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Chapter 4 No.4

Ein Sabbath.

Mit der übersiedlung von der alten Stadt Brest in Litauen nach der Neustadt nahm das Leben in meinem Elternhause eine ganz andere Form an. W?hrend das alte Heim, vom Gastzimmer bis zur Wagenscheune, vornehm eingerichtet war, waren hier die kleinen R?ume ?rmlich. Zwar waren es noch die alten, mit Goldbronze impr?gnierten Mahagoniholzm?bel, die diese kleinen R?ume erfüllten, aber ach, in welchem Zustande! Verblichen, sch?big. Von mancher Garnitur fehlten schon Stücke, mancher Tisch hinkte auf einem Fu?, die Lehnen der Stühle boten keinen sicheren Halt mehr, von den Rahmen der gro?en Spiegel war das Gold abgeritzt. Aber die Wohnung ist immer ein Spiegelbild ihrer Bewohner! Beiden sah man an, da? sie einst freundliche Tage gesehen. Das Material war im Kerne solid und hatte seine guten Dienste geleistet; und h?tte jetzt noch das Schicksal einen gütigen Blick auf Menschen und M?bel geworfen, so h?tten sie noch den alten Glanz annehmen k?nnen! Aber das Schicksal war unhold für lange, lange Zeit.

Jedoch war jene Periode für meinen Vater eine der inhaltsreichsten. Sie brachte den Adel seiner Individualit?t zum Vorschein. Er hatte mehr als früher Zeit und Gelegenheit, seinen N?chsten mit Rat und Tat beizustehen, sich durch seine gro?en, talmudischen und sonstigen Kenntnisse in der hebr?ischen Literatur Liebe und Verehrung in der jüdischen Gesellschaft zu erwerben.

Nachdem er alle seine Gesch?fte liquidiert hatte, widmete er sich dem Talmudstudium vollends und lebte ?Al hatauro w'al hoawaudo? (der Lehre und dem Gottesdienst)! Der Tag war in unserem Hause so eingeteilt, da? für Talmudstudien so viel Zeit wie für Essen und Schlafen gelassen wurde. Auch hier in der kleinen Wohnung war sein Kabinet mit vielen F?chern versehen, wo zur früheren Bibliothek noch viele Bücher hinzugekommen waren, und dort schrieb er im Anfange der vierziger Jahre die beiden Werke, von denen ich schon vorher berichtet habe.

Auch in dem neuen Heim pflegte mein Vater um 4 Uhr früh, im Sommer wie im Winter, aufzustehen und seine Morgengebete singend zu verrichten. Diese Gebete hatten keine zusammenh?ngenden Weisen. Es waren mehr Rezitative; aber meinem liebenden Kinderherzen schmeichelten sie sich wie die sch?nsten Melodien ein. Unter diesen T?nen pflegte ich aufzuwachen und in einer tiefen, religi?sen Stimmung bis zum Tagesanbruch zu tr?umen. Man k?nnte aber glauben, da? die Lebensweise meinen Vater von uns Kindern entfernte und von ernster Erziehung abhielt. Dem ist jedoch nicht so. Er hatte immer noch Zeit und Lust, den Gemeindeangelegenheiten sein gr??tes Interesse entgegenzubringen und mit seinen z?rtlichen, v?terlichen Augen, seinem weisen Worte Sitten und Gehaben der Kinder zu überwachen.

Wohl war unter den neuen Verh?ltnissen vieles anders geworden, aber unser Betragen, unser gemessenes Selbstbewu?tsein aller Welt gegenüber ver?nderten sich nicht, wenn auch mit dem Verlust des gro?en Verm?gens in der Altstadt, d. h. mit dem Niederrei?en unseres Hauses und der Ziegelei der Wohlstand meiner Eltern schwer erschüttert worden war. Viele der kostbaren Sachen verschwanden aus dem Hause, aber die kostbarere Pers?nlichkeit aller im Hause blieb erhalten. Unser Haus blieb auch jetzt der Sammelpunkt der intelligenten Gesellschaft. Jeder vornehme Gast, der in die Stadt Brest kam, kam zuerst zu uns, wo er sicher war, herzlich willkommen zu sein. -

Unsere Kleidung war unter den gegenw?rtigen Umst?nden einfach, jedoch war keines der Kinder auf die teuren Kostüme der Freundinnen neidisch. Das Leben im Hause flo? auch jetzt regelm??ig, gemütlich dahin. Die sechs Wochentage vergingen ohne Sonderheit. Der Freitag jedoch zeigte ein anderes Gesicht, wurden doch schon vor Tagesanbruch in der Küche die Vorbereitungen zum Sabbat getroffen, die herrlichen, gro?en Strietzeln und mancherlei Kuchen gebacken, wobei ich der K?chin bereitwillig half und dafür das erste Sü?e zu essen bekam. Ich z?hlte damals schon 14 Jahre. - Schon früh am Tage standen die Hausgenossen auf. Wir frühstückten warmes Wei?brot mit Butter und Kaffee. Ich schrieb einen Zettel, auf dem alle Besorgungen für den Sabbat, alle Eink?ufe auf dem Markte verzeichnet waren, bewaffnete mich mit einem Handkorb und Serviette, und begab mich auf den Marktplatz, wo meine vornehmlichste Aufmerksamkeit der ersten Besorgung, den Fischen, galt, den Fundamenten eines richtigen Sabbats! Auf gute Fische legte mein Vater gro?en Wert. Ich kaufte den allerfrischesten Hecht, der bei uns Juden in besonderer Gunst steht, machte mich dann an die Obstgestelle und ging raschen Schrittes nach Hause, wo ich meine Mutter, den Sabbatabschnitt lesend, fand. Bei meinem Erscheinen jedoch legte sie die Bibel zur Seite und betrachtete meine Eink?ufe. Mein Vater kam auch aus seinem Kabinet, besichtigte den Fisch, blieb meistenteils zufrieden, ermahnte mich, viel Pfeffer beim Kochen zu geben, versprach sich guten Appetit dabei; und nachdem ich den Fisch der K?chin zum Reinigen übergeben, band ich mir eine lange Schürze um, machte mich rasch an die kleine W?sche der Taschentücher des Vaters, der Kragen und Musselin?rmelchen, welche noch bis vor Abend zur Sabbattoilette der Eltern getrocknet und gepl?ttet werden mu?ten. Dann kam der Fisch an die Reihe. Mein Vater liebte es, der Prozedur zuzuschauen, und schmunzelnd lobte er meine Fertigkeit, kostete von der Sauce, und mahnte nochmals, noch mehr Pfeffer zu zugeben. Nach vielem Probieren und Schmecken wurde der Fisch fertig. Ich legte diesen auf die Schüssel, stellte sie auf einen Topf hei?en Wassers, damit die Sauce nicht eintrockne. Noch einmal wurde das Gemüse gekostet, das Fehlende zugegeben, und dann der K?chin der Platz am Herde ger?umt. Von da ging ich zum Teetisch, wo ich für die Eltern und meine Geschwister den Tee bereitete und einschenkte. Am Freitag wurde er früher als gew?hnlich eingenommen und in aller Eile getrunken. Hernach ging ich durch alle Zimmer, um die letzte Hand an das Reinigungswerk zu legen, bald eins, bald das andere von den M?beln zurechtzustellen, den Staub in den Winkeln zu entfernen usw. Unterdessen war die kleine W?sche getrocknet. Ich machte mich ans Pl?tten. Hernach verteilte ich an die Eltern und Geschwister die gro?e W?sche. Alle im Hause machten Sabbattoilette. Die meine bestand im Winter in einem wollenen Kleidchen blauer Farbe, meiner Lieblingsfarbe; im Sommer in einem steif gepl?tteten Kattunkleidchen. Die Jugend mu?te mir Samt und Seide ersetzen.

Meine Eltern begaben sich in den nur für den Sabbat bestimmten Kleidern in die Synagoge, meine Mutter freilich erst, nachdem sie mit einem wei?en Tischtuch den Tisch bedeckt, auf den oberen Sitz die zwei Sabbatbrote gelegt, die sie mit eigens dazu hübsch gesticktem Deckchen verhüllte, dann wurden die Kerzen mit einem Segensspruch angezündet, wobei sie der übrigen zwei Gebote für jede jüdische Frau gedachte. Sie dankte in diesem Gebete Gott, da? es ihr bestimmt ist, die Gem?cher zum Sabbatfest zu beleuchten. W?hrend sie in der Synagoge war, hatten wir drei M?dchen auch die Pflicht, jede zwei weitere Kerzen am Freitag Abend im Kronleuchter des E?zimmers anzuzünden. Auch in den übrigen Zimmern wurden die Kerzen in den Wandleuchtern angesteckt. Und bald strahlte das ganze Haus im Kerzenglanze. Wir M?dchen in frischer Sabbattoilette fühlten uns in den geputzten R?umen in jener Stimmung, von der die Chassidim sagen, da? der Himmel für Sabbat die ?Neschome Jessaire?, die zweite Seele verleihe. Diese Zeit war die einzige in der Woche, wo wir M?dchen, ohne gest?rt zu werden, unsere russischen, polnischen, deutschen und jüdischen Lieder mit ganzer, voller Stimme singen konnten. Ein anderes Mal wurde getanzt, wozu sich unsere Nachbarskinder einfanden. Auch das Beten wurde nicht vergessen! Unterdessen deckte der Bediente den Tisch zum Abendessen. Auf Vaters Platz stellte ich den gro?en, silbernen Becher mit der Karaffe Wein. Wir erwarteten die Eltern von der Synagoge. Der Vater kam, und schon wenn er mit seiner kr?ftigen Stimme ?gut Sabbat? rief, kehrte die ganze Sabbatgemütlichkeit bei uns ein. Er breitete seine H?nde aus, und wir Kinder empfingen, die ?lteren zuerst, den Segen. Des Vaters Gesicht strahlte in glücklicher Sabbatruhe, in seinen lachenden Mienen ruhte der Frieden der Seele. Sorgen und Kummer, von denen er die letzte Zeit so reich geplagt war, waren verjagt, vergessen - von ihm und seinem Hause. Er betete über unser vor Liebe und Verehrung gebeugtes Haupt, w?hrend er es oft in seine H?nde drückte und streichelte. Zu einem Ku? jedoch und ?hnlichen, z?rtlichen ?u?erungen durfte es nie kommen, da Religiosit?t und sittliche Anschauungen sie nach damaligem Begriff als Leichtfertigkeiten verp?nten.

Nachdem wir alle des Vaters Segen erhalten, wurden vom Vater und den übrigen Herren Verse, die man ?Scholem Alechem? - Friede mit euch - nennt, gesungen, mit denen jeder Jude seinen Sabbatfriedensengel empf?ngt. Darauf folgt der Lobgesang auf die arbeitsame Hausfrau (Psalm 18), die ?Esches Chajil?, die Heldenfrau. Der Frau, die aufsteht, wenn es noch Nacht ist, und die Speise für ihren Mann und Kinder und Gesinde bereitet, ihren Handarbeiten und rot gewebten Gürteln gilt das Lob in den Stadttoren. Sie ist eine Krone für ihren Mann. Doch Sch?nheit und Anmut ist eitel Tand, verg?nglich, und nur der gottesfürchtigen Frau gilt alles Lob. Diese Ges?nge pflegten die M?nner, im Zimmer auf- und abgehend, in einer sch?nen Weise zu singen. Ich war damals Backfisch und pflegte mich bei diesen Ges?ngen, da ich sie zur H?lfte verstand, ordentlich stolz zu fühlen, und nahm mir vor, des Lobes selbst würdig zu werden. - Mein Vater machte ?Kidusch?, trank zur H?lfte den Inhalt des Bechers und gab ihn der Mutter, die davon nippte, und ihn uns Kindern der Reihe nach reichte. Dann ging es, ohne ein Wort zu sprechen, ans H?ndewaschen; und ein Gebet beim Abtrocknen wurde gesprochen. Diese Handlung, die trotz der vielen Anwesenden, doch so still verrichtet wurde, reizte uns Kinder oft zu leisem Flüstern, noch ?fter zu einem ganz verführerischen Kichern. Aber ein strenger Blick des Vaters verjagte allen Mutwillen. Der Vater sagte ein Gebet über die zwei Brote, die man ?Lechem Mischne? nennt, schnitt das eine in zwei Teile, a? davon einen Bissen und sprach, bis er ihn verzehrt hatte, kein Wort. Wir alle am Tisch bekamen auch eine Scheibe. Der Fisch wurde aufgetragen, eine fromme Sabbathymne mit lieblichen Melodien gesungen. Dann folgte die fette, schmackhafte Nudelsuppe; dann ein zweites Lied, bei dem wir M?dchen leise mitsummten. Laut durften wir es nicht tun, da es als eine Sünde für die M?nner galt, weibliche Stimmen singen zu h?ren! Mit einem Gemüse endete die Mahlzeit. Zum Schlu? wurde ein Dessert gereicht das aus ?pfeln, ger?steten Nüssen, abgekochten Erbsen bestand. Die Mützen wurden aufs Neue aufgesetzt, Wasser über die Finger gegossen, das ?Majim Acharaunim?, d. h. das letzte Wasser genannt wird. Mit der Rezitation des Tischgebetes wurde einer der Herren der Tischgesellschaft beehrt, dem ein Becher mit Wein gefüllt wurde, und alle fielen mit einem Amen an bestimmter Stelle ein. Nach dem Abendbrot blieb man nicht mehr lange beisammen; schon um zehn Uhr lag das ganze Haus in tiefem Schlaf.

Mein Vater, seiner Gewohnheit treu, wachte um 4 Uhr früh auf, da er jedoch des Sabbats wegen, selbst kein Licht anzünden konnte, rief er den Bedienten und befahl, da? er dem christlichen Nachtw?chter auftragen solle, Licht ins Haus zu bringen. Der Bediente brachte auch bald ?Michalka?, den bew?hrten Nachtw?chter, der die Kerze in Vaters Kabinet und in der Küche für den Bedienten anzündete. Vater sang seine Morgengebete, bl?tterte ein wenig in dem gro?en Talmudfolianten, trank seinen Tee, der, gestern zubereitet, auf dem gro?en Küchenofen im hei?en Sand bis zum Morgen hei? geblieben war. (Der Samowar wurde in meinem elterlichen Hause nie am Samstag aufgestellt, auch kein Kaffee oder sonst eine Speise gekocht oder gew?rmt.) Und nun begab sich mein Vater, in finsterer Nacht, im Winter des tiefen Schnees, des Frostes nicht achtend, nach dem sogenannten ?Chewra-thillim-bethamidrasch?, die ihren Namen herleitet von der übung, jede Woche alle Psalmen von Anfang bis zu Ende zu sagen. Jeden Tag wurde ein Teil im Chor gesungen, wobei einer von der Gemeinde mit dem ersten Satze im Kapitel anfing und die Gemeinde ihm folgte. Mein Vater geh?rte zu diesem Verein, beteiligte sich jedoch an dem Gesange nur am Samstag. Die Mitglieder dieses Vereins bestanden gr??tenteils aus Handwerkern, denen es die ganze Woche unm?glich ist, sich in früher Morgenstunde diesen seelischen Genu? zu g?nnen. Heute aber ist der heilige Sabbatruhetag, der schon von gestern vor Abend begonnen hat. Jeder Jude hat schon um 9 Uhr abends gestern in tiefem Schlaf geruht, ist um 4 Uhr nach Mitternacht physisch und geistig gest?rkt erwacht und hat mit Wonne seiner Gemeinde im ?bethamidrasch? gedacht, wohin er unverzüglich sich begab, und wo er im hell beleuchteten, gut durchw?rmten, ger?umigen Bethause seine Kameraden traf. Es ist keine bestimmte Weise zu diesen Psalmen vorgeschrieben, aber ein jeder Jude gibt den Worten der Psalmen, die er ganz versteht und tief empfindet, und in denen er seine eigenen Erlebnisse findet, die passende Melodie selbst, weil sie ihm aus innerster Seele kommt; und mit diesen individuellen T?nen preist er und singt seinem Sch?pfer Hallelujah. So ging es bis Tagesanbruch, wo dann das Morgengebet ?Schachari??, das Mittagsgebet ?Musaph? gebetet wurden, und dazwischen der Wochenabschnitt aus der Thora gelesen ward. Gegen 11 Uhr vormittags ging dann jedes Mitglied der Gemeinde in der besten Stimmung nach Hause, nicht zuletzt, weil es wu?te, da? seiner schon von gestern her ein schmackhaftes Mittagessen harrte. Jeder erg?tzte sich an ?Schalet? und ?Kugel?, den der Sabbatengel so pr?chtig abgekocht hat. Dieser Schalet, von dem Heinrich Heine behauptet, da? die Bewohner des Olymp Griechenlands nur deswegen Ambrosia speisten, derweil sie von Schalet nichts wü?ten! - Wir Kinder waren schon in vollem Sabbatputz. Der Vater segnete uns und machte Kidusch über einen Becher Wein. Wir mu?ten auch davon nippen. Darauf wurde mit Honigkuchen und Konfitüren in Honig und Zucker ?angebissen?.

Unterdessen trug der Bediente gesalzene, kalte Fische auf, hartgekochte Eier mit Zwiebelsalat, G?nseleber, G?nsefett, Rettig, Kalbsfü?e mit Eiern und Knoblauch; die bitteren, pikanten Kr?uter, an denen sich unsere Vorfahren schon in der Wüste erlabten, erg?tzen noch bis heute die Nachkommen Jacobs. Nachdem die Tischgesellschaft den ersten Hunger gestillt hatte, wurde der Schalet aufgetragen. Er schmeckte vortrefflich! Obwohl die Speisen mehr als 20 Stunden im Ofen gestanden hatten, bekamen sie jedem gut. Die damaligen, jüdischen Magen waren gut. Je fetter der ?Kugel?, das Symbol des Sabbatmittagmahles war, um so schmackhafter erschien er den Tischgenossen und er fand Gnade! Auch heute wurden fromme Lieder, Hymnen auf die Sabbatruhe, mit munteren Weisen im Chor gesungen. Am Sabbat nach Tisch zu schlafen, ist eine ?Mitzwa? und - wir waren fromm! Nur wir Kinder konnten uns jetzt austoben, im E?zimmer w?hrend des Winters, auf Wiese, Berg und Tal im Sommer.

Am Sp?tnachmittag gingen die M?nner wieder ins Bethaus zum Vorabendgebet. Es war in der D?mmerung. Daheim mu?te dann die dritte Sabbatmahlzeit gegessen werden. Auch die Kinder hatten nach ihrem Umhertollen Wolfsappetit. Bei dieser ?Schalssude? im Halbdunkel vor Abend mu?ten Fisch und Fleisch nach Vorschrift gegessen werden. Auch jetzt wurden sch?ne Hymnen gesungen und dann das Tischgebet verrichtet. Darauf ging alles wieder in die Synagoge zum Abendgebet, und es war schon dunkel, als die M?nner zurückkehrten. Alsdann betete mein Vater bei einem Becher Wein ?Awdole?.

Dann wurden weiter wohlklingende ?Smiraus? gesungen d. h. Verse, die sich auf die kommende Woche (Werkeltage), auf Sonne, Mond und Sterne beziehen. - Der Abend war noch ein halber Feierabend, an dem nichts gearbeitet wurde. Gegen 11 Uhr wurde aufs neue eine Mahlzeit eingenommen, die sich ?reb Chidkes Ssude? - Melawe Malke - Abschiedsgebet für die K?nigin Sabbat nannte. Für dieses Mahl wurde ein ?Borscht?, eine aus Geflügel und roten Rüben bestehende Brühe, gekocht, die erst um 11 Uhr fertig wurde, da man Feuer erst dann anmachen durfte, wenn es vollst?ndig Nacht war. Alle, selbst wir kleinen Kinder, mu?ten zu dieser sp?ten Mahlzeit zu Tisch kommen. Mit dieser sp?ten Mahlzeit endete erst die Sabbatfeier.

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