Ich erwachte beim kl?glichen Bl?ken eines Hammels. Die Türe stand offen und die Sonne schien herein. Sie leckte schon nach meinem schwarzen Kamin, es war nach Mittag. Ich sprang auf, Poupoul kam herein um beim Lever gegenw?rtig zu sein. Ich sch?mte mich ein wenig vor ihm und blinzelte ihn scheu an. Aber seine Hochachtung und Zuneigung hatte nicht im geringsten gelitten. Dann ging ich hinunter zum Meer und schwamm, bis ich eiskalt bis in die Knochen wurde. Nun war ich frisch und guter Dinge.
Ich hatte heute nacht eines der tiefsten Bohrl?cher meiner Existenz erreicht - nun würde es gesetzm??ig in die H?he gehen, immer h?her, Gott wei? wohin.
Der Tag war herrlich und entfachte Mut.
Das Meer war spiegelglatt und blau wie Seide. Der Himmel war vollkommen wolkenlos und von wunderbar tiefblauer F?rbung. Er flimmerte und da und dort war er durchsichtig wie Kristall: dort sausten die Windstr?me. über die Insel aber hauchte nur eine kaum fühlbare Brise. Sie streifte das Meer und breitete einen gro?en stahlblauen F?cher darauf aus, der sich bald ?ffnete, bald schlo?. Ein Schwarm von kleinen leuchtenden Segeln stand drau?en. All die Fischer, die gestern betrunken vor dem Grandhotel rollten, waren bei der Arbeit. Es wurde Abend, der Himmel f?rbte sich grünlich. Das Meer wurde rot wie Wein und die leise Brise hauchte und tupfte das Meer mit fransigen metallgrünen Flecken, die wanderten.
Die kleinen Segel glitten heimw?rts durch die Bai und waren bleich.
Ich ging hinunter zum Hafen und stieg in Kedrils Boot. Als es dunkelte, zogen wir das Segel auf. Unmerklich glitten wir dahin, lautlos wie ein gro?er Vogel, und erst nach einer Stunde hatten wir die gro?e Bai hinter uns. Die Mondsichel glei?te. Alle gro?en Sterne funkelten am Himmel, die kleinen waren nicht zu sehen. Es waren tausend Stockwerke des Raums über uns. Die Mondsichel schwebte tief unten im Meer und die gro?en Sterne blitzten aus der Tiefe. Es waren tausend Stockwerke unter uns. Zwischen Oben und Unten war eine dünne Glasscheibe und darauf glitten wir dahin.
Die gro?e Stille der Nacht machte uns still und jeder hing seinen Gedanken nach. Am Horizont im Süden sprühte ein Stern, halb im Meer, wie ein schwimmendes Feuer. Er sandte knisternde Strahlen nach mir - er sprach mit mir. Ihr Wesen, die ihr euch an diesem Feuer w?rmt, wie nennt ihr diese Sonne? Hala? Wandelte ich einst unter Halas Strahlen oder ist es mir bestimmt auf meiner gro?en Reise dort vorüber zu kommen?
Du gro?er Geist über den Wassern: La? mich einst unter Hala wandeln, la? meine Seele in den Bisonochsen fahren oder den Brüllaffen, einerlei - la? sie nicht sterben -
Kedril nieste. Kedril, Unreiner, weshalb niesest du zu unrechter Zeit und vermischst deinen Unrat mit dem Weihrauch, den ich dem gro?en Geiste emporsende?
Wir lagen und warteten auf die ?Lady of Ireland" aus Queenstown. Creach in der Ferne schwang seine Lichtwindmühle durch die Nacht und alle sieben Sekunden blendete uns sein Feuer zweimal nacheinander. Dann schien es, als w?ren wir hundert Schritte entfernt und blickten mitten in die glei?ende Linse und erblindeten.
Das Meer pochte am Boot und das Spiegelbild der Mondsichel verzerrte sich und manchmal brach es in Stücke und Splitter. Die gro?en Sterne glei?ten in der Tiefe wie faustgro?e Brillanten, und zuweilen l?sten sie sich in ein Geflimmer zitternder Funken auf, die sofort wieder zusammenschmolzen. Ich sah in das schwarze gl?nzende Pech hinein, durch mein mattes Spiegelbild hindurch; zuweilen w?lbte es sich lautlos, als atme es. Feindselig und schaurig sah das Meer in der Tiefe aus - man glitt hinab, ohne Laut, tiefer und tiefer, es war dunkel und weich und immer noch fühlten die Fü?e keinen Grund . . . Pl?tzlich fiel mir der Traum von heute nacht ein: da drunten feierte ich Hochzeit mit Rosseherre -. Ich lachte leise.
?Siehst du das Licht?" fragte Kedril.
Ich machte die Augen scharf. Ein r?tliches Pünktchen flimmerte am Horizont, hundertfach feiner als der verglimmende Docht einer Kerze in einem dunkeln Raum.
?Verteufelt scharfe Augen hast du, Pilot!"
Die ?Lady of Ireland" rauschte heran. Ohne Laut. Das Deng-deng der Glocke auf der Brücke klang klar durch die Stille. Ein paar Schatten beugten sich herab. Kedril ging an Bord.
Wir wechselten einige Worte mit den Schatten da droben. Eigentümlich klingen menschliche Stimmen in der Nacht auf dem Meer! Wie Gespenster waren wir.