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Chapter 7 No.7

Die fünfte Eskadron des Dragonerregiments Graf Schmettau stand in Linie zu vier Zügen auf dem gro?en Ordensburger Exerzierplatze, der sich zwischen der Eisenbahn und dem Walde der Dom?ne Mrosen dehnte. Die G?ule schlugen mit den Schw?nzen und schlackerten die K?pfe der vielen Fliegen wegen, die Mannschaft sa? stumpfsinnig d?send da in den S?tteln. Es gab einen neuen Schwadronschef, von dem ein unbestimmtes Gerücht ging in den Mannschaftsstuben, er w?re ein besonders scharfer.

Aber nur die im ersten und zweiten Jahrgang verspürten ein leichtes Bangen in der Brust, die ?alten Leute? blickten ziemlich gleichgültig drein. Ihnen konnte nicht mehr viel passieren in den paar Wochen, bis Reserve Ruhe hatte. Wenn's aber Krieg gab, pumpte man ganz von selbst das letzte aus den Knochen. Dazu brauchte man nicht erst ?getrietzt? zu werden, um der Gesellschaft da drüben zu zeigen, was 'ne ostpreu?ische Dragonerfaust war.

Die Offiziere hielten in einem Pulk vor der Front und tauschten halblaut ihre Meinungen. Sie er?rterten die auff?llige Tatsache, da? ein Generalst?bler sechs Wochen ungef?hr vor der reglementsm??igen Zeit seine Schwadron gekriegt hatte. Daraus konnte man zweierlei Schlüsse ziehen. Entweder hatte man ihn in Berlin vorzeitig ?als unbrauchbar abgegeben?, oder er war eines von den ganz gro?en Kirchenlichtern, die eine au?ergew?hnliche Karriere machten.

?Das letzte, meine Herren, das letzte,? sagte Karl von Gorski, der jüngere der beiden Brüder. Er hatte sich am frühen Morgen zu dem feierlichen Anla? des Kommandowechsels wieder gesund gemeldet, trotzdem das verstauchte Handgelenk ihm bei der Zügelführung noch arge Schmerzen verursachte. Und mit pfiffigem L?cheln fügte er hinzu: ?Derweil die Herren noch schliefen, habe ich schon ein informatorisches Telephongespr?ch mit jemand gehabt, der sehr gut unterrichtet ist über unseren neuen Chef. Wir verdanken ihn der v?terlichen Fürsorge meines angeheirateten Onkels Wegener für sein altes Regiment. Er soll uns hier die Schlachtpl?ne ausarbeiten, wie wir es fertig kriegen, mit fünfhundert Mann eine Division Russen aufzuhalten. Und um auch gleich Ihre Neugierde nach seiner Familie zu befriedigen: sie war vor genau hundertzwanzig Jahren noch stockfranz?sisch. Als man damals in Paris die unangenehme Gepflogenheit einführte, s?mtliche Aristokraten um ein Stückchen kürzer zu schneiden – am oberen Ende natürlich –, wanderte sie nach Deutschland aus, weil das dort noch nicht Sitte war. Wissen Sie jetzt Bescheid, meine Herren??

?Vollkommen,? sagte der Leutnant Uhlenburg, wegen seiner Neigung zur Korpulenz das ?Tonnchen? genannt. ?Aber von wem haben Sie denn diese Kenntnisse bezogen??

?Von wem denn sonst als von meinem alten G?nner Exzellenz von Moltke, h?chstpers?nlich? Zuerst war er ein bi?chen knurrig, weil ich ihn durch dringliches Gespr?ch aus dem Schlaf geweckt hatte und er mit blo?en Beinen am Telephon stand. Im Generalstab zieht es n?mlich. Als er aber h?rte: 'Hier Karl von Gorski, der prominenteste Leutnant der Ordensburger Dragoner', wurde er wie Zucker! Sie hat er auch grü?en lassen, Tonnchen. Sie sollten nicht so viel dickes Bier trinken, sonst würden Sie nie General werden!?

Die anderen Herren lachten, nur der ernsthafte Oberleutnant Gusovius, der ein paar Schritte abseits hielt, verzog keine Miene. Er hatte die Schwadron von dem Tage an geführt, an dem der Rittmeister Kaminski sich krank meldete. Und da? da pl?tzlich vom Generalstabe einer ins Regiment schneite, hatte ihm stille Hoffnungen zerst?rt. Wenn's Glück gut war, w?re er zum Herbst auch an der Reihe gewesen, eine Schwadron zu kriegen. Im günstigsten Falle kam er jetzt in ein fremdes Regiment, wer wei? wohin, und an seiner Seele fra? gekr?nkter Ehrgeiz.

Auf dem Kamm der leichten Hügelwelle, die den Exerzierplatz von dem Gartenlande des St?dtchens schied, erschien ein einzelner Reiter. Der Oberleutnant Gusovius wandte sich im Sattel: ?Die Herren, bitte, auf ihre Posten! Stillgesessen!?

Er spornte seinen Gaul und kanterte dem Kommenden entgegen. Auf drei Schritt Entfernung parierte er und meldete: ?Die Eskadron ist rangiert in vier Zügen zu dreizehn Rotten mit zwei blinden!?

Rittmeister von Foucar streckte ihm die Hand entgegen.

?Danke, mein lieber Herr Gusovius! Und würden Sie es mir übelnehmen, wenn ich gleich zu Anfang und ohne alle Umschweife ein offenes Wort mit Ihnen spreche??

Der Oberleutnant lenkte seinen Gaul an die Respektseite seines neuen Vorgesetzten.

?Wie sollte ich wohl, Herr Rittmeister??

?Na also, im k?niglichen Dienst darf es ja wohl keine Empfindlichkeit geben, aber wir alle sind doch nur Menschen. Vorhin, als ich mich bei unserem Kommandeur meldete, glaubte ich aus einer beil?ufigen Bemerkung entnehmen zu dürfen, da? meine Versetzung ins hiesige Regiment gerade Ihnen nicht besonders willkommen gewesen w?re. Das tut mir leid, aber die Versetzung ist nur zum geringen Teil durch mein Zutun erfolgt. Es ist sehr ungew?hnlich, da? ich mich mit Ihnen darüber ausspreche – ich wei? es – aber ich m?chte nicht, da? unsere Beziehungen durch eine leicht begreifliche Verstimmung getrübt werden. Und zwar nicht blo? die dienstlichen. Also, wollen wir gute Kameradschaft halten??

Das finstere Gesicht des Oberleutnants Gusovius erhellte sich, jetzt streckte er dem Vorgesetzten die Hand hin.

?Sehr wohl, Herr Rittmeister, von Herzen gern!?

Gaston von Foucar aber fühlte, da? er in diesem Augenblicke einen Freund gewonnen hatte, und das gab ihm in seiner Lampenfieberstimmung die Sicherheit wieder. Er ritt vor die Front, rief laut und fest: ?Die Schwadron h?rt von jetzt an auf mein Kommando! Guten Morgen, Dragoner!?

?Guten Morgen, Herr Rittmeister,? schrie es wie aus einer einzigen Kehle zurück. Danach kam das Kommando ?Absitzen?, Gaston begrü?te die Offiziere und lie? sich die Unteroffiziere vorstellen. An jeden richtete er eine kurze Frage, und jeder von ihnen hatte das Gefühl, der Mann da mit dem gewinnenden Gesicht und den klaren Augen meinte es gut mit ihm, würde seinen Namen nicht vergessen.

Hans von Gorski stand neben seinem jüngeren Bruder. Die Offiziere hatten ebenso absitzen müssen wie die Mannschaft.

?Du, Karl,? sagte er leise.

?Na was denn??

?Ich kann mir nicht helfen, er gef?llt mir!?

?Mir schon gestern, wie er mich mit der Landkarte belapste. Und jetzt, da? er keine Rede gehalten hat. Besinnst Dich noch auf seinen Vorg?nger Kaminski? 'ne halbe Stunde lang hat er gepredigt von Pflicht und Ehre und nochmal Pflicht, zum Schlu?: 'Seine Majest?t der oberste Kriegsherr, hurra, hurra, hurra!' Nachher war er der erste, der schlapp machte. Aber erinner' mich nachher, ich hab' Dir was von unserem Cousinchen zu erz?hlen! Augen wie Wagenr?der wirst Du machen.?

?Warum nicht gleich??

?Weil die Geschichte zu lang ist. Aber pa? auf den Dienst, mein Sohn! 'Er' dreht sich schon nach uns um.?

Gaston ging langsam die Front entlang und musterte eingehend Mannschaft und Pferde. Jeden einzelnen der Dragoner fragte er nach Namen und Zivilverh?ltnis. Wenn ihm etwas Tadelnswertes auffiel an der Sattelung oder am Anzuge, sagte er nichts, sondern sah nur den neben ihm schreitenden Wachtmeister mit kurzem Blicke an. Der aber gab den Blick an die einzelnen Gruppenführer weiter, nur in erheblich verst?rktem Ma?e. Ein Donnerwetter zog sich über schuldigen H?uptern zusammen, die da geglaubt hatten, der alte Schlendrian k?nnte so weiter gehen.

Oberleutnant Gusovius r?usperte sich leicht: ?Herr Rittmeister!?

Gaston blickte auf, der Regimentskommandeur kam über die Hügelwelle geritten. Anscheinend ohne jede Inspizierungsabsicht. Seine beiden Foxterriers jagten kl?ffend über das schon gelblich gef?rbte kurze Gras, und neben ihm ritt seine jüngste Tochter. Ein blondlockiges M?del von sechzehn oder siebzehn Jahren, das im Herrensitze seinen Pony lenkte.

Gaston bestieg seinen irischen Fuchswallach, ri? den S?bel aus der Scheide. Wie eine Fanfare erklang das Kommando: ?An die Pferde! – Fertig zum Aufsitzen! – Aufgesessen!? Und nach gemessener Pause: ?Richt – Euch!?

Er ritt an den Flügel, die Richtung stimmte ausgezeichnet, die Bewegungen hatten geklappt. ?Augen – links!? kommandierte er und sprengte dem Kommandeur entgegen, die Schwadron zu melden.

Oberstleutnant Harbrecht winkte ab.

?Lassen Sie sich nicht st?ren, Herr Rittmeister, ich bin nur ganz zuf?llig herausgebummelt.? Er stellte sein T?chterchen vor und sagte: ?Lassen Sie, bitte, rühren.?

?Rührt Euch!? schrie Gaston über die Schulter zurück, und der Kommandeur fragte: ?Na, zufrieden??

?Danke, Herr Oberstleutnant, bis auf ganz geringfügige Kleinigkeiten.?

?Sehr nett von Ihnen – gegen Ihren Herrn Vorg?nger! Na, und was haben Sie weiter vor, Herr Rittmeister??

?Ich beabsichtige, die Schwadron eine halbe Stunde lang zu exerzieren. Haupts?chlich, um selbst nach langer Entw?hnung wieder in Uebung zu kommen.?

Der Oberstleutnant l?chelte.

?Bescheidenheit ziert den Ritter. Na, viel Vergnügen.? Er hob grü?end die Rechte an den Mützenschirm, das T?chterchen verabschiedete sich mit einem Kopfnicken. Gaston ritt zu seiner Schwadron zurück.

?Stillgesessen – Eskadron Terab!?

Die Schwadron ritt an, jeder einzelne Mann nahm sich zusammen, in der hellen Kommandostimme des neuen Führers lag etwas Anfeuerndes.

?Trompeter: Galopp!?

Gaston gab seinem irischen Fuchswallach die Sporen, da? er wie ein abgeschossener Pfeil über das Blachfeld flog. Hinter ihm kam die Schwadron wie ein Ungewitter. Nach fünfhundert Schritt ungef?hr sprengte er nach links, schwenkte um und parierte auf der Stelle, blickte prüfend auf die in einer Linie dahinfegende Schlachtreihe. Die Kerls gaben sich offensichtlich Mühe, Fühlung und Richtung waren gut.

?Eskadron mit Zügen brecht ab,? rief er, scharf kamen die Kommandos der Zugführer danach, das Man?ver verlief exakt. Bei keinem Garderegiment konnte es besser gehen.

?Famos,? rief das Kommandeurst?chterchen begeistert. ?Papa, ich glaube, mit diesem Herrn von Foucar haben wir eine gl?nzende Akquisition gemacht!?

Der Oberstleutnant lachte.

?Meinst Du??

?Aber positiv! Der Unterschied gegen früher ... Also den mu? doch ein Blinder mit dem Krückstock fühlen!?

?Na dann komm, Kind, wollen wieder nach Hause reiten. Auch ich hab' genug gesehen, die Schwadron ist in guten H?nden. Und merk' Dir eins: eine Truppe ist wie ein edles Pferd mit allen Vorzügen und Untugenden. Unter einem miserablen Reiter im Sattel bockt es, unter einem tüchtigen gibt es sein letztes her.?

Die Julisonne brannte sengend vom wolkenlosen Himmel herab, die G?ule warfen Schaum von den Gebi?stangen und bekamen nasse Flanken. Die Reiter hatten schwarze Gesichter von Staub und Schwei?, seltsam bl?nkerten die gl?nzenden Augen daraus hervor. Gaston brach das Exerzieren ab, er fühlte, er hatte die Schwadron in die Hand bekommen. Mit einem gewissen Stolz führte er sie in die Stadt zurück, ins Quartier.

Als die Spitze vom gro?en Platze unter die schattigen alten B?ume lenkte, die den Weg zum St?dtchen ums?umten, drehte er sich im Sattel: ?Wachtmeister, jeder Dragoner kriegt heute abend zwei Glas Bier in der Kantine auf meine Rechnung. Ich bin mit der Schwadron zufrieden! Und jetzt bitte ich mir ein Lied aus.?

Durch die in Marschkolonne reitende Truppe ging es wie ein Rauschen, der neue Rittmeister hatte sie auf Anhieb erobert. Schneid hatte er, verstand seinen Kram und besa? ein Herz für seine Kerls. Einer der Unteroffiziere erhob seinen wohlklingenden Tenor, die Mannschaft fiel mit rauher Kehle ein

?An der Grenze fern im Osten

H?lt ein Reiter still auf Posten,

Sieht hinaus ins weite Feld.

Drüben fahren auf Kanonen,

Sammeln sich Schwadronen,

In dem weiten, weiten Feld.?

Gaston von Foucar ritt an der Spitze seiner Truppe. Das Lied schien ihm wie eine gute Vorbedeutung. Vor Tagen schon hatte er's geh?rt, als sein Herz sich aus Skrupeln und N?ten zu l?sen begann ...

Karl von Gorski ritt neben seinem ?lteren Bruder an der Queue der Schwadron. Er kratzte sich mit der gesunden Rechten hinter dem Ohr.

?Du, Hans, ich glaube, die sch?nen Tage von Aranjuez sind vorüber.?

?Na Gott sei Dank, das vorher war ja auch zum Speien. Man f?ngt wieder an, Spa? am Dienst zu kriegen! Aber Du wolltest mir doch vorhin was von Annemarie ...??

?Ach so, ja ... also ich sehe sehr schwarz auf unseren guten Brinckenwurff. Das dürfte im August an Annemiezens Geburtstag eine b?se Ueberraschung geben. M?glicherweise auch schon vorher. Mit der Vereinigung von Kalinzinnen und Orlowen sieht es sehr nach Essig aus.?

Hans von Gorski tippte sich respektlos gegen die Stirn.

?Kleiner, ich glaube, Du tr?umst mit offenen Augen!?

?Ah nein, mein Jungchen, sondern meine bekanntlich in hohem Grade entwickelte Geistessch?rfe gestattet mir einen Blick in die Zukunft, die gew?hnlichen Sterblichen verschleiert ist. Morgen kaufe ich mir einen Dreifu? mit einem Pfund Weihrauch und frisier' mich als Pythia.?

?Mensch, red' endlich vernünftig! Was ist passiert??

?Na dann h?r' zu!? Karl von Gorski d?mpfte unwillkürlich seine Stimme: ?Also der 'Moltke', mit dem ich heute früh telephonierte, war selbstverst?ndlich Annemarie. Schon gestern erschien mir die Geschichte mit der Zigarettendose nicht geheuer. Es war für mich natürlich eine Kleinigkeit, dem harmlosen Tierchen alles abzufragen, was ich wissen wollte. Sie ist mit unserem neuen Rittmeister von K?nigsberg an zusammen gefahren, ihr gefiel er sehr, dem Alten weniger. Der machte sogar etwas Krach, bis sie ihn auf seinen geliebten Polenschimmel brachte, da hielt er Vortr?ge. Und als Annemarie den Herrn von Foucar nach Kalinzinnen einlud, best?tigte er die Einladung nicht. Da lie? sie absichtlich ihre goldene Zigarettendose im Coupé liegen, um ihm einen triftigen Vorwand zu baldigem Besuche zu geben.?

?Und das hat sie Dir so ganz offen gesagt??

?Ne, mein Jungchen, aber verschwiegen! Und – bewundere meinen Scharfsinn – das ist das Schlimme bei der Geschichte! H?tte sie mir nach all dem übrigen ganz harmlos gesagt: 'Du, Karl, denk' Dir blo?, ich habe dabei meine kostbare Zigarettendose im Coupé verloren, mit all den himmlischen Widmungen, und ich gr?me mich ganz fürchterlich, ob ich sie wohl wiederkriegen werde', w?re ich ja gar nicht auf den Spurius gekommen. Aber so liegt es doch klar auf der Hand, da? sie sich in unseren neuen Rittmeister arg verschossen hat. Und das ist kein Wunder. Er hat etwas an sich – also ich kann's verstehen, da? sich die M?dels in ihn verlieben.?

?Unsinn,? sagte Hans von Gorski, aber es klang nicht ganz überzeugt. ?Und dagegen spricht doch, da? Herr von Foucar anscheinend nicht den geringsten Wert darauf gelegt hat, das Fundstück pers?nlich zurückzubringen!?

Der jüngere der beiden Brüder zuckte mit den Achseln.

?Dafür gibt's 'ne Masse Erkl?rungen. Vielleicht hat er die liebenswürdige Absicht gar nicht bemerkt. Das glaube ich n?mlich aus einem ganz bestimmten Grunde, und ebenso bin ich überzeugt, es tut ihm heute schon leid. Andererseits aber ist es auch m?glich, er ist so ma?los verw?hnt, da? er auf diese neue Eroberung keinen sonderlichen Wert legt. Aber vielleicht kommt das noch ... Wenn er unser 'trautstes Cousinchen' erst n?her kennen lernt.?

?Hm,? sagte der Aeltere, ?Du red'st wie ein Buch! Jedenfalls mü?te man dem Hermann Brinckenwurff einen kleinen Wink geben, damit er die Augen offen h?lt.?

?Um Himmels willen! Hast Du Lust, Deinen Daumen in eine Türangel zu klemmen? Damit knackt man Haselnüsse! Und uns beiden mu? doch die Annemieze n?her stehen! Ich bin kein Tugendbold, aber sag' mal selbst: Wenn Du die Aussicht h?ttest, eine Annemarie von Gorski zu heiraten, würdest Du es da fertig kriegen, eine nach übler Pomade duftende Mamsell auf den Mund zu küssen, mit dem sie kurz vorher – na sagen wir mal – G?nseleber mit Zwiebeln abgeschmeckt hat??

Hans von Gorski schüttelte sich lachend.

?Nicht um tausend Taler!?

?Na also!?

Eine Weile ritten sie schweigend nebeneinander her, dann fragte der Jüngere unvermittelt: ?Du, Hans??

?Was denn??

?Kannst Du Dir vorstellen, da? uns beiden so ein M?del wie Annemarie blanke Augen machen würde oder zur Ermunterung eine goldne Zigarettendose im Coupé liegen lassen??

?Schwerlich!?

?Na siehst Du,? versetzte der Jüngere tiefsinnig, ?ich habe es schon immer gesagt, und die Geschichte eben best?rkt mich von neuem in der Meinung: wir h?tten uns rechtzeitig zusammentun müssen, unseren Urgro?vater zu erschlagen. Von ihm stammt n?mlich, nach dem Bild im gro?en Saal zu schlie?en, in einem grotesken Sprung über Generationen, das ganze Malheur. Die krummen Beine, die gro?en Ohren, die Sommersprossen und der weit vorspringende Nasengiebel. Wobei ich annehme, der damalige Maler hat in Ansehung des Honorars noch betr?chtlich geschmeichelt.?

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