dem Herrn Leutnant, ich bin hier!?

Ein baumlanger Offizier trat auf die Schwelle, in dem bartlosen, fast noch knabenhaften Gesicht stand eiserne Entschlossenheit. Er verneigte sich in gemessener Haltung.

?Gn?dige Frau – Herr Rittmeister ... ich bitte um Entschuldigung, wenn ich st?re ... mein Bruder sitzt in meiner Wohnung, ganz niedergebrochen und zerschmettert ... bei dem nahen Freundschaftsverh?ltnis, in dem Sie zu Fr?ulein von Gorski stehen, werden Sie wohl schon wissen, weshalb. Und da werden Sie es mir vielleicht nachsehen, da? ich hier so formlos eingedrungen bin. Ich bitte um die Erlaubnis, Fr?ulein von Gorski unter vier Augen sprechen zu dürfen.?

Annemarie war zu Gaston getreten. Sie hob den Kopf, aus ihren blauen Augen sprühte heller Zorn.

?Hat Dein Bruder Hermann nicht meinen Brief bekommen??

?Allerdings. Aber w?re es nicht besser, wenn wir die Er?rterung darüber ...?

?Ich habe vor keinem Menschen 'was zu verbergen. Und meinem Brief nichts hinzuzufügen. Er war doch deutlich genug??

?Nicht ganz. Es fehlte jeder vernünftige Grund. Auf ein paar unbewiesene Klatschereien hin oder aus einer augenblicklichen Laune macht man einen anst?ndigen Menschen doch hier nicht vor aller Welt zum Kindergesp?tt.?

Annemarie lachte bitter auf.

?Ach, darum geht es Euch? Und 'Laune' nennst Du das, wenn ich mich n?chtelang gewunden habe vor Qual und Scham? Als ich die Wahrheit erfahren hatte ... Und jetzt sag' Deinem Bruder, es ist vorbei. Ich habe mich eben mit Herrn von Foucar verlobt. Weil ich ihn achte und liebe. Deinen Bruder aber ...?

Frau von Lüttritz schrie auf.

?Um Gottes willen, Kind, bedenk', was Du sprichst!?

Annemarie bi? einen Augenblick lang die Z?hne aufeinander, dann machte sie eine heftige Bewegung.

?Er h?tte mich nicht herausfordern sollen!? Und vor Erregung bebend wandte sie sich zu dem jungen Offizier.

?Grü?' Deinen Bruder, die Annemarie von Gorski l??t sich keine Kandaren anlegen! Und er soll seinem Sch?pfer danken, da? ich ihn nur verachte. Wenn ich ihn lieb gehabt h?tte, h?tte ich ihn mit der Reitpeitsche vom Hofe gejagt für den Schimpf, den er mir angetan hat. W?hrend er bei mir um das Jawort bettelte, dachte er an eine andere. Und an was für eine! An eine, zu der man im Dunkeln schleicht, und der hat er dasselbe geschworen wie mir.?

Die Stimme brach ihr, sie tastete mit der Hand rückw?rts. Gaston trat hinzu und fing sie auf.

Der jüngere Brinckenwurff zuckte mit den Achseln. Sein Gesicht blieb ruhig, nur die Stimme flatterte ihm ein wenig.

?Das sind unbewiesene Klatschereien, ich wiederhole es nachdrücklich. Mit Dir, Annemarie, kann sich mein Bruder jetzt wohl nicht mehr auseinandersetzen. Aber es sind ja andere vorhanden, die Deine Worte vertreten werden.?

Gaston hob die Hand.

?Das letzte war überflüssig, Herr von Brinckenwurff. Es dürfte sich empfehlen, da? Sie meiner Braut weitere Betrachtungen über die Empfindungen Ihres Herrn Bruders ersparen. Wir beide werden uns an anderem Orte aussprechen.?

Der Lange klappte die sporenbewehrten Abs?tze zusammen.

?Sehr wohl, Herr Rittmeister! Darf ich fragen, wann Herr Rittmeister heute nachmittag für den Beauftragten meines Bruders zu sprechen sein werden??

?Zwischen fünf und sechs. Bis dahin habe ich Dienst!?

?Sehr wohl, Herr Rittmeister. Gn?dige Frau, ich bin todunglücklich, da? ich in Ihr friedliches Haus eine solche Aufregung gebracht habe – es war nicht meine Schuld. Empfehle mich ganz gehorsamst.?

Er schlo? hinter sich die Tür, Annemarie lehnte mit geschlossenen Augen an der Brust ihres Verlobten, die beiden anderen in dem halbdunklen Zimmer standen schweigend. Wie ein aus heiterem Himmel pl?tzlich hereinbrechendes Gewitter war das eben gekommen ...

Nach einem kleinen Weilchen kratzte Herr von Lüttritz sich den Kopf: ?Verflucht, verflucht! Wenn man das h?tte voraussehen k?nnen.?

Seine Gattin fuhr auf.

?Ah nein! Das alles ist doch Unsinn! Wohin sollen wir denn kommen, wenn ein junges M?dchen sich nicht mehr frei entschlie?en kann, ohne da? der abgewiesene Freier sofort mit der Pistole herumfuchtelt? Aber wir stehen und schwatzen, und das arme M?del kommt nicht wieder zu sich.? Frau von Lüttritz eilte hinaus und kehrte nach kurzer Zeit mit einer Flasche K?lnischen Wassers zurück. Gaston hatte die immer noch Bewu?tlose zum n?chsten Stuhle getragen, erst unter den Bemühungen der Frau von Lüttritz kam sie wieder zu sich. Aber es dauerte eine Weile, bis sie sich entsann, was eben geschehen war. Da entschuldigte sie sich bei ihrer Freundin wegen der Ungelegenheiten, die sie ihr bereitete. Sonst w?re es nicht ihre Art, gleich einem nerv?sen Pensionsfr?ulein in Ohnmacht zu fallen. Und mit einem matten L?cheln fügte sie hinzu, das l?ge wohl daran, da? sie in den letzten vierundzwanzig Stunden vor Zorn, Aufregung und Bangen keinen Bissen über die Lippen gebracht h?tte.

Herr von Lüttritz lachte ger?uschvoll auf, bedeutete dem neben ihm stehenden Rittmeister von Foucar durch einen heimlichen Rippensto? das gleiche zu tun.

?Ha ha, ja natürlich ... und dann auf den nüchternen Magen 'ne Verlobung ... zu komisch ist das! Na dann, Lottchen, sorg dafür, da? unsere kleine Freundin 'was zu essen kriegt. Wir aber, lieber Foucar, lassen die beiden Damen wohl jetzt allein. Vielleicht holen Sie Ihr Fr?ulein Braut in einer Stunde ab, um mit ihr nach Kalinzinnen zu fahren. Zu dem zun?chst ergrimmten, dann aber in Rührung zerschmelzenden Herrn Schwiegerpapa.?

Annemarie streckte ihrem Verlobten die Hand entgegen. ?Es wird nicht so schlimm werden – dazu hat er mich viel zu lieb.? Herr und Frau von Lüttritz hatten sich diskret abgewandt, da stand sie auf, bot Gaston ohne Zieren die Lippen. Dann aber raunte sie an seinem Ohr: ?Verzeih', da? ich mich vorhin so fortrei?en lie?! Es war viel Angst dabei, sie k?nnten uns wieder auseinander bringen. Und wei?t Du, wann ich mich in Dich verliebt habe? Als Du mir in der Eisenbahn damals das Buch aufhobst. Deine lieben blauen Augen hatten es mir angetan.?

Er nahm sich gewaltsam zusammen, obwohl es ihn wie ein k?rperlicher Schmerz durchzuckte. Diese selben Worte hatte vor langen Wochen eine andere gesprochen. Oder geschrieben, das wu?te er nicht mehr genau. Aber mit diesen sentimentalen Erinnerungen mu?te es endlich aus sein. Er war doch kein Verbrecher, dem bei jeder Gelegenheit das Gewissen schlagen mu?te.

Herr von Lüttritz hatte seinen Gast bis auf die Stra?e hinausbegleitet.

?Gott sei Dank,? sagte er, ?Fr?ulein von Gorski scheint es gar nicht geh?rt zu haben, da? der ?ltere Brinckenwurff Ihnen ans Leder will. Und es ist gut so, da? sie sich nicht unnütz beunruhigt. Mein liebes Lottchen hat mir vorhin den Denkapparat gesch?rft. In diesem Falle w?re es wirklich Unsinn, wenn Sie sich ihm stellen wollten. Sie k?nnen doch – wei? Gott – nichts dafür, da? Herr von Brinckenwurff sich bei Fr?ulein von Gorski einen Korb geholt hat. Also werde ich mir meinen besten Frack anziehen und zum Kommandeur steigen. Ich sch?tze, er wird danach Gelegenheit nehmen, den eigentlich t?richten Konflikt im Keim zu ersticken.?

Gaston hob den Kopf.

?Hei?en Dank, lieber Lüttritz, für die gute Absicht, aber ich m?chte Sie bitten, diesen Besuch zu unterlassen. Die zukünftige Baronin Foucar von Kerdesac hat sich das Vergnügen gemacht, einen L?stigen temperamentvoll in seine Schranken zu weisen. Mir steht es nicht zu, daran Kritik zu üben. Es hat ihr so beliebt, und ich habe nichts weiter zu tun, als für die Folgen einzutreten!?

?Donnerwetter noch mal,? sagte der dicke Rittmeister in ehrlicher Bewunderung, ?ein Standpunkt! Ein bi?chen Ancien régime ... aber ihr mit dem franz?sischen Blut: Immer noch 'mon coeur aux dames'!?

?Ja,? erwiderte Gaston, ?das ist ein Teil aus dem Wappenspruch der Foucar. Jedenfalls werde ich Sie bitten, mir bei der kommenden Auseinandersetzung als Sekundant zur Seite zu stehen.?

?Aber mit Vergnügen! Dem Ehrenrat werden wir dann sagen, es h?tten so triftige Gründe vorgelegen, na und so weiter, et cetera p. p.?

?Selbstverst?ndlich!?

Der Bursche, der mit den beiden G?ulen im Schatten des Torwegs auf die Wiederkehr seines Herrn gewartet hatte, kam herbei, Gaston schwang sich in den Sattel.

?Na dann, hei?en Dank, lieber Lüttritz, für all Ihre Liebenswürdigkeit und auf Wiedersehen.?

?Auf Wiedersehen.?

Gaston ritt zum St?dtchen hinaus seinem kleinen H?uschen zu, das inmitten eines gro?en Obstgartens eine Strecke weit vor dem Tore lag. So recht heimlich und abgeschlossen. Wenn man sich darin einspann mit seinen Gedanken, war man allein wie auf einer Insel.

Die Eisen seines Irl?nders klapperten auf dem holperigen Steinpflaster, ganz unversehens flog ihn eine Erinnerung an. An die Szene, die ihm vor Wochen die alte Hexe gemacht hatte in seiner Wohnung in der Rankestra?e. Allerhand Drohungen hatte sie ausgesto?en, wenn er Josepha die Treue br?che. Darüber lachte er natürlich, heute wie damals. Was sollte sie ihm anhaben? Das Unheil kam schon ganz von selbst, aber von anderer Seite. Das liebe blonde M?del war ein wenig zu temperamentvoll gewesen. Und er hatte für sie einzutreten, denn sie war seine Braut. Nur er h?tte sich für solche F?lle eifriger im Pistolenschie?en üben sollen. Darin war er kein sonderlicher Held ... genau wie sein Vater damals, als er für die hohe Dame eintrat, deren Kavalier er war ...

Das H?uschen, das der pensionierte Kanzleibeamte auf der anderen Stra?enseite erbaute, war schon halb fertig. Ueber den unverputzten Ziegelmauern hoben sich die Dachsparren, eine Richtkrone hing am Giebel. Der Besitzer stand am Zaun und dienerte mit abgenommener Mütze. W?hrend Gaston die Rechte dankend an den Helmrand hob, glaubte er in einer der noch unverglasten Fenster?ffnungen ein gelbes Frauenantlitz zu erblicken, mit einem bunten Kopftuch darüber. Ein eiskalter Schauder flog ihm über den Rücken in der Glut des Sp?tsommertages, aber das lag blo? an seinen überreizten Nerven. Bunte Kopftücher wurden von fast allen masurischen Bauernweibern getragen. Nur die Art des Bindens war eine andere, aber darin hatte er sich vielleicht get?uscht. Als er sch?rfer hinblickte, war das gelbe Gesicht in der Fenster?ffnung da drüben verschwunden.

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