Die allgemeine Logik abstrahiert, wie wir gewiesen, von allem Inhalt der Erkenntnis, d.i. von aller Beziehung derselben auf das Objekt, und betrachtet nur die logische Form im Verh?ltnisse der Erkenntnisse aufeinander, d.i. die Form des Denkens überhaupt. Weil es nun aber sowohl reine, als empirische Anschauungen gibt, (wie die transzendentale ?sthetik dartut,) so k?nnte auch wohl ein Unterschied zwischen reinem und empirischem Denken der Gegenst?nde angetroffen werden.
In diesem Falle würde es eine Logik geben, in der man nicht von allem Inhalt der Erkenntnis abstrahierte; denn diejenige, welche blo? die Regeln des reinen Denkens eines Gegenstandes enthielte, würde alle diejenigen Erkenntnisse ausschlie?en, welche von empirischem Inhalte w?ren. Sie würde auch auf den Ursprung unserer Erkenntnisse von Gegenst?nden gehen, sofern er nicht den Gegenst?nden zugeschrieben werden kann; da hingegen die allgemeine Logik mit diesem Ursprunge der Erkenntnis nichts zu tun hat, sondern die Vorstellungen, sie m?gen uranf?nglich a priori in uns selbst, oder nur empirisch gegeben sein, blo? nach den Gesetzen betrachtet, nach welchen der Verstand sie im Verh?ltnis gegeneinander braucht, wenn er denkt, und also nur von der Verstandesform handelt, die den Vorstellungen verschafft werden kann, woher sie auch sonst entsprungen sein m?gen.
Und hier mache ich eine Anmerkung, die ihren Einflu? auf alle nachfolgenden Betrachtungen erstreckt, und die man wohl vor Augen haben mu?, n?mlich: da? nicht eine jede Erkenntnis a priori, sondern nur die, dadurch wir erkennen, da? und wie gewisse Vorstellungen (Anschauungen oder Begriffe) lediglich a priori angewandt werden, oder m?glich sind, transzendental (d.i. die M?glichkeit der Erkenntnis oder der Gebrauch derselben a priori) hei?en müsse. Daher ist weder der Raum, noch irgendeine geometrische Bestimmung desselben a priori eine transzendentale Vorstellung, sondern nur die Erkenntnis, da? diese Vorstellungen gar nicht empirischen Ursprungs sind, und die M?glichkeit, wie sie sich gleichwohl a priori auf Gegenst?nde der Erfahrung beziehen k?nne, kann transzendental hei?en. Imgleichen würde der Gebrauch des Raumes von Gegenst?nden überhaupt auch transzendental sein: aber ist er lediglich auf Gegenst?nde der Sinne eingeschr?nkt, so hei?t er empirisch. Der Unterschied des Transzendentalen und Empirischen geh?rt also nur zur Kritik der Erkenntnisse, und betrifft nicht die Beziehung derselben auf ihren Gegenstand.
In der Erwartung also, da? es vielleicht Begriffe geben k?nne, die sich a priori auf Gegenst?nde beziehen m?gen, nicht als reine oder sinnliche Anschauungen, sondern blo? als Handlungen des reinen Denkens, die mithin Begriffe, aber weder empirischen noch ?sthetischen Ursprungs sind, so machen wir uns zum voraus die Idee von einer Wissenschaft des reinen Verstandes und Vernunfterkenntnisses, dadurch wir Gegenst?nde v?llig a priori denken. Eine solche Wissenschaft, welche den Ursprung, den Umfang und die objektive Gültigkeit solcher Erkenntnisse bestimmte, würde transzendentale Logik hei?en müssen, weil sie es blo? mit den Gesetzen des Verstandes und der Vernunft zu tun hat, aber lediglich, sofern sie auf Gegenst?nde a priori bezogen wird, und nicht, wie die allgemeine Logik, auf die empirischen sowohl, als reinen Vernunfterkenntnisse ohne Unterschied.