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Chapter 10 zur Thesis No.10

Die transzendentale Idee der Freiheit macht zwar bei weitem nicht den ganzen Inhalt des psychologischen Begriffs dieses Namens aus, welcher gro?enteils empirisch ist, sondern nur den der absoluten Spontaneit?t der Handlung, als den eigentlichen Grund der Imputabilit?t derselben; ist aber dennoch der eigentliche Stein des Ansto?es für die Philosophie, welche unüberwindliche Schwierigkeiten findet, dergleichen Art von unbedingter Kausalit?t einzur?umen.

Dasjenige also in der Frage über die Freiheit des Willens, was die spekulative Vernunft von jeher in so gro?e Verlegenheit gesetzt hat, ist eigentlich nur transzendental, und geht lediglich darauf, ob ein Verm?gen angenommen werden müsse, eine Reihe von sukzessiven Dingen oder Zust?nden von selbst anzufangen. Wie ein solches m?glich sei, ist nicht ebenso notwendig beantworten zu k?nnen, da wir uns ebensowohl bei der Kausalit?t nach Naturgesetzen damit begnügen müssen, a priori zu erkennen, da? eine solche vorausgesetzt werden müsse, ob wir gleich die M?glichkeit, wie durch ein gewisses Dasein das Dasein eines anderen gesetzt werde, auf keine Weise begreifen, und uns desfalls lediglich an die Erfahrung halten müssen. Nun haben wir diese Notwendigkeit eines ersten Anfangs einer Reihe von Erscheinungen aus Freiheit, zwar nur eigentlich insofern dargetan, als zur Begreiflichkeit eines Ursprungs der Welt erforderlich ist, indessen da? man alle nachfolgenden Zust?nde für eine Abfolge nach blo?en Naturgesetzen nehmen kann. Weil aber dadurch doch einmal das Verm?gen, eine Reihe in der Zeit ganz von selbst anzufangen, bewiesen (obzwar nicht eingesehen) ist, so ist es uns nunmehr auch erlaubt, mitten im Laufe der Welt verschiedene Reihen, der Kausalit?t nach, von selbst anfangen zu lassen, und den Substanzen derselben ein Verm?gen beizulegen, aus Freiheit zu handeln. Man lasse sich aber hierbei nicht durch einen Mi?verstand aufhalten: da?, da n?mlich eine sukzessive Reihe in der Welt nur einen komparativ ersten Anfang haben kann, indem doch immer ein Zustand der Dinge in der Welt vorhergeht, etwa kein absolut erster Anfang der Reihen w?hrend dem Weltlaufe m?glich sei. Denn wir reden hier nicht vom absolutersten Anfange der Zeit nach, sondern der Kausalit?t nach. Wenn ich jetzt (zum Beispiel) v?llig frei, und ohne den notwendig bestimmenden Einflu? der Naturursachen, von meinem Stuhle aufstehe, so f?ngt in dieser Begebenheit, samt deren natürlichen Folgen ins Unendliche, eine neue Reihe schlechthin an, obgleich der Zeit nach diese Begebenheit nur die Fortsetzung einer vorhergehenden Reihe ist. Denn diese Entschlie?ung und Tat liegt gar nicht in der Abfolge blo?er Naturwirkungen, und ist nicht eine blo?e Fortsetzung derselben, sondern die bestimmenden Naturursachen h?ren oberhalb derselben, in Ansehung dieser Ereignis, ganz auf, die zwar auf jene folgt, aber daraus nicht erfolgt, und daher zwar nicht der Zeit nach, aber doch in Ansehung der Kausalit?t, ein schlechthin erster Anfang einer Reihe von Erscheinungen genannt werden mu?.

Die Best?tigung von der Bedürfnis der Vernunft, in der Reihe der Naturursachen sich auf einen ersten Anfang aus Freiheit zu berufen, leuchtet daran sehr klar in die Augen: da? (die epikurische Schule ausgenommen) alle Philosophen des Altertums sich gedrungen sahen, zur Erkl?rung der Weltbewegungen einen ersten Beweger anzunehmen, d.i. eine freihandelnde Ursache, welche diese Reihe von Zust?nden zuerst und von selbst anfing. Denn aus blo?er Natur unterfangen sie sich nicht, einen ersten Anfang begreiflich zu machen.

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