Der Winter des Jahres 1863 nahte und brachte ein politisches Ereignis, das wieder auf das Leben der Familie einwirken sollte: den Tod des K?nigs von D?nemark, das Erl?schen seiner Linie und infolgedessen den schleswig-holsteinschen Krieg. Die deutsche Begeisterung flammte hoch auf für Befreiung der Herzogtümer vom d?nischen Joch und für Anerkennung des Herzogs Friedrich von Augustenburg. Es wurden viele Versammlungen gehalten und für den Politiker von Fach war ein unruhiger Winter zu erwarten, vielleicht auch wieder ein mehrfacher Wechsel des Aufenthalts.
Im Hinblick darauf machten die beiden Schw?gerinnen, noch w?hrend Pauline bei ihnen krank lag, den Vorschlag, die Kinder über den Winter in München zu behalten, damit sie nicht wieder aus dem Studium der franz?sischen Sprache, das ernstlich betrieben wurde, herausgerissen würden. Dankbar nahmen die Eltern das Anerbieten an.
Endlich war Frau Brater so weit hergestellt, um die Reise nach Erlangen wagen zu k?nnen, und kaum wieder bei Kr?ften, machte sie sich daran einzupacken – worin sie bereits eine gro?e Fertigkeit hatte –, um endlich ihrem Manne nach Erlangen nachzukommen. Zum ersten Male lie? sie für l?ngere Zeit die Kinder zurück und es fiel ihr, die sich noch geschw?cht fühlte, der Abschied schwer. Aber in Erlangen war sie gar sehnlich erwartet worden von den beiden M?nnern, denen sie h?usliches Behagen bringen sollte, auch die Haush?lterin, der es nicht leicht fiel, mit dem Haushaltungsgeld auszukommen und mit der Erziehung der gr??eren Kinder fertig zu werden, hoffte auf ihre Unterstützung und die Kinder folgten ihr auf Schritt und Tritt, wenn sie ordnend und einrichtend durchs Haus ging. W?hrend ihr Mann in politischen Gesch?ften vorübergehend nach Frankfurt reiste, richtete sie für ihn ein behagliches Arbeitszimmer ein und freute sich, ihm bei seiner Rückkehr, die für den heiligen Abend zu erwarten war, das ver?nderte und nun gemütlich aussehende Winterquartier zu zeigen. Er kam auch eben noch zur rechten Zeit, um mit ihr und der Familie Pfaff den heiligen Abend zu feiern, nur zeigte er nicht die eingehende Teilnahme für die Einrichtung, wie sie erwartet hatte, und war schweigsamer als sonst. Am n?chsten Morgen sollte sie erfahren warum, er hatte nicht die Freude des Wiedersehens, die Feier des heiligen Abends verderben wollen, aber nun konnte er ihr nimmer verhehlen, da? ihre Hoffnung, den Winter in Erlangen zuzubringen, nicht in Erfüllung gehen sollte: zu Neujahr mu?ten sie übersiedeln nach Frankfurt.
Brater war zum gesch?ftsführenden Mitglied des Zentralausschusses für die schleswig-holsteinischen Angelegenheiten ernannt, der in Frankfurt seinen Sitz hatte. Es war ja begreiflich, da? man sich wieder an ihn, den Politiker von Fach, wandte, und es galt allen für selbstverst?ndlich, da? er sich einer solch nationalen Sache nicht entziehen würde, allen, auch Frau Brater. Aber im ersten Augenblick erschien es ihr doch unm?glich, schon wieder abzubrechen! Und wie wenig Zeit blieb zur Beratung! Schon auf 31. Dezember war eine Versammlung von 500 Abgeordneten deutscher St?ndeversammlungen nach Frankfurt einberufen und alle Gedanken ihres Mannes waren durch diese Angelegenheit in Anspruch genommen. Er reiste voraus, sie richtete in m?glichster Eile alles, um ihm zu folgen, der schon ungeduldig schrieb: ?H?tte ich Dich nur schon morgen hier zur gemeinschaftlichen Silvesterabend- und Silvesternacht-Feier. Am 2. k?nntest Du wohl reisen?? Und am 1. Januar schrieb er:
Liebster Schatz!
Die Silvesternacht habe ich in unserem neuen Hauptquartier zugebracht – freilich in tiefer Einsamkeit. Ich erwarte nun stündlich die Nachricht von Deinem baldigen Eintreffen und rechne darauf, da? Du nicht lange mehr z?gern wirst. Du bekommst ein behagliches kleines Wohnzimmer, weniger bequem ist die Schlafgelegenheit bestellt. Das Bettzeug wirst Du mitbringen müssen. Eine vollst?ndige, aber rattenkahle Küche steht zu Deiner Verfügung. Da es m?glich ist – obwohl die preu?ische Regierung den Senat schon bedr?ngt hat, unserem Dasein ein Ende zu machen – da? wir manchen Monat hier zubringen, so solltest Du es Dich nicht gereuen lassen, nachtr?glich einige Kleinigkeiten einzupacken, die ein Zimmer beleben und verzieren, wenn sie auch nicht zu den Notwendigkeiten geh?ren. Nur von Schreibmaterialien bitte ich ja nichts hierher zu schleppen, da wir durch eine Kollekte bei den Schreibmaterialisten in diesem Fach reich ausgestattet sind.
Als sie auf diese Briefe hin in m?glichster Eile alles zur Abreise gerichtet hatte, kam wieder ein Brief, der ihr Halt gebot.
?Heute traf die Einladung der holsteinischen Regierung zu einer Besprechung in Kiel ein.... Es ist ?rgerlich genug, doch tr?ste ich mich einigerma?en damit, da? bis dahin für Deine Reise vielleicht besseres Wetter eingetreten ist. Schone Dich nur auf alle Art....
Für meine Verpackung ist gut gesorgt: ich bin mit einer vollst?ndigen Pelzhose und Rock versehen. Gestern sind auch unsere finanziellen Angelegenheiten in Ordnung gebracht worden: viertelj?hrlich 500 Taler mit freier Wohnung, Heizung und Beleuchtung. Der Zeitungsausschu? weigert sich, mir meinen Gehaltsbezug einzustellen und überl??t es mir, dagegen nach Belieben Aktien zu nehmen. Jedenfalls ist auf diese Art anst?ndig gesorgt.
Nimm dich zusammen, mein Schatz, und lasse Dich nicht von Deinen melancholischen Anwandlungen überw?ltigen; bringe auch, wenn Du Platz hast, ein Kopfkissen mit zur Erg?nzung einer etwas unzul?nglichen Bettdecke.... Auf endliches Wiedersehen
Dein Karl.?
(Nachschrift). ?Die Beischaffung eines zweiten Bettes, das man ebenfalls gratis liefern wollte,[7] macht, wie mir heute berichtet wird, unerwartete Schwierigkeiten. Da Du nun Mu?e hast zu packen, so w?re wohl das Zweckm??igste, eines von unsern eigenen mitzubringen.... Von dem übrigen Gep?ck habe ich noch nichts und bin hinsichtlich der W?sche nicht übel in Verlegenheit. Heute lasse ich noch am Bahnhof fragen.?
[7] Dies geschah alles aus Begeisterung für die schleswig-holsteinische Sache.
Diese hauswirtschaftlichen Bemerkungen werfen ein Licht auf die vielen kleinen Opfer, die ein solches Wanderleben mit sich brachte, und jede Hausfrau kann sich vorstellen, da? Pauline eine geringe Freude hatte, als sie nach m?glichst beschleunigten Reisevorbereitungen den Termin wieder ver?ndert sah und das verlangte Bett nachschicken mu?te. Sie schrieb in jenen Tagen an Lina Sartorius:
Liebe Lina!
Eigentlich wollte ich Dir erst aus Frankfurt schreiben, da aber meine Abreise dorthin unvermutet im letzten Augenblick noch um einige Tage verschoben wurde, so will ich den heutigen freien Sonntag doch noch schnell in dieser Weise verwenden und freue mich, endlich einmal wieder mit Dir ein wenig plaudern zu k?nnen, auch für Deinen letzten Brief sch?nen Dank zu sagen; ein teilnehmendes Wort war bei mir, seit ich hier bin, wirklich recht angewendet, es war mir eine schwere Zeit ohne meine Kinder, auch fast immer von meinem Mann getrennt, mit dem mühevollen Gesch?ft des Einrichtens und nach allen Seiten hin im Haus in Anspruch genommen, wo es eben wieder an allem und allem fehlte. Ich war wirklich bis Weihnachten stets in einer wahren Hetze, den Haushalt meines Bruders wieder aufs Laufende und unsere Einrichtung in Ordnung zu bringen, und wie hatte ich mich gefreut, dann endlich einmal in Ruhe und zu dem Gefühl einer Heimat und geordneten H?uslichkeit zu kommen, da brachte mir mein Mann am heiligen Weihnachtsabend aus Frankfurt die Nachricht mit, da? wir nun fürs erste dorthin übersiedeln müssen. Ich versichere Dir, es schien mir im ersten Augenblick fast unm?glich, mich wieder hier loszurei?en und meinen Bruder abermals zu verlassen.?
W?hrend sie so schrieb, war Brater auf der Reise nach Kiel und schrieb ihr von Altona: ?In Erwartung einiger Personen, denen ich hier Rendezvous gegeben habe, finde ich Zeit, diesen Brief anzufangen, der morgen von Kiel an Dich abgehen soll.
Wir sind also hier auf schleswig-holsteinischem Boden, das kleine Hotel mit der Inschrift: ?Deutsche Bundeskommission? und dem sogenannten Reichsadler befindet sich in n?chster N?he, die s?chsischen und hannoverischen Exekutionssoldaten marschieren durch die Gassen und l?sen ihre Wachtposten ab.
Die gestrige Reise von Frankfurt nach Hamburg verlief dank dem mildern Wetter und den trefflichen Pelzen Varrentrapps ganz gut. Von Harburg am linken Elbufer hat man noch anderhalb Stunden bis Hamburg in einem vollgestopften Omnibus zu fahren, der zweimal mit Dampff?hre über zwei Elbarme gesetzt wird. Wenn aber das Treibeis zu stark geht, h?rt diese Verbindung ganz auf und man genie?t das Vergnügen, tagelang auf günstigeres Wetter in Harburg zu warten.
Kiel, Freitag früh. Gestern abend sind wir (ich spreche von Kolb und mir, H?usser, welcher der dritte sein sollte, ist unwohl geworden) hier angekommen und haben von neun bis zw?lf unsere erste Besprechung mit den Herrn S. und F. gehabt, die sich heute fortsetzen wird. Das Kurze und Lange ist, da? der Herzog geduldig still halten will bis beim Bundestag die Anerkennungsfrage erledigt wird, worüber voraussichtlich manche Woche verstreicht. Manches einzelne, was besonders Hans interessieren würde, k?nnte ich beisetzen, wenn die Zeit dazu w?re. Allein die fehlt g?nzlich und es war nur darauf abgesehen, Dir aus dieser gr??ern Entfernung ein Lebenszeichen zu geben.?
Gleich nach der Rückkehr ihres Mannes fand sich auch Pauline in Frankfurt ein. Einige Briefe schildern uns das dortige Leben. Mitte Januar schreibt sie an Ernst Rohmer:
?In meiner übersiedelung nach Frankfurt liegt der Grund meines versp?teten Schreibens und auch Karl hat hier so viel zu tun, da? er zu wenig Au?ergesch?ftlichem kommen wird, Du wei?t ja, was er für ein Wühler ist, und hier ist er ja noch dazu Wühler von Profession. Wie mü?te Dir se?haften Mann mit Deinen acht Kindern so ein Vagabundenleben vorkommen wie wir es führen! Mein Geschmack ist es indes auch nicht, besonders nicht wegen derer, die ich zurücklie?; ich war in Verzweiflung, aber was half es! Hier führen wir nun wieder eine originelle Wirtschaft, wir bewohnen ein gro?m?chtiges leerstehendes Haus (gratis), haben zirka vierzig Zimmer zur Verfügung, Küchen, Keller, B?den etc. und k?nnen uns mit diesem überflu? zu tr?sten suchen, für das was wir an innerer Einrichtung entbehren, ja wir k?nnen jedem Tisch und Stuhl ein eigenes Zimmer, und jedem Haferl und jedem Schüsserl seine eigene Küche anweisen, aber schlie?lich bleibt es doch nur so eine Zigeunerwirtschaft. Durch Wilbrandts Anwesenheit ist unser Aufenthalt hier bedeutend angenehmer geworden, und mir ist es schon ein wahrer Trost, noch eine befreundete Menschenseele im Hause zu wissen; übrigens wohnen wir hübsch und ganz Frankfurt gef?llt mir, auch das Leben ist unter den jetzigen Umst?nden natürlich sehr interessant, m?chte es nur zu einem guten Ziele führen.?
In dem gro?en stillen Geb?ude, das zum Abbruch bestimmt und deshalb schon von den Mietsleuten verlassen war, vermi?te Frau Brater oft schmerzlich die Kinder, aber sie schreibt ihnen: ?Da dies alles dem Herzog zuliebe geschieht, so mu? man eben zufrieden damit sein; der Vater ist auch schon recht gut Freund mit ihm geworden und hat erst in der vorigen Woche bei ihm zu Mittag gegessen, es waren mehrere geputzte in Frack und Uniform und Orden gekleidete Herren dabei und der Vater hatte nur einen alten Reiserock an, das mu? recht sch?n ausgesehen haben.? – Es war der erste briefliche Verkehr mit ihren Kindern und doch schon ein kleiner Ersatz für den pers?nlichen, da die beiden M?dchen nun über das Alter der nichtssagenden Kinderbriefe hinaus waren und auch Worte fanden, um ihre Empfindungen auszusprechen. Die Mutter verstand es gut, durch ihre Briefe die Kinder zum Aussprechen anzuregen und manches hervorzulocken, was sie vielleicht bei mündlichem Verkehr in Befangenheit unterdrückt h?tten. An Anna schreibt sie zu deren dreizehnten Geburtstag:
Liebe Anna!
Dies ist also der erste Geburtstag, den wir nicht miteinander feiern, aber ich denke, Du wirst deshalb doch ebenso vergnügt sein und wei?t auch, da? unsere guten Wünsche und unser treues Andenken sich durch so einige elende Bahnstunden nicht abhalten lassen, zu Dir zu kommen, sondern wir werden den Tag in Gedanken mit Dir feiern und wenn Ihr recht acht gebt, so ist mir's fast, als mü?tet Ihr spüren, wie oft wir einen Besuch bei Euch, Ihr lieben Kinder, abstatten. Du wirst Dir für dieses neue Lebensjahr gewi? wieder manchen guten Vorsatz gefa?t haben oder es wenigstens tun, wenn man Dich daran erinnert, denn man mu? immer und unermüdlich wieder von neuem anfangen, an sich zu arbeiten, es ist gar schwer, sich etwas abzugew?hnen, besonders wenn man es nun einmal wie Du schon dreizehn Jahre mit sich herumgetragen hat; nicht wahr, Du hast es schon erfahren, wie man achtgeben mu?, um seinen guten Vors?tzen nicht untreu zu werden? –
Ich bin gar begierig, liebe Kinder, wenn wir wieder beisammen sein werden, ob ich mich über Eure Fortschritte freuen kann.
Die Geschenke, die Du diesmal von uns erh?ltst, zeichnen sich mehr durch ihre Nützlichkeit als durch Sch?nheit aus, ein paar alte R?cke, ein paar Hemden etc. Indes ist der wei?e Unterrock doch noch sehr sch?n und wenn er nicht aus meinem Besitz stammte, so h?ttest Du wohl kaum einen so sch?nen bekommen. Am Reifrock hast Du oben am Bund die F?ltchen nach Bedarf noch fest zu n?he..... Deine Geburtstagswünsche hast Du wohl bedacht au?en auf den Brief geschrieben, wohl in der Meinung, da?, wenn die Eltern Dir dieselben nicht erfüllen, irgend ein Thurn- und Taxisischer Postbeamter Erbarmen haben solle, statt dessen hat Herr Wilbrandt Deinen Herzogswunsch beherzigt und schickt Dir nun die Photographie (des Herzogs) mitsamt dem netten R?hmchen und vielen sch?nen Glückwünschen, ich habe ihm aber gesagt, es sei schrecklich, wie er meine Kinder verw?hne. Die kleine Broschüre, die Dir der Vater schickt, hat Herr W. im Auftrag vom Vater geschrieben, ich denke, Ihr werdet sie gut verstehen und dann die schleswig-holsteinische Sache erst recht gut begreifen; ich lege noch einige Exemplare bei, die Du den Bekannten bringen kannst, gegen Bezahlung natürlich, denn es geht ja in die schleswig-holsteinische Kasse. Es kostet dreieinhalb Kreuzer, man darf Dir aber auch sechs dafür geben. Von diesem Schriftchen sind nun bereits zwanzigtausend Exemplare auf Bestellung verschickt und ungef?hr weitere zwanzigtausend bestellt. Wie viel das aber Mühe und Kopfzerbrechen gekostet hat, die Sache so zu verbreiten, das sieht ihr kein Mensch an, und viel Geld an Porto ist hineingesteckt worden, wenn nur dadurch die Herzen zum Guten gelenkt werden. Manche Tage geht es bei uns von früh bis abends gesch?ftig her, so da? kein Fertigwerden ist, und wenn Ihr hier w?ret, mü?tet Ihr wohl auch oft fest am Schreibtisch sitzen, nicht gerade zum Schreiben, aber z. B. es müssen so schnell als m?glich eintausendfünfhundert Stück gedruckte Briefe je einzeln mit Kreuzband, Marke und Adresse versehen werden, wie lang meint Ihr, da? daran drei Menschen (der Schreiber, der Auslaufer und im Notfall ich) zu tun haben? Man braucht schon eine Zeit, nur um die Kreuzermarken zu schneiden. Derartige Arbeit hat uns die kleine Schrift viel gemacht und so geht es die ganze Zeit her, bald mit diesem, bald mit jenem.....?
Einen scherzhaften Glückwunsch, den Brater zum gleichen Geburtstag schrieb, m?chten wir anführen, zum Zeichen wie weit entfernt im Jahre 1864 auch die Optimisten unter den Deutschen noch davon waren, die Einigung ihres Vaterlandes nahe zu w?hnen. Brater schreibt seinen Glückwunsch auf ein gedrucktes Formular, das für Mitteilungen der gesch?ftsleitenden Kommission der schleswig-holsteinischen Sache bestimmt war, und redet als deren Gesch?ftsführer seine Tochter an. Nach feierlicher Einleitung kommt folgender Glückwunsch: ?M?gen Sie wohlbehalten so viele Jahre erleben, als von heute an bis zu dem gesegneten Tag verstreichen werden, wo unser deutsches Vaterland unter einen Hut gebracht und seinem gro?en Elend ein Ende gemacht ist. M?ge Ihnen die lange Zwischenzeit durch eine frohe und fromme Jugend und durch ein heiteres Alter versch?nert werden. M?gen Sie Ihren würdigen Eltern und unvergleichlichen Tanten allezeit zur Ehre und Freude gereichen sowie auch durch einen friedfertigen und eintr?chtigen Verkehr mit jüngeren Geschwistern den letzten Wunsch erfüllen, welchen sich mit geziemender Hochachtung anzudeuten erlaubt haben.
Namens der gesch?ftsleitenden Kommission:
Der Vorsitzende
verhindert Der Gesch?ftsführer
Brater.
Der ?Gesch?ftsführer? ahnte nicht, da? er damit der Geburtstr?gerin nur noch sechs glückliche Jahre wünschte!
Für Brater ergaben sich mancherlei Gesch?ftsreisen in diesem Frühjahr und oft wurde es für die zurückbleibende Gattin fast unheimlich in dem verlassenen Haus. Sie erz?hlte sp?ter manchmal, da? sie mit einem gewissen Unbehagen an den vielen verschlossenen Türen vorbei die stillen Treppen hinaufgegangen sei. Unter diesen Umst?nden war es für sie eine doppelte Freude, als sich Wilbrandt bereit erkl?rte, nach Frankfurt zu kommen und sich an den Arbeiten zu beteiligen. Freilich besch?ftigte ihn schon damals sein gro?er erster Roman und man sah es voraus, da? der Dichter in ihm bald den Juristen und Politiker in den Hintergrund dr?ngen würde. Aber doch lieh er seine Kraft und seine gewandte Feder der Arbeit, die überdies nichts weniger als trocken politisch war, da sie mit Begeisterung aufgefa?t wurde. Die gemeinsamen Münchner Erinnerungen und Beziehungen verbanden in dem ihnen fremden Frankfurt Wilbrandt noch n?her mit der Familie Brater und der sich entwickelnde, mit seinem Talent ringende junge Dichter sprach sich vertrauensvoll aus gegenüber der zehn Jahre ?lteren Frau, lie? sich in düsteren Stimmungen gern von ihr erheitern und brachte ihr dagegen in manche einsame Stunde geistige Anregung. – Aus dieser Frankfurter Zeit datiert auch die Freundschaft mit der Familie Nagel. Als Mitarbeiter an der Süddeutschen Zeitung und politischer Gesinnungsgenosse wurde Nagel von Brater hochgesch?tzt und die Beziehungen zu diesem Mann gewannen in sp?teren Jahren Bedeutung für Frau Brater.
Bis in den Sommer hinein verl?ngerte sich der Frankfurter Aufenthalt. Frau Brater schreibt darüber an ihre Jugendfreundin Frau v. Breuls geb. Kopp: ?Wir sind die erste Woche des Juli jedenfalls noch hier, aber dann hoffen wir, unser Ziel erreicht zu haben. Nicht als ob wir d?chten, die schleswig-holsteinische Sache, die meinen Mann hierher gerufen hat, werde bis dorthin ihren gewünschten Abschlu? gefunden haben, aber wir hoffen auf einen Ersatzmann in die hiesige Werkstatt und werden dann mit tausend Freuden der Heimat und unsern Kindern zueilen. Diese sind einstweilen mit meiner Schw?gerin Luise schon in Erlangen, denn da? wir dorthin umgezogen sind, wirst Du wissen, nur führen wir immer ein so unruhiges Wanderleben, da? ein anderer nie recht wissen kann, wo wir eigentlich zu Hause sind. Wenn wir einmal dort recht festsitzen, mü?t Ihr Schwestern uns besuchen, damit wir an Ort und Stelle der alten Zeit gedenken k?nnen, der Kindheit, dieser harmlos glücklichen Zeit, und unserer guten Mütter. Dieses Erlangen ist mir oft so ?de und ausgestorben erschienen, von meinen früheren Freunden ist gar niemand mehr dort und auf den Stra?en lauter fremde Gesichter, die mir wie Eindringlinge in mein Eigentum erscheinen, doch freut es mich, da? meine Kinder nun auch dort heimisch werden und in der Kirche auf den B?nkchen sitzen, wo ihre Mutter die Predigt h?rte, wenn sie nicht gerade mit ihrer Nachbarin zu schw?tzen hatte, übrigens sind meine Kinder viel aufmerksamer und eifriger im Lernen als ich war, ja sie sind so flei?ig, da? ich oft gar nicht begreife, wie ich zu solchen Kindern gekommen bin, denn mir hatte jede Unterrichtsstunde nur den Zweck, m?glichst viel Dummheiten zu machen, und die gelungenste war immer die, in der sich auch die Mitschülerinnen zu meinen Nichtsnutzigkeiten hatten verleiten lassen.
Wenn uns, was ich recht sehnlich hoffe, diesen Winter kein Landtag nach München ruft, so wird Anna im Frühjahr in unserer Kirche konfirmiert, auch Agnes kann mit konfirmiert werden, doch ist sie noch sehr jung und ich will es auf sie selbst ankommen lassen, ob sie nicht lieber noch einmal den Pr?parandenunterricht nehmen will.? ....
Die Frankfurter Zeit ging zu Ende. Brater schreibt an seine Schwester Julie:
?Von unserem Leben, das in seiner Art auch ein einsames ist, – soweit davon die Rede sein kann bei einem t?glichen Verkehr mit halb Deutschland und bei zwei dreistündigen Sitzungen w?chentlich – hat Dir P. einiges berichtet. Die neueste Frucht meiner hiesigen Studien findest Du in der kleinen Druckschrift, die ich nebst einigem Zubeh?r unter Kreuzband mitgehen lasse?. (Zusammenstellung der Teilnehmer des Nationalvereins.) ?Man sieht ihr nicht an, was es doch gekostet hat, diese 1300 Namen unter eine Haube zu bringen. Fragt man nach dem Erfolg solcher Anstrengungen, so erscheint jeder einzelne verschwindend klein und doch ist die Gesamtwirkung nicht zu verachten. Jedermann mu? dies begreifen, wenn er sich fragt, was aus unserer Sache geworden w?re, wenn wir – das Volk – diese fünf Monate hindurch die H?nde in den Scho? gelegt h?tten. Nebenbei sind diese gemeinsamen Operationen eine gute Vorschule der politischen Einheit, der wir ja doch entgegen gehen.
Indes habe ich nun vorerst mein Teil getan und in sechs bis acht Wochen soll, wie Du wei?t, unser hiesiges Zelt abgebrochen werden. Die Meinung ist allerdings, es dann wieder in Erlangen aufzuschlagen, nur rechne ich auf nichts mehr, nachdem ich mich so oft verrechnet habe. Eigentlich mü?te jetzt mit aller Macht an einem neuen Lebensplan gearbeitet werden, denn wenn kein Wunder geschieht wird am letzten Juni die Süddeutsche Zeitung ihren Athem aushauchen. Da wir jedoch in einer wunderbaren Zeit leben, so bitte ich Dich, diese Neuigkeit einstweilen als ein Geheimnis zu behandeln. Jedenfalls bin ich so sehr daran gew?hnt, mir von der Vorsehung ohne viel eigenes Zutun meinen Platz anweisen zu lassen, da? ich mit str?flichem Leichtsinn die Zukunft erwarte, was sie mir etwa neues bescheren wird.?
In derselben Zeit schreibt er an Ernst Rohmer: ?So viel ist mir jetzt vollends klar geworden, da? ich nur die Wahl habe, mich der Politik ganz zu ergeben, oder mich ganz von ihr zurückzuziehen. Wer den Mittelweg einhalten will, mu? ein Amt oder ein Handwerk betreiben, auf das er sich beziehen kann, sobald man ihm mit zu weit reichenden Anforderungen kommt. In der letzten Zeit, nach dem Tod des K?nigs (Max II.), habe ich wohl daran gedacht, da? man mir jetzt die Zulassung zur Advokatur nicht mehr verweigern würde, aber ich fürchte mich vor dem Handwerk und die Bewerbung w?re der sauerste Entschlu? meines Lebens.? Die Notwendigkeit, diesen Entschlu? zu fassen, trat nie ein, es ergab sich immer Arbeit mehr als genug und es w?re wohl in jeder politisch bewegten Zeit von Wert, wenn hervorragende Kr?fte ?frei zum Dienste? bereit stünden.
Im Sommer wurde Frau Braters sehnlicher Wunsch, nach Erlangen und zu ihren Kindern zurückzukehren, erfüllt; mit Freude und Jubel wurden die Eltern nach fast dreiviertelj?hriger Trennung von den beiden M?dchen empfangen, die schon einige Monate vorher mit ihrer Tante Luise Brater dort eingetroffen waren und von dieser treuen Erzieherin auch noch weiter unterrichtet wurden.
In den nun folgenden Jahren ergab sich durch den Landtag und dessen Ausschüsse ein h?ufiger Wechsel des Aufenthaltes zwischen Erlangen und München, was nicht zur Annehmlichkeit des Lebens beitrug. Kam die Familie nach München, so war nie vorauszusehen ob für lange oder kurze Zeit. Deshalb wurden immer nur m?blierte Zimmer genommen und um die Sache m?glichst billig einzurichten, beschr?nkte man sich aufs ?u?erste, mietete z. B. oft nur drei Betten und für die vierte Person, die jüngste, die sich eines sehr guten Schlafes erfreute, wurde aus diesem und jenem Bettstück auf dem Boden ein Lager bereitet.
So ergaben sich in den m?blierten Wohnungen allerlei Nachteile. Einst hatte sich die Familie eben erst eingemietet, und zwar bei einer adeligen Dame, einer Gr?fin, als morgens vor dem Haus ein Wagen hielt und der Gerichtsvollzieher mit einigen Dienstleuten kam, um die M?bel abzuholen, die, wie sich herausstellte, alle verpf?ndet waren. In theatralischer Weise fiel die Gr?fin auf die Kniee vor ihrem Mietsmann und beschwor ihn, für sie einzutreten. Die Vorstellungen Braters, da? er als Landtagsabgeordneter unm?glich so kurzer Hand auf die Stra?e gesetzt werden k?nne, vermochten endlich den Gerichtsvollzieher wieder abzuziehen und die Angelegenheit wurde irgendwie geordnet, doch vergriff sich die Gr?fin in ihrer Not noch an Hab und Gut der Mietsleute und es war nicht m?glich, lange da zu verweilen.
In jenen Jahren wurde Frau Brater im Ausziehen und Einrichten so gewandt wie ein Packer von Fach und ihr Geschick, mit einem Mindestma? von Besitz auszukommen und Behagen zu schaffen, erregte oft das Staunen solcher Abgeordneter, die nie den Luxus wagten, mit Frau und Kind zum Landtage zu kommen, trotzdem sie vielfach in besseren Verh?ltnissen waren. Es geh?rte auch Frau Braters ganze Unbefangenheit dazu, mit ruhiger Selbstverst?ndlichkeit Leute aus vornehmen und luxuri?sen Kreisen in ihren einfachen R?umen zu empfangen. Buhl, den man den Pf?lzer Nabob nannte, Baron von Stauffenberg von seinem Schlo? kommend, sie und viele andere Gesinnungsgenossen fanden sich oft abends ein, da Brater seines Hustens wegen an den Klubbesprechungen nimmer teilnehmen konnte. Solchen G?sten gegenüber gab die Hausfrau wohl die Erkl?rung für die einfache Ausstattung, aber keine Entschuldigung, sie scherzte über die mangelhafte Einrichtung, sie verhüllte sie nicht. Wenn so die wandernde Familie immer wieder mit Beginn des Landtages erschien und den Verkehr mit den n?chsten Freunden wieder aufnahm, so waren unter diesen auch solche, die etwas zur Eleganz von Braters Wohnung beitrugen. Die Tochter Bluntschlis, Frau Hecker, sandte für die Saison einige ihrer Bilder zum Wandschmuck und w?re jederzeit zu allen Opfern bereit gewesen, wenn die Freundin darauf eingegangen w?re.
Die pekuni?ren Verh?ltnisse waren in diesen Jahren oft ungünstig. Pauline ?u?erte einmal ihrer Schw?gerin gegenüber, da? ihr Mann sich bei seinem zunehmenden Leiden darüber manchmal Sorge mache und sie fügte hinzu: ?Ich aber gar nicht, denn wir k?nnen nicht mehr sparen.? Dies bezeichnet ihre Stellung zur Geldfrage: Das M?glichste tun, dann aber nicht sorgen.
Kehrte man nach monatelangem Aufenthalt aus den Münchener m?blierten Wohnungen nach Erlangen zurück, so fand man dort zwar die eigenen M?bel, wurde auch vom Bruder Hans mit rührender Freude empfangen, aber immer gr??er wurde die Schwierigkeit, in die Haushaltung einzugreifen, die eine mehr und mehr empfindliche Haush?lterin ohne Einmischung weiterführen wollte, und je ?lter die Kinder wurden, um so weniger war es m?glich, auf den Ton einzugehen, mit dem die Wohlmeinende, aber nur Halbgebildete ihre Pflegebefohlenen leitete. Der Grundsatz, das Ideal ihrer Erziehung war: nur nach au?en keinen Ansto? erregen, und das dritte Wort: ?Was sagen die Leut!? Verfing das nicht mehr bei den Kindern, so suchte sie ihre Autorit?t zu stützen durch die Drohung: ?Wartet nur, wenn die Tante kommt!? Auf diese Weise zerst?rte sie, zwar nicht in schlechter Absicht, aber im Unverstande das Vertrauen der Kinder und da sich tats?chlich jedesmal Mi?br?uche eingeschlichen hatten, die abgestellt werden mu?ten, so brauchte es immer l?ngere Zeit, bis die Liebe der Kinder wieder gewonnen war. Dabei mu?te die immerhin unentbehrliche Haush?lterin ihrer gro?en Empfindlichkeit wegen mit einer Schonung und Vorsicht behandelt werden, die einer so unmittelbaren Pers?nlichkeit wie Frau Brater von Natur nicht gegeben war.
Manchmal seufzte sie in jener Zeit: ?Das schwerste Kunststück für den Menschen ist, mit den Menschen auszukommen!? Sie bemühte sich aber redlich, es zustande zu bringen, und ihres Bruders Dankbarkeit war ihr Lohn. Ihre zeitweilige Anwesenheit erm?glichte es ihm doch, in dieser Weise den Hausstand fortzuführen, und ihm war alles recht, was ihm den Gedanken an die Notwendigkeit einer zweiten Ehe fernhielt, denn sein ganzes Herz geh?rte noch seiner ersten Liebe. In gro?er Selbstlosigkeit schickten sich die beiden M?nner in die kleinen unvermeidlichen Nachteile, die der gemeinsame Haushalt mit sich brachte, auch die Kinder schlossen sich in geschwisterlichem Verh?ltnis zusammen, aber das Haus selbst, n?rdlich gelegen, war kein günstiger Aufenthalt für einen Brustleidenden, und Husten und Atemnot mehrten sich.
So wurde im Jahre 1866 für das Sommerhalbjahr ein Aufenthalt ausfindig gemacht, der klimatisch günstiger war und doch keine vollst?ndige Trennung n?tig machte. Eine halbe Stunde von der Stadtwohnung entfernt, auf dem Burgberge, lag das sogenannte Palmsh?uschen, ein kleiner grauer Sandsteinbau mitten in gro?em Garten. Nur drei Zimmerchen waren als Sommerwohnung ausgebaut und die standen leer. In diesem H?uschen hatte sich der Nürnberger Buchh?ndler Palm verborgen gehalten, der im Jahre 1806 wegen der Verbreitung der Schrift: ?Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung? auf Befehl Napoleons standrechtlich erschossen wurde. Kaum hatte die Familie Brater dieses stille Landh?uschen bezogen, als – wegen des drohenden Krieges – im Frühjahr 1866 der Landtag einberufen wurde. So mu?te Brater auf unbestimmte Zeit nach München und Frau und Kinder im Palmsh?uschen zurücklassen. Pauline schildert diesen Aufenthalt den Württemberger Verwandten:
... ?Wir haben in unserm Gartenh?uschen anfangs vor allem andern den Ofen sch?tzen lernen, da wir noch am 23. Mai die pr?chtig grünen B?ume im dicken, dicken Schneegest?ber sehen mu?ten. übrigens ist der Schnee wenigstens nicht liegen geblieben und in unserem Garten erfroren auch erst in der letzten Nacht der kalten Zeit die Bohnen und einiges andere, was meiner Agnes besonders ein wahrer Schmerz war, denn sie beteiligt sich mit gro?er Vorliebe an der Gartenarbeit und sieht jedes Pfl?nzchen mit wahrer Mutterliebe wachsen und gedeihen. Wir waren schon sehr glücklich in unserer l?ndlichen Wirtschaft und Behausung, allein seit mein Mann fort ist, ist natürlich auch mir die Freude halb genommen, ja wenn ich nur gewi? wü?te, da? er in kurzer Zeit wiederkommt, so wollte ich mich ruhig in dies kleine Mi?geschick fügen als in ein Bruchteil der allgemeinen Not. Allein wenn ich denke, der Landtag k?nnte sich in die L?nge ziehen und der Sommer meinem Mann erneute Anstrengung statt Erholung bringen, dann wird's mir ganz verzweiflungsvoll zumute. Ich habe indes noch keinen Grund dies zu fürchten, mein Mann hielt es für m?glich, da? der Landtag mit vier Wochen zu Ende gehen werde. – W?hrend nun die Herren in München und in ganz Deutschland sich mit Kriegsgedanken und Rüstungen abgeben, sitzen wir hier in unserer kleinen Burg in einer Stille und Einsamkeit, da? man denken k?nnte, es g?be gar keine wichtigeren Dinge auf der Welt, als Gemüse und Salat pflanzen. Für meinen Mann k?nnte ich mir kein passenderes Pl?tzchen wünschen, es ist so ruhig, alles grün um uns, der Wald ganz nahe, so da? sich sogar der Kuckuck schon auf unseren B?umen h?ren und sehen lie?, der erste, den ich in meinem Leben sah, und Hasen sind uns ganz gew?hnliche G?ste. Auch mir tut diese Stille nach dem unruhigen Winter recht wohl und wie wird man den inneren Frieden erst wieder genie?en, wenn er von au?en her wieder befestigt ist! Ich halte noch immer an der Hoffnung, da? der Krieg vermieden wird...
Meinen Geschwistern geht es gut... Einen Abend in der Woche kommen die Brüder bei uns zusammen, wo es dann immer ziemlich lebhaft, in diesem Augenblick aber fast überm??ig lebhaft zugeht, denn Hans und Siegfried sind politisch verschiedener Richtung und da k?nnte jemand, der sich nicht auskennt, leicht meinen, sie m?chten sich einander umbringen, aber es nimmt doch immer ein freundschaftliches Ende und meine Kinder freuen sich immer schon im voraus auf den Spektakel...?
Vierzehn Tage sp?ter (am 18. Juni) schreibt sie an ihre Schw?gerin Emilie Schunck: ?Inzwischen sind die Friedenshoffnungen nach und nach verschwunden, und bis der Brief zu Dir kommt, wird wohl der Krieg ausgebrochen sein! Das Emp?rendste an der Sache ist doch immer das, da? hier ein Krieg geführt wird, den auf beiden Seiten das ganze Volk nicht will, – was sind denn das für Einrichtungen und was für Menschen, die sich soweit treiben lassen zu tun, was sie verabscheuen? Und was kann man sich von ihnen dann noch weiter erwarten und zu was alles werden sie sich noch hergeben und verurteilen lassen? Wahrlich, in solchen Zeiten sind wir Frauen besser daran, die wir mit gutem Gewissen unsere Gedanken von diesen kl?glichen Zust?nden abwenden k?nnen, w?hrend die M?nner, die das Ganze ausmachen, und jeder ein Teil desselben ist, Arbeit und Verantwortung auf sich haben. Leider sind diejenigen, die ihre Schuldigkeit tun, immer zugleich auch die, die das Elend am tiefsten empfinden..... Aus der Zeitung hast Du vielleicht ersehen, da? der Landtag bei uns zu Ende geht, ja wenn nichts Besonderes dazwischen kommt, wird Karl in dieser Woche noch zurückkehren. Mit welcher Ungeduld ich diesen Zeitpunkt erwartet habe, kann ich Dir kaum sagen, Du wei?t ja, da? wir hier auf dem Berg wohnen in einem herrlichen, ruhigen Nest, das für Karl gewi? ein recht wohlt?tiger Aufenthalt wird, ach, und er braucht den Sommer so notwendig zu seiner Erholung, so da? ich eigentlich in einer best?ndigen Aufregung war um jeden Tag, den er in München zubrachte, und ich bin nicht v?llig ruhig, bis er wirklich und leibhaftig wieder hier ist. Er schreibt, da? sich sein Befinden in München wenigstens nicht verschlimmert habe, das ist viel, aber immerhin bessert es sich eben auch gar langsam und von unserem ohnedies kurzen Sommer sind nun schon viele Wochen ungenützt verstrichen...?
Als der Ersehnte endlich zurückkam, fand Pauline sein Befinden merklich verschlimmert und es erwies sich als eine gro?e Wohltat, da? auch er nun in der stillen, l?ndlichen Wohnung Ruhe fand. Unten in der Stadt erreichte die Aufregung ihren H?hepunkt, als ein Gefecht in n?chster N?he erwartet wurde. Auch waren die ?sterreichisch gesinnten Elemente der Bev?lkerung aufgehetzt und Brater, der Bismarcks Bedeutung l?ngst erkannt und offen hervorgehoben hatte, erfuhr, da? der P?bel gewillt war, ihm ?seine preu?ischen Fenster? einzuwerfen. Aber mit Eintritt des Waffenstillstandes verlief sich rasch die Erregung und das Jahr 1866 wurde in Beziehung auf die Feindseligkeiten gegen Brater ein Wendepunkt. Nachdem die Ereignisse ihm Recht gegeben, verlor die Feindschaft mehr und mehr ihren Stachel und immer weitere Kreise gingen vom engherzigen Partikularismus zu nationaler Gesinnung über.