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Chapter 7 No.7

Ganz ?Gottessegen? rüstete sich zu einem gro?en Ereignis: gleich nach Weihnachten sollte die Hochzeit der ?ltesten Tochter Lida, die erst im vorigen Jahre das Institut verlassen hatte, stattfinden. Der Br?utigam war der reiche Gro?grundbesitzer Ramejkow.

Die Feier wurde von allen mit gro?er Spannung erwartet. Man erz?hlte sich, da? das Hochzeitsmahl besonders üppig sein werde und da? Pjotr Nikolajewitsch beinahe alle Hühner abgeschlachtet habe. ?Gottessegen? bekam einen feierlichen Anstrich. Die G?ste kamen schon am frühen Morgen zusammen, und Pjotr Nikolajewitsch, der besonders gut aufgelegt war, sorgte dafür, da? alle sich vor Lachen w?lzten. Alexandra Pawlowna hatte alle Vorbereitungen zu treffen und konnte vor überanstrengung kaum auf den Beinen stehen.

Endlich war die ganze Familie versammelt: aus Petersburg kam der ?lteste Sohn Mischa, Student im ersten Semester; aus Kiew die zweite Tochter Sina, die dort in einem Institut erzogen wurde; und aus der Kreisstadt - die Gymnasiastin Sonja. Der feierliche Augenblick rückte heran. Die Hochzeitsfeier fiel, wie jeder zugeben mu?te, ungemein lustig aus. Es gab natürlich einige seltsame Zwischenf?lle: als Pjotr Nikolajewitsch dem jungen Paar vor der Trauung seinen Segen gab und offenbar die Absicht hatte, dem Segen einige Ermahnungen für die Ehe folgen zu lassen, platzte er, nach einer l?ngeren peinlichen Pause, mit einem einzigen Wort heraus, das man unm?glich wiedergeben kann; der junge Ehemann war dadurch so frappiert, da? es ihn gro?e Mühe kostete, sich von den Knien zu erheben, und alle andern konnten schwer ihr Lachen verbei?en. W?hrend der kirchlichen Trauung flüsterte Pjotr Nikolajewitsch dem Geistlichen P. Iwan zu, da? er letzte Nacht von Eiern, die in einer Grube lagen, getr?umt h?tte. Der Geistliche kannte natürlich die b?se Bedeutung dieses Traumes; er kam ihm aber im Augenblick so ungemein komisch vor, da? er mitten im Gebet in schallendes Gel?chter ausbrach. Der Küster, der das Weihwasserfa? hielt, wieherte ganz ungeniert los, und mit ihm lachte das ganze Publikum: es war eher eine Narrensposse als eine Trauung.

Die Neuverm?hlten reisten gleich nach der Tafel nach Moskau ab, die Festlichkeiten in ?Gottessegen? dauerten aber fort. Die Jugend veranstaltete eine Theateraufführung und einen Maskenball. Auf dem Teich wurde eine Schlittschuhbahn und ein Eisberg eingerichtet, und die jungen Leute wetteiferten im Laufen.

Mischa Suchotin galt als hervorragender Schlittschuhl?ufer. Er war schlank und gelenkig und zeigte im Kunstlauf wahre Wunder. Auch seine Schwester Sonja, ein flinkes, lustiges M?dchen, war ungemein geschickt. Hell klang ihr Lachen in den sternenklaren Januarn?chten über die Eisdecke hin. Es war ein Vergnügen zu sehen, wie Bruder und Schwester Arm in Arm den Eisberg hinuntersausten. Sina war anders geartet und hatte mehr ?hnlichkeit mit Lida: sie war wie diese schweigsam und etwas schüchtern, aber nicht temperamentlos.

?Die Kinder sind der Mutter nachgeraten?, sagten alle Onkel und Tanten und alle alten Freunde des Hauses, die Alexandra Pawlowna n?her kannten.

Der Dreik?nigstag rückte heran. Mischas Kollegen und die Freundinnen seiner Schwester reisten ab. Auch die Suchotinschen Kinder mu?ten fort, es gefiel ihnen aber auf dem Lande so gut, da? die Abreise immer wieder verschoben wurde.

Am Dreik?nigsabend liefen Mischa und Sonja zum letztenmal auf die Eisbahn hinaus. Es war eine herrliche sternenklare Nacht; die blauen Schneefelder glitzerten in zahllosen Funken, und der starke Frost kniff in die Wangen und lie? das Eis krachen. Mischa und Sonja flogen über die Eisfl?che und wollten gar nicht aufh?ren. Da fiel Mischa pl?tzlich der ganzen L?nge nach hin. Sonja glaubte anfangs, es sei nur ein Scherz von ihm. Es war aber doch nicht so. Man hob ihn auf, trug ihn nach Hause und lie? ?rzte kommen. In drei Stunden war er tot. Der Schmerz war unbeschreiblich.

Am Abend nach der Beerdigung, als es im Hause pl?tzlich so leer war und alle abgespannt und schwermütig herumsa?en und herumirrten, kam pl?tzlich ein dringendes Telegramm von Ramejkow aus Moskau: Alexandra Pawlowna sollte sofort hinreisen.

Sie reiste noch in der gleichen Nacht ab.

Sina und Sonja waren in der gr??ten Sorge, Pjotr Nikolajewitsch schien aber ganz ruhig, als ob gar nichts vorgefallen w?re. Er ?nderte auch nichts an seiner Lebensweise und seinen Gewohnheiten. Der einzige Unterschied war der, da? er in diesen Tagen noch mehr Hühner schlachtete als sonst. Das hatte aber einen Grund: Sina, die sich bei Mischas Beerdigung erk?ltet hatte, lag krank zu Bett und brauchte besondere Di?t. Und dann noch etwas - das ist aber nur eine seiner Schrullen! -, er lie? zu Mittag die riesengro?e Ochsenzunge auftragen, die noch vom Hochzeitsmahl übriggeblieben war.

Endlich kam aus Moskau die Nachricht: Lida hatte sich erh?ngt. Gro? war der Schmerz der Familie.

Nun wurde der zweite Sarg in die Suchotinsche Familiengruft versenkt. Im Hause wurde es noch ?der und einsamer. Alexandra Pawlowna schlich tagelang wie ein Schatten umher.

Sie konnte sich jetzt nicht verzeihen, da? sie ihre Zustimmung zu dieser Ehe gegeben hatte: sie hatte ja den Ramejkow als einen leichtsinnigen und gemeinen - ja, ganz gemeinen! - Menschen gekannt. Warum hatte sie Lida nicht gewarnt? Lida h?tte doch sicher auf ihre Warnung geh?rt. Sie h?tte sie leicht überzeugen k?nnen, denn sie kannte so viele h??liche und gemeine Geschichten aus Ramejkows Vorleben, über die sogar am Hochzeitstage in ihrem Hause getuschelt wurde.

Nun war es zu sp?t. Gewissensbisse halfen nicht. Alexandra Pawlowna schrie beinahe vor Schmerz.

Pjotr Nikolajewitsch war etwas abgespannt, doch wohl kaum aus Schmerz über die Verluste. Der Tod der beiden Kinder rief in ihm nur die gleiche Neugier hervor wie der Tod jedes andern, ihm g?nzlich fremden Menschen. Seine Abgespanntheit rührte eher von einer schlaflosen Nacht her. Lidas Leiche war in einem geschlossenen Sarge nach ?Gottessegen? gebracht worden; Pjotr Nikolajewitsch bestand aber darauf, da? der Deckel abgeschraubt wurde. Er enthüllte mit eigenen H?nden das Gesicht seiner Tochter und stand dann die ganze Nacht vor dem Sarge, den Blick unverwandt auf die Tote gerichtet. Nun sa? er, mit seinem flaschengrünen Schlafrock angetan, in einem Lehnsessel und schlummerte.

So verging die Nacht nach Lidas Beerdigung.

In Sinas Zustand trat indessen eine Verschlimmerung ein. Die ?rzte konstatierten Typhus. Ganz ?Gottessegen? hielt den Atem an und wartete auf die Krisis. Und die Krisis kam. Die ?rzte traten zu einem Konsilium zusammen und erkl?rten, da? keine Hoffnung mehr da sei.

Bei den Suchotins herrschte eine strenge Hausordnung, an der die Kinder, selbst als sie erwachsen waren und in den Ferien auf Besuch nach Hause kamen, noch immer festhielten: Lida mu?te ihrem Vater die Zigaretten stopfen und Sina die Uhr im E?zimmer aufziehen. Jetzt stopfte der alte Kammerdiener Michej die Zigaretten, und die Uhr im E?zimmer stand still.

Sina litt sichtlich unter dem Gedanken, da? ihre Krankheit die alte Hausordnung st?rte, und wollte daher ins Krankenhaus gebracht werden; sie konnte diesen Wunsch aber nicht mehr aussprechen: sie hatte bereits ihre Sprache verloren.

Unter Anspannung ihrer letzten Kr?fte bat sie Sonja durch Zeichen um einen Bleistift und ein Stück Papier. Als sie den einen Buchstaben ?K? geschrieben hatte, entfiel der Bleistift ihrer Hand, und sie war tot. Wieder war der Schmerz unbeschreiblich.

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