Mozart als Mann.
Diesen Zeitpunkt, das hei?t, sein 20stes Lebensjahr k?nnen wir für die Epoche seiner Vollendung als Meister annehmen; denn von nun an zeigte er sich immer als ein solcher im gl?nzendesten Lichte, und mit einer entscheidenden Ueberlegenheit des Geschmackes und Genies; alle seine Werke, die er seit dem geliefert hat, sind klassisch und erwarben ihm die Krone der Unsterblichkeit. Wir fahren in der Erz?hlung seiner Lebensbegebenheiten fort, und werden die vorzüglichsten seiner Werke, aus dieser Lebensperiode, in einem besondern Abschnitte rezensiren.
Mozarts Ruhm war nun gegründet. Jede gro?e Stadt, die er zu dem Schauplatze seiner Talente gemacht h?tte, würde ihn mit Freude aufgenommen, und seine Werke mit Entzücken angeh?rt haben. Zu einer solchen Erwartung berechtigte ihn im hohen Ma?e die gro?e Wirkung, die sein zweifaches gleich gro?es Talent, des Klavierspielers und Kompositors jedesmal und überall auf das Publikum gemacht hatte.
Unter diesen St?dten war wohl Paris der angemessenste Platz für das Genie Mozarts; um so mehr, da seine Kunst dort ein schon begeistertes Publikum gefunden h?tte. Aber er hatte keinen Geschmack an der franz?sischen Musik; über die? war sein gerader Charakter zu Intriguen und Kabalen nicht gemacht, die auf diesem gro?en Tummelplatze menschlicher Leidenschaften auch die Künste mit ihren Schlangenwindungen umstrickten. Er kam also von der letzten Reise, die er im Jahre 1777 mit seiner Mutter nach Paris zu dem Endzwecke gemacht hatte, bald wieder, aber allein zurück; denn sie starb dort.[4] Auch die? mag seinem gefühlvollen Herzen den Aufenthalt in Paris verleidet haben. Zu Ende des Jahres 1778 war er schon wieder in Salzburg.
Der Bayerische Hof, der schon so oft Zeuge seines Künstlertalentes war, und insbesondere der damalige Churfürst, der gro?e Sch?tzer aller sch?nen Künste, liebte Mozarts Musik im hohen Grade. Er bekam daher den Auftrag für den Fasching vom 1781 in München eine Opera seria zu schreiben.
Da schuf Mozart das erhabene Werk, die Oper Idomeneo; worinn eine Gedankenfülle, eine W?rme der Empfindung herrscht, die sich nur von der Jugendkraft eines genialischen Tonkünstlers wie Mozart erwarten lie?. Diesen Aufenthalt in München rechnete Mozart unter die angenehmsten Tage seines Lebens und verga? nie auf die gef?llige Freundschaft, die er da von so vielen M?nnern vom Verdienst geno?.
Aus München ward er durch einen Auftrag seines Erzbischofs nach Wien berufen: und von dieser Zeit an, das hei?t von seinem 25sten Jahre, lebte er in dieser Kaiserstadt, die eben so sehr durch den entschiedenen Hang des Publikums zur Musik, als auch durch die Menge vortrefflicher Tonkünstler, für Mozarts Geist wichtig seyn mu?te.
Von hier aus verbreiteten sich seine erstaunenswürdigen Kompositionen zun?chst nach B?hmen, dann in das übrige Deutschland, und gaben dem Geschmacke in der Musik einen gro?en Schwung, eine neue Richtung, die aber seine zeitherigen Nachahmer verzerren und verderben.
Sein Spiel auf dem Pianoforte fand zuerst Bewunderer und Liebhaber; denn obschon Wien mehrere gro?e Meister dieses Instrumentes, des Lieblinges des Publikums z?hlte, so kam doch keiner unserm Mozart gleich. Eine bewundernswürdige Geschwindigkeit, die man besonders in Rücksicht der linken Hand oder des Basses einzig nennen konnte, Feinheit und Delikatesse, der sch?nste, redendeste Ausdruck und ein Gefühl, das unwiderstehlich zum Herzen drang, sind die Vorzüge seines Spieles gewesen, die gepaart mit seiner Gedankenfülle, mit der tiefen Kenntni? der Komposition natürlich jeden H?rer hinrei?en, und Mozarten zu dem gr??ten Klavierspieler seiner Zeit erheben mu?ten.
Seine Klavierkompositionen aller Art, Sonaten, Variationen, Konzerte, wurden bald allgemein bekannt und beliebt. Man ward bey jedem neu erschienenen Werke überrascht durch die Neuheit des Stiles, und der Gedanken – man staunte über die H?he, zu der sich die Musik durch seine Werke so schnell empor schwang!
In Wien fand Mozart einen Tonkünstler, dessen Genie dem seinigen am ?hnlichsten war; ich meine den berühmten Sch?pfer der Alzeste und Iphigenie, Ritter von Gluck, einen B?hmen von Geburt. Der Umgang mit ihm und das unabl?ssige Studium seiner erhabenen Werke gab Mozarten viel Nahrung, und hatte Einflu? auf seine Opernkompositionen. Auch wurde Mozart bald der innigste Verehrer des gro?en, unvergleichlichen Joseph Haydn, der schon damals der Stolz der Tonkunst war, und nun, nachdem Mozart nicht mehr ist, unser einzige Liebling, unsere Wonne bleibt. Mozart nannte ihn oft seinen Lehrer.
Bald nachdem Mozart seinen Aufenthalt in Wien aufgeschlagen hatte, fa?te der unverge?liche Kaiser Joseph II. den Gedanken, der eines deutschen Kaisers so würdig war, den Geschmack an italienischen Opern durch die Unterstützung deutscher Singspiele und S?nger zu verdr?ngen, und für das Vaterl?ndische mehr zu stimmen. Er versammelte daher die besten S?nger und S?ngerinnen, und lie? von Mozart eine deutsche Oper setzen. Für diese Virtuosen schrieb Mozart das allgemein bekannte, allgemein beliebte Singspiel, die Entführung aus dem Serail in dem Jahre 1782.
Sie machte allgemeines Aufsehen; und die schlauen Italiener sahen bald ein, da? ein solcher Kopf für ihr welsches Geklingel bald gef?hrlich werden dürfte. Der Neid erwachte nun mit der ganzen Sch?rfe des italienischen Giftes! Der Monarch der im Grunde von der neuen tiefeindringenden Musik entzückt war, sagte doch zu Mozart: ?Gewaltig viel Noten lieber Mozart!?
?Gerade so viel, Eure Majest?t, als n?thig ist,? versetzte dieser mit jenem edlen Stolze, und der Freymüthigkeit, die gro?en Geistern so gut anstehet. Er sah es ein, da? die? nicht eigenes Urtheil, sondern nachgesagt war.
Ich darf hier nicht verschweigen, da? Mozart zu der Zeit, als er diese Oper schrieb, Konstanza Weber, seine nachmahlige Gemahlin, die Schwester der berühmten S?ngerin Lang, liebte und eben Br?utigam war. Den Einflu?, den diese Seelenstimmung auf die Komposition dieser Oper haben mu?te, wird jedermann erkennen, der sie geh?rt hat; denn wer wei? es nicht, wie voll sü?er Gefühle, voll schmachtender Liebe sie ist?
Ich kann den Beyfall und die Sensation, die sie in Wien erregte, nicht aus eigener Erfahrung beschreiben – aber ich bin Zeuge des Enthusiasmus gewesen, den sie bey ihrer Aufführung in Prag in Kennern und Nichtkennern verursachte! Es war, als wenn das, was man hier bisher geh?rt und gekannt hatte, keine Musik gewesen w?re! Alles war hingerissen – alles staunte über die neuen Harmonien, über die originellen, bisher ungeh?rten S?tze der Blasinstrumente. Nun fingen die B?hmen an seine Kompositionen zu suchen; und in eben dem Jahre h?rte man schon in allen bessern musikalischen Akademien, Mozarts Klavierstücke und Sinfonien. Von nun an war die Vorliebe der B?hmen für seine Werke entschieden! Die gr??ten Kenner und Künstler unserer Vaterstadt, waren auch Mozarts gr??te Bewunderer, die feurigsten Verkündiger seines Ruhmes.[5]
Mozart lebte bisher, ungeachtet seines gro?en Ruhmes ohne Anstellung, also ohne bestimmte Einkünfte. Klavier-Unterricht, und abonnirte Konzerte für einen geschlossenen Cirkel des hohen Adels waren noch die ausgiebigsten Quellen seiner Einkünfte, wobey sich in einer Stadt, wie Wien, sicher nichts ersparen lie?.
In dieser Periode schrieb er die sch?nsten Sachen für das Klavier: Sonaten mit und ohne Begleitung, Konzerte, die nun in jedermanns H?nden sind.
Im Jahre 1785 gab er 6 meisterhafte Violin-Quartetten im Stich heraus, mit einer Dedikation an seinen Freund den Kapellmeister Joseph Haydn, die ein sch?ner Abdruck seiner Hochachtung für diesen gro?en Mann ist; und so wie dieselbe den Ruhm Haydns, durch die Huldigungen eines Künstlers wie Mozart, vermehrt: eben so sehr gereicht sie diesem zur Ehre, und macht uns das Herz eines Mannes liebenswürdig, dessen Talent Bewunderung heischt.
Gewi?, Mozart h?tte mit keinem Werke einen Joseph Haydn besser ehren k?nnen, als mit diesen Quartetten, die ein Schatz der sch?nsten Gedanken, und das Muster und eine Schule der Komposition sind. In den Augen des Kenners ist dies Werk eben so viel werth, als jede Opernkomposition Mozarts. Alles darinn ist durchgedacht, und vollendet! – Man sieht es diesen Quartetten an, da? er sich die Mühe gab Haydns Beyfall zu verdienen.
Eben zu der Zeit machte das franz?sische Lustspiel von Beaumarchais, Figaro sein Glück und kam auf alle Theater. Mozart ward vom Kaiser Joseph dazu bestimmt, diesem Lustspiele, nachdem es in ein Singspiel umgegossen ward, auch auf dem italienischen Operntheater durch seine Musik Celebrit?t zu verschaffen. Es wurde in Wien von der italienischen Opern-Gesellschaft aufgeführt. Wenn es wahr ist, was man allgemein als wahr erz?hlt, und was sich bei so vielen glaubwürdigen Zeugen freylich nicht in Zweifel ziehen l??t, da? die S?nger, aus Ha?, Neid und niedriger Kabale bey der ersten Vorstellung durch vorsetzliche Fehler sich alle Mühe gegeben haben die Oper zu stürzen: so kann der Leser daraus schlie?en, wie sehr diese Faktion die Ueberlegenheit des Genies in Mozart fürchtete, und wie wahr es sey, was ich kurz vorher bey Gelegenheit der Entführung aus dem Serail bemerkt habe. Dieser feige Bund verdienstloser Menschen blieb bis an das frühe Ende des unsterblichen Künstlers in voller Th?tigkeit ihn zu hassen, zu verl?umden, und seine Kunst herabzusetzen. Welchen Kampf hatte Mozarts Geist zu bestehen, bis er vollkommen triumphirte?
Man erz?hlt, da? die S?nger durch eine ernste Warnung des seligen Monarchen zu ihrer Pflicht gewiesen werden mu?ten, da Mozart voll Bestürzung zwischen dem 2ten Akte zu Ihm in die Loge kam und Ihn darauf aufmerksam machte.
So wie jedes seiner Werke in B?hmen nach seinem wahren Werthe erkannt und gesch?tzt wurde: so geschah es auch mit dieser Oper. Sie wurde im Jahre 1786 von der Bondinischen Gesellschaft in Prag auf das Theater gebracht und gleich bey der ersten Vorstellung mit einem Beyfall aufgenommen, der nur mit demjenigen, welchen die Zauberfl?te nachher erhielt, verglichen werden kann. Es ist die strengste Wahrheit, wenn ich sage, da? diese Oper fast ohne Unterbrechen diesen ganzen Winter gespielt ward, und da? sie den traurigen Umst?nden des Unternehmers vollkommen aufgeholfen hatte. Der Enthusiasmus, den sie bei dem Publikum erregte, war bisher ohne Beyspiel; man konnte sich nicht genug daran satt h?ren. Sie wurde bald von einem unserer besten Meister, Herrn Kucharz in einen guten Klavier-Auszug gebracht, in blasende Parthieen, ins Quintett für Kammermusik, in teutsche T?nze verwandelt: kurz Figaros Ges?nge wiederhallten auf den G?ssen, in G?rten, ja selbst der Harfenist auf der Bierbank mu?te sein non piu andrai t?nen lassen, wenn er geh?rt werden wollte. Diese Erscheinung hat freylich gr??tentheils in der Vortrefflichkeit des Werkes ihren Grund; aber nur ein Publikum, welches so viel Sinn für das wahre Sch?ne in der Tonkunst und so viel gründliche Kenner unter sich besitzt, konnte den Werth einer solchen Kunst auf der Stelle empfinden; dazu geh?rt auch das unvergleiche Orchester der damaligen Oper, welches die Ideen Mozarts so genau und flei?ig auszuführen verstand. Denn auf diese verdienten M?nner, die zwar gr??tentheils keine Konzertisten, aber desto gründlichere Kenner und Orchestersubjekte waren, machte die neue Harmonie und der feurige Gang des Gesanges den ersten und tiefsten Eindruck! Der nunmehr verstorbene rühmlich bekannte Orchester-Direktor Strobach versicherte oft, da? er sammt seinem Personale bey der jedesmaligen Vorstellung so sehr ins Feuer gerathe, da? er trotz der mühsamen Arbeit mit Vergnügen von vorne wieder anfangen würde.
Die Bewunderung für den Verfasser dieser Musik gieng so weit, da? einer unserer edelsten Kavaliere und Kenner der Musik, Graf Johann Joseph Thun, der selbst eine vortreffliche Kapelle unterhielt, ihn nach Prag zu kommen einlud, und ihm Wohnung, Kost und alle Bequemlichkeiten in seinem Hause anboth. Mozart war zu sehr über die Wirkung erfreut, die seine Musik auf die B?hmen machte – zu begierig eine Nation von einem solchen Musikgefühle kennen zu lernen, als da? er die Gelegenheit nicht mit Freuden ergriffen h?tte. Er kam im Februar 1787 nach Prag: am Tage seiner Ankunft wurde Figaro gegeben, und Mozart erschien darinn. Alsogleich verbreitete sich der Ruf von seiner Anwesenheit im Parterre, und so wie die Sinfonie zu Ende gieng, klatschte ihm das ganze Publikum Beyfall und Bewillkommen zu.
Er lie? sich dann auf allgemeines Verlangen in einer gro?en musikalischen Akademie im Operntheater auf dem Pianoforte h?ren. Nie sah man noch das Theater so voll Menschen, als bey dieser Gelegenheit; nie ein st?rkeres, einstimmiges Entzücken, als sein g?ttliches Spiel erweckte. Wir wu?ten in der That nicht, was wir mehr bewundern sollten, ob die au?erordentliche Komposition, oder das au?erordentliche Spiel; beydes zusammen bewirkte einen Totaleindruck auf unsere Seelen, welcher einer sü?en Bezauberung glich! Aber dieser Zustand l?sete sich dann, als Mozart zu Ende der Akademie allein auf dem Pianoforte mehr als eine halbe Stunde phantasirte und unser Entzücken auf den h?chsten Grad gespannt hatte, in laute überstr?mende Beyfalls?u?erung auf. Und in der That übertraf dieses Phantasiren alles, was man sich vom Klavierspiele vorstellen konnte, da der h?chste Grad der Kompositionskunst mit der vollkommensten Fertigkeit im Spiele vereinigt ward. Gewi?, so wie diese Akademie für die Prager die einzige ihrer Art war, so z?hlte Mozart diesen Tag zu den sch?nsten seines Lebens.
Die Sinfonien, die er für diese Gelegenheit setzte, sind wahre Meisterstücke des Instrumentalsatzes, voll überraschender Ueberg?nge und haben einen raschen, feurigen Gang, so, da? sie alsogleich die Seele zur Erwartung irgend etwas Erhabenen stimmen. Die? gilt besonders von der gro?en Sinfonie in D dur und Es, die noch immer ein Lieblingsstück des Prager Publikums sind, obschon sie wohl hundertmal geh?rt waren.
Der Opernunternehmer Bondini schlo? zugleich mit Mozart den Akkord zu einer neuen Oper für die Prager Bühne auf den n?chsten Winter, welche dieser gerne übernahm, weil er erfahren hatte, wie gut die B?hmen seine Musik zu sch?tzen und auszuführen verstanden. Die? ?u?erte er oft gegen seine Prager Freunde: er war überhaupt gern in Prag, wo ihn ein gefühlvolles Publikum, und wahre Freunde so zu sagen auf den H?nden trugen. – Dem Opernorchester dankte er in einem Briefe an den damaligen Direktor Herrn Strobach sehr verbindlich, und schrieb seiner geschickten Ausführung den gr??ten Theil des Beyfalls zu, den seine Musik in Prag erhalten hatte.[6] Dieser Zug seines Herzens, so unbedeutend er scheint, ist sehr sch?n; er giebt einen Beweis, da? Stolz, Eigendünkel oder Undankbarkeit seine Fehler nicht waren, wie man es so h?ufig an viel geringern Virtuosen wahrnimmt.
In dem nemlichen Jahre 1787 gegen den Winter kam Mozart verm?g seines Akkords wieder nach Prag, und vollendete da die Krone aller seiner Meisterwerke, die Oper: Il dissoluto punito, oder Don Giovanni.
Die B?hmen sind stolz darauf, da? er durch eine so erhabene und aus der Tiefe seines Genies gesch?pfte Musik ihren guten Geschmack erkannte und ehrte. ?Don Juan ist für Prag geschrieben? – mehr braucht man nicht zu sagen, um zu beweisen, welchen hohen Begriff Mozart von dem musikalischen Sinne der B?hmen hatte. Es gelang ihm auch vollkommen diesen Sinn zu treffen und zu rühren; denn keine Oper hat sich hier in einem gleichen Wohlgefallen so lange auf dem Theater erhalten, als Don Juan. Es sind nunmehr 21 Jahre, seit sie gegeben wird, und noch immer h?rt man sie mit Vergnügen, noch immer lockt sie zahlreiche Versammlung in das Parterre. Kurz Don Juan ist die Lieblingsoper des bessern Publikum in Prag. Als Mozart bey der ersten Vorstellung derselben an dem Klavier im Orchester erschien, empfing ihn das ganze bis zum Erdrücken volle Theater mit einem allgemeinen Beyfallklatschen. Ueberhaupt bekam Mozart in Prag bey jeder Gelegenheit gro?e und unzweydeutige Beweise der Hochachtung und Bewunderung, welche gewi? ehrenvoll waren, weil nicht Vorurtheil oder Mode, sondern reines Gefühl seiner Kunst daran Theil hatte. Man liebte und bewunderte seine sch?nen Werke; wie konnte man gegen die Person ihres gro?en Sch?pfers gleichgültig bleiben?
In dem Jahre 1789 im Monat December schrieb Mozart das italienische komische Singspiel, Cosi fan tutte, oder die Schule der Liebenden; man wundert sich allgemein, wie der gro?e Geist sich herablassen konnte, an ein so elendes Machwerk von Text seine himmlisch sü?en Melodien zu verschwenden. Es stand nicht in seiner Gewalt, den Auftrag abzulehnen, und der Text ward ihm ausdrücklich aufgetragen. – In diese Periode f?llt auch seine Reise über Leipzig und Dresden nach Berlin.[7] Der gro?e Ruf seines Namens gieng ihm voran, und man fand sich nirgends in der Erwartung get?uscht, die er überall erregt hatte. Der damalige K?nig von Preu?en, ein freygebiger Kenner und Freund der Tonkunst, ward ganz für ihn eingenommen; und gab ihm ausgezeichnete Beweise seiner Achtung. Wie wahrhaft und daurend dieselbe gewesen sey, beweiset die k?nigliche Gro?muth, mit welcher dieser Monarch sp?ter die Wittwe Mozart in Berlin aufnahm und unterstützte.
Mozart war bis jetzo ohne Anstellung, ohne sichere Einkünfte. So bekannt auch sein Talent war, so sehr man seine Kompositionen suchte: so wenig dachte man daran ihn zu belohnen, und zu unterstützen. Er hatte zwar oft betr?chtliche Einnahmen gemacht; aber bei der Unsicherheit und Unordnung der Einkünfte, bei den h?ufigen Kindbetten, den langwierigen Krankheiten seiner Gattin, in einer Stadt wie Wien, mu?te Mozart doch im eigentlichen Verstande darben. Er beschlo? daher die Stadt zu verlassen, wo sich keine Stelle für einen Kopf wie Mozart fand. Sein Plan war nach England zu gehen, wo er ein besseres Schicksal um so mehr erwarten konnte, als ihm oft von da Einladungen und lockende Antr?ge gemacht wurden.
Alles war zur Abreise fertig, als ihm Kaiser Joseph den Titel eines kaiserlichen Kammerkomponisten mit einem Jahrgehalt von 800 Gulden und der Zusicherung ertheilte, da? auf ihn in der Zukunft Bedacht genommen werden würde. Mozart mochte nicht trotzen; er nahm es willig an, und blieb. Das Anstellungsdekret ist am 7. Dec. 1787 ausgestellt.
Ich überlasse es jedem Leser darüber Beobachtungen anzustellen, um die Ursachen der langen Vernachl?ssigung eines so gro?en Künstlers auszuforschen. An ihm lag die Schuld gewi? nicht; man mü?te denn seinen geraden und offenen zum Bücken und Kriechen untauglichen Charakter als Schuld annehmen.
So viele Feinde und Neider auch jeden seiner Vorzüge durch Herabsetzung und Verl?umdung zu verdunkeln bemüht waren: so vollkommen war dennoch der Triumph seiner Kunst bey unbefangenen, von dem Roste der Mode unverletzten Seelen. Alle wahren Kenner der Tonkunst huldigten seinem Genie. Ich will davon ein Beyspiel anführen.
Der als Staatsmann und Gelehrter gleich verehrungswürdige Baron von Switten, ein wahrer Kenner der Tonkunst, voll Gefühl für den ernsten Gesang des erhabenen H?ndels, lie? oft die Werke dieses berühmten Tonkünstlers, die für den t?ndelnden Modegeschmack unserer Tage eine zu einfache Kost sind, in Privatkonzerten aufführen. Er bediente sich dazu der Talente unsers Mozarts, der die gro?en Ideen H?ndels mit der W?rme seiner Empfindung zu beleben und durch den Zauber seines Instrumentalsatzes für unser Zeitalter genü?bar zu machen verstand.[8] Baron von Switten korrespondirte oft über die Angelegenheit mit Mozart, und schrieb ihm einst unter andern:
Den 21sten M?rz 1789.
?Ihr Gedanke, den Text der kalten Arie in ein Recitativ zu bringen ist trefflich, und in der Ungewi?heit ob Sie wohl die Worte zurückbehalten haben, schickte ich sie Ihnen hier abgeschrieben. Wer H?ndel so feyerlich und so geschmackvoll kleiden kann, da? er einerseits auch dem Modegecken gef?llt, und andererseits doch immer in seiner Erhabenheit sich zeiget, der hat seinen Werth gefühlt, der hat ihn verstanden, der ist zu der Quelle seines Ausdruckes gelanget und kann und wird sicher daraus sch?pfen. So sehe ich dasjenige an, was Sie leisteten, und nun brauche ich von keinem Zutrauen mehr zu sprechen, sondern nur von dem Wunsche das Rezitativ bald zu erhalten.?
Switten.
Der Türkenkrieg und der dadurch veranla?te Tod des edelsten Monarchen, des unverge?lichen Josephs, raubte auch Mozarten eine gro?e Stütze seiner Hoffnungen; er blieb Kapellmeister mit 800 Fl. und ohne Wirkungskreis!
Aber auch sein Ende rückte nun heran; er sollte den gro?en Monarchen nicht lange überleben. Das Jahr 1791, furchtbar reich an gro?en Todten, ward bestimmt auch den Stolz der Tonkunst zu entrei?en. Mozart hatte jedoch zuvor der Nachwelt mit vollen H?nden aus dem Reichthume seines Geistes ausgespendet. Daher ist dieses Jahr eben so merkwürdig durch die Sch?pfung seiner sch?nsten Werke, als es uns durch seinen unerwarteten Tod schmerzhaft geworden ist. In demselben, ja gewisserma?en nahe an dem Ziele seines Lebens schuf er die Musik zu der Zauberfl?te, zu der ernsthaften Oper, La Clemenza di Tito, und das furchtbar erhabene Requiem (Seelenmesse) welches er nicht einmal mehr vollenden konnte. So gewi? es ist, da? diese drey Werke allein ihm den ersten Platz unter den Tonkünstlern seines Zeitalters und unsterblichen Ruhm versichert h?tten, so sehr vermehren sie die Sehnsucht nach dem Entrissenen, durch den Gedanken, der sich dem gefühlvollen Zuh?rer unter dem Genusse seiner Werke unwiderstehlich aufdringt: ?Ach! wie viel würde der Mann noch geleistet, welche Harmonien geschaffen haben??
Die Zauberfl?te setzte er für das Theater des bekannten Schikaneders, der sein alter Bekannter war. Die Musik zu der Oper La Clemenza di Tito war von den b?hmischen St?nden zu der Kr?nung des Kaisers Leopold bestellt. Diese letzte begann er in seinem Reisewagen auf dem Wege von Wien, und vollendete sie in dem kurzen Zeitraume von 18 Tagen in Prag.
Die Geschichte seines letzten Werkes, der erw?hnten Seelenmesse, ist eben so geheimni?voll als merkwürdig.
Kurz vor der Kr?nungszeit des Kaisers Leopold, bevor noch Mozart den Auftrag erhielt nach Prag zu reisen, wurde ihm ein Brief ohne Unterschrift von einem unbekannten Bothen übergeben, der nebst mehreren schmeichelhaften Aeu?erungen die Anfrage enthielt, ob Mozart eine Seelenmesse zu schreiben übernehmen wollte? um welchen Preis und binnen welcher Zeit er sie liefern k?nnte?
Mozart der ohne Mitwissen seiner Gattin nicht den geringsten Schritt zu thun pflegte, erz?hlte ihr den sonderbaren Auftrag, und ?u?erte zugleich sein Verlangen sich in dieser Gattung auch einmal zu versuchen, um so mehr, da der h?here pathetische Stil der Kirchenmusik immer sehr nach seinem Genie war. Sie rieth ihm den Auftrag anzunehmen. Er schrieb also dem unbekannten Besteller zurück, er würde das Requiem für eine gewisse Belohnung verfertigen; die Zeit der Vollendung k?nne er nicht genau bestimmen; er wünsche jedoch den Ort zu wissen, wohin er das Werk, wenn es fertig seyn würde, zu übergeben habe. In kurzer Zeit erschien derselbe Bothe wieder, brachte nicht nur die bedungene Belohnung mit, sondern noch das Versprechen, da er in dem Preise so billig gewesen sey, bey der Absendung des Werkes eine betr?chtliche Zugabe zu erhalten. Er sollte übrigens nach der Stimmung und Laune seines Geistes schreiben, sich aber gar keine Mühe geben, den Besteller zu erfahren, indem es gewi? vergeblich seyn würde.
Mittlerweile bekam Mozart den ehrenvollen und vortheilhaften Antrag für die Prager Kr?nung des Kaisers Leopold die Oper Titus zu schreiben. Nach Prag zu gehen, für seine lieben B?hmen zu schreiben, hatte für ihn zu viel Reiz, als da? er es h?tte ausschlagen k?nnen!
Eben als Mozart mit seiner Frau in den Reisewagen stieg, stand der Bothe wie ein Geist da, zupfte die Frau an dem Rocke, und fragte: ?Wie wird es nun mit dem Requiem aussehen? –?
Mozart entschuldigte sich mit der Nothwendigkeit der Reise und der Unm?glichkeit seinem unbekannten Herrn davon Nachricht geben zu k?nnen: übrigens würde es seine erste Arbeit bey der Zurückkunft seyn, und es k?me nur auf den Unbekannten an, ob er so lange warten wolle. Damit war der Bothe g?nzlich befriedigt.
Schon in Prag kr?nkelte und medizinirte Mozart unaufh?rlich; seine Farbe war bla? und die Miene traurig, obschon sich sein munterer Humor in der Gesellschaft seiner Freunde doch oft noch in fr?hlichen Scherz ergo?. Bey seinem Abschiede von dem Zirkel seiner Freunde ward er so wehmüthig, da? er Thr?nen vergo?. Ein ahnendes Gefühl seines nahen Lebensende schien die schwermüthige Stimmung hervorgebracht zu haben – denn schon damals trug er den Keim der Krankheit, die ihn bald hinraffte, in sich.
Bey seiner Zurückkunft nach Wien nahm er sogleich seine Seelenmesse vor, und arbeitete mit viel Anstrengung und einem lebhaften Interesse daran: aber seine Unp??lichkeit nahm sichtbar zu, und stimmte ihn zur düstern Schwermuth. Seine Gattin nahm es mit Betrübni? wahr. Als sie eines Tages mit ihm in den Prater fuhr, um ihm Zerstreuung und Aufmunterung zu verschaffen, und sie da beyde einsam sa?en, fing Mozart an vom Tode zu sprechen, und behauptete, da? er das Requiem für sich setze. Thr?nen standen dem empfindsamen Manne in den Augen. ?Ich fühle mich zu sehr, sagte er weiter, mit mir dauert es nicht mehr lange: gewi?, man hat mir Gift gegeben! Ich kann mich von diesem Gedanken nicht los winden. –?
Zentnerschwer fiel diese Rede auf das Herz seiner Gattin; sie war kaum im Stande ihn zu tr?sten, und das Grundlose seiner schwermüthigen Vorstellungen zu beweisen. Da sie der Meynung war, da? wohl eine Krankheit im Anzuge w?re, und das Requiem seine empfindlichen Nerven zu sehr angreife, so rufte sie den Arzt, und nahm die Partitur der Komposition weg.
Wirklich besserte sich sein Zustand etwas, und er war w?hrend desselben f?hig eine kleine Kantate, die von einer Gesellschaft für ein Fest bestellt wurde, zu verfertigen. Die gute Ausführung derselben und der gro?e Beyfall, mit dem sie aufgenommen ward, gab seinem Geiste neue Schnellkraft. Er wurde nun etwas munterer und verlangte wiederholt sein Requiem fortzusetzen und zu vollenden. Seine Frau fand nun keinen Anstand ihm seine Noten wieder zu geben.
Doch kurz war dieser hoffnungsvolle Zustand; in wenig Tagen verfiel er in seine Melancholie, ward immer matter und schw?cher, bis er endlich ganz auf das Krankenlager hinsank, von dem er ach! nimmer aufstand.
Am Tage seines Todes lie? er sich die Partitur an sein Bette bringen. ?Hab ich es nicht vorgesagt, da? ich die? Requiem für mich schreibe?? so sprach er, und sah noch einmal das Ganze mit nassen Augen aufmerksam durch. Es war der letzte schmerzvolle Blick des Abschiedes von seiner geliebten Kunst – eine Ahndung seiner Unsterblichkeit!
Gleich nach seinem Tode meldete sich der Bothe, verlangte das Werk, so wie es unvollendet war, und erhielt es. Von dem Augenblicke an sah ihn die Wittwe nie mehr, und erfuhr nicht das mindeste, weder von der Seelenmesse, noch von dem Besteller. Jeder Leser kann sich vorstellen, da? man sich alle Mühe gab den r?thselhaften Bothen auszuforschen, aber alle Mittel und Versuche waren fruchtlos.[9]
Mozart blieb w?hrend seiner Krankheit bey vollkommenem Bewu?tseyn bis an sein Ende, und starb zwar gelassen, aber doch sehr ungern. Jedermann wird die? begreiflich finden, wenn er bedenkt, da? Mozart kurz zuvor das Anstellungsdekret als Kapellmeister in der St. Stephanskirche mit allen Emolumenten, die von Alters her damit verbunden waren, bekam, und nun erst die frohe Aussicht hatte, bei hinl?nglichen Einkünften ruhig, ohne Nahrungssorgen leben zu k?nnen. Auch erhielt er fast zu gleicher Zeit aus Ungarn und Amsterdam ansehnliche Bestellungen und Akkorde auf periodische Lieferungen gewisser Kompositionen.
Dieses sonderbare Zusammentreffen so glücklicher Vorbothen eines bessern Schicksales – seine gegenw?rtigen traurigen Verm?gensumst?nde – der Anblick einer trostlosen Gattin – der Gedanke an zwey unmündige Kinder: alles dieses war nicht gemacht, einen bewunderten Künstler, der nie Stoiker gewesen ist, in seinem 35ten Jahre die Bitterkeit des Todes zu versü?en. ?Eben jetzt, so klagte er oft in seiner Krankheit, soll ich fort, da ich ruhig leben würde! Jetzt meine Kunst verlassen, da ich nicht mehr als Sklave der Mode, nicht mehr von Spekulanten gefesselt, den Regungen meiner Empfindung folgen, frey und unabh?ngig schreiben k?nnte, was mein Herz mir eingiebt! Ich soll fort von meiner Familie, von meinen armen Kindern, in dem Augenblicke, da ich im Stande geworden w?re, für ihr Wohl besser zu sorgen!? Sein Tod erfolgte in der Nacht am 5ten Dezember 1791. Die Aerzte waren in der Bestimmung seiner Krankheit nicht einig. Man kann sagen, um Mozart flo?en unz?hlbare Thr?nen; nicht in Wien allein, vielleicht mehr noch in Prag, wo man ihn liebte und bewunderte. Jeder Kenner, jeder Freund der Tonkunst hielt seinen Verlust für unersetzlich; und wahrlich, bis jetzt hat man nicht Ursache diese trostlose Meynung zurück zu nehmen! Es schien unglaublich, da? ein Mann, der so unsterbliche Werke geliefert, der unsern Herzen so reine Entzückungen geschaffen hat, nicht mehr seyn sollte!
In Wien feyerte man sein Andenken mit Würde; aber Prag zeichnete sich auch hierinn durch die w?rmste Theilnahme aus; die Trauer um unsern Liebling war allgemein und ungeheuchelt. Zuerst veranstaltete der würdige Musik Direktor Joseph Strobach, ein Freund des Verstorbenen,[10] in seiner Pfarrkirche bey St. Niklas den 14ten Dezember d. n. J. ein feyerliches Seelenamt für Mozart. Nie gab es ein so rührendes und erhabenes Trauerbeg?ngni?. Ein Chor von 120 Personen aus den besten Künstlern Prags ausgew?hlt, die alle mit wehmüthigen Eifer sich dazu angebothen hatten, unter der Direktion des braven Strobachs führte das meisterhafte Requiem unsers berühmten Landsmannes Rosetti mit einem so schwermuthsvollen Ausdrucke auf, da? es nothwendig auf das versammelte Volk den tiefsten Eindruck machen mu?te. Mehr als 3000 Menschen, vom Adel und Bürgerstande, (so viel nemlich diese gro?e Kirche fa?te,) waren da beysammen – alle gerührt, alle voll Wehmuth über den frühen Tod des entrissenen Künstlers!
Etwas sp?ter, den 28ten Dezember 1791 unternahm eine Gesellschaft wahrer Verehrer des Verstorbenen, zur Unterstützung der hinterlassenen Waisen und Wittwe ein ?ffentliches Konzert in dem Nationaltheater; man führte einige der besten, weniger bekannten Kompositionen Mozarts auf. Eine so edle Todtenfeier unterstützte das Prager Publikum aus allen Kr?ften, um so mehr, da es die Gelegenheit fand den Tribut seiner Hochachtung dem Genie Mozarts in der gro?müthigen Unterstützung der hilflosen Waisen zu zollen. Das Theater war voll, und die Einnahme betr?chtlich. Wie glücklich ist ein Künstler, dessen Talent solche Freunde erwirbt!
In Wien wurde die Wittwe auf eine eben so gro?müthige Art unterstützt. – Mozart hinterlie? seiner Familie nichts als den Ruhm seines Namens. Alle Hilfsmittel ihrer Erhaltung beruhten auf der Gro?muth eines dankbaren Publikums, dem Mozart so viele Stunden des reinsten Vergnügens, der edelsten Unterhaltung durch sein unersch?pfliches Talent geschaffen hatte. Und wahrlich, man kann sagen, da? dieses seine Schuld redlich abzutragen suchte. Die Wittwe lie? in einem ?ffentlichen Konzert zu ihrem Besten die merkwürdige Seelenmesse aufführen. Der gro?e Ruf dieses Meisterstückes und der Wunsch, die Waisen zu unterstützen, zog ein zahlreiches Publikum hin, und man mu? es den edlen Freunden der Kunst in Wien zum Ruhme nachsagen, da? dieselben auch nach 17 Jahren noch gegen den Mozartischen Namen nicht gleichgültig geworden sind. In allen musikalischen Akademien, die der Wittwe zu ihrem Besten zugestanden werden, ist das Haus voll, und die Einnahme gut.
Aber die Gro?muth des sel. Kaisers Leopold, dieses menschenfreundlichen, für die Wissenschaften und Künste so früh entrissenen Monarchen, übertraf alles, was bisher der Wittwe zum Besten geschah.
Mozarts Feinde und Verl?umder wurden besonders gegen sein Ende, und nach seinem Tode so boshaft, so laut, da? bis zu dem Ohre des Monarchen manche nachtheilige Sage von Mozart gedrungen war. Diese Ausstreuungen und Lügen waren so unversch?mt, so emp?rend, da? der Monarch, von Niemanden des Gegentheiles belehrt, sehr entrüstet war. Nebst einer sch?ndlichen Erdichtung und Vergr??erung von Ausschweifungen, denen Mozart, wie sie sagten, ergeben gewesen sey, behauptete man, da? er nicht weniger als 30,000 Gulden Schulden hinterlassen habe – eine Summe, über die der Monarch erschrack!
Die Wittwe war eben gesonnen den Monarchen um Pension zu bitten. Eine edeldenkende Freundin und vortreffliche Schülerin Mozarts unterrichtete sie von den Verl?umdungen ihres Mannes bey Hofe, und gab ihr den Rath den gütigen Monarchen bey der Audienz eines Bessern zu belehren.
Die Wittwe hatte bald Gelegenheit ihren Rath auszuführen.
?Euer Majest?t,? sagte sie mit edlem Eifer bey der Audienz, ?jeder Mensch hat Feinde; aber heftiger und anhaltender ist noch niemand von den seinigen verfolgt und verl?umdet worden, als mein Mann, blos weil er ein so gro?es Talent war! Man hat es gewagt Euer Majest?t viel Unwahres über ihn zu sagen: man hat seine hinterlassene Schulden zehnfach vergr??ert. Ich stehe mit meinem Leben dafür, da? ich mit einer Summe von ungef?hr 3000 Gulden alles bezahlen k?nnte, was er schuldig ist. Und diese Schuld ist nicht muthwillig gemacht worden. Wir hatten keine sichern Einkünfte; h?ufige Kindbetten, eine schwere und kostbare Krankheit von anderthalb Jahren, die ich auszustehen hatte, werden bey dem menschenfreundlichen Herzen meines Monarchen zur Entschuldigung dienen.?
?Wenn es so ist,? sagte der Monarch, ?da ist wohl noch Rath zu schaffen. Geben sie ein Konzert von seinen hinterlassenen Werken, und ich will es unterstützen.?
Er nahm ihr die Bittschrift gn?dig ab; und in kurzer Zeit ward ihr eine Pension von 260 fl. angewiesen, die zwar an sich gering ist, aber da Mozart erst 3 Jahre angestellt, folglich die Wittwe noch nicht pensionsf?hig war, so bleibt es immer eine Gnade. Die Akademie ward unternommen, und der unsterbliche Monarch erfüllte so gro?müthig sein Versprechen, da? die Wittwe dadurch in den Stand gesetzt wurde, die Schulden ihres Mannes zu tilgen.
Aus dieser Begebenheit kann man schlie?en, wie viel an den boshaften Erz?hlungen von der Unordnung seiner Haushaltung, seiner Verschwendung und dergleichen Anschw?rzungen Wahres seyn mag. Da man so wenig seiner Gr??e als Künstler beyzukommen im Stande war, so suchte der gr?mliche Neid seinen moralischen Charakter zu verstellen! Eine sehr leichte und gew?hnliche Taktik kleiner Seelen, denen jedes Verdienst, jede Gr??e unausstehlich ist: um so mehr, wenn sie ihrem kleinen Gewerbe zu schaden droht! Es ist nur Gerechtigkeit, die dem Verdienste gebührt, wenn man sich Mühe giebt solche fremde Flecken aus dem Gem?hlde würdiger Menschen zu verwischen.
Wenn gegen Mozart diejenige Billigkeit ausgeübt wird, die jeder an sich selbst zu erfahren wünschen mu?, so wird er deshalb noch nicht als Muster der Oekonomie und Sparsamkeit angepriesen. Es ist wahr; er h?tte den Werth des Geldes besser sch?tzen sollen: aber darf ein gro?er Geist keine Schw?chen, keine Fehler haben? M?chten doch die, über ihn so streng urtheilen, auf ihr Herz greifen und sich fragen: – – –
Quid tu?
nullane habes vitia?
Und sind sie in irgend einem Fache Mozarte? – Die Endschuldigung der Schulden, die er hinterlie?, vernahmen wir eben aus dem Munde seiner Wittwe; und gewi?, sie ist nicht ungegründet.
Mozart hinterlie? von mehreren Kindern nur zwey S?hne, wovon der jüngere etwa 4 Monathe alt war, als der Vater starb. Er hei?t Wolfgang wie sein Vater, ist gegenw?rtig 17 Jahre alt, und durch die ersten Produkte seines musikalischen Talentes dem Publikum schon vortheilhaft bekannt. Sein Klavierspiel zeichnet sich durch feinen Ausdruck und Pr?cision aus. Und so w?re denn zum Theil die scherzhafte Vorhersagung seines Vaters erfüllt, da? die? Kind ein Mozart werden würde, weil es einst weinend in den Ton stimmte, aus dem der Vater eben auf dem Fortepiano spielte. Offenbar lebt der Geist seines Vaters in ihm: aber dem Sohne fehlt eine so bildende Vaterhand, wie diejenige war, die das Genie des Vaters so trefflich leitete und entwickelte.
M?ge der hoffnungsvolle Sohn in dem Bestreben nach Vollkommenheit nicht ermüden, und so wie er der Erbe des v?terlichen Talentes ist, auch seinen rastlosen Flei? in dem Studium gro?er Meister geerbt haben! Nur dadurch geht der Weg zum wahren Ruhme! Der ?ltere Sohn Karl ist gegenw?rtig in Mayland und macht ebenfalls gro?e Fortschritte in der Tonkunst.
In B?hmen war Mozarts Kunstvollkommenheit noch bey seinem Leben allgemein anerkannt und nach Werth gesch?tzt: aber er lebte zu kurz, um die wahre Blüthezeit seines Ruhmes zu sehen. Selbst in Wien seinem Wohnorte waren es nur Kenner, die seinem Genie Gerechtigkeit widerfahren lie?en. Der Zauberfl?te, wovon Mozart die ersten Vorstellungen und folglich auch den au?erordentlichen Beyfall noch erlebte, war es vorbehalten seine Gr??e dem Auslande zu verkünden. Durch die? Meisterwerk begeistert suchte man seine übrigen Werke auf, studierte sie und empfand ihre Sch?nheit, und so ward der Name Mozart bald in der ganzen gebildeten Welt gefeyert, seine Ges?nge die Lust jegliches Ohres!
Die? erfuhr seine Wittwe auf ihrer Reise durch Deutschland, die sie im J. 1796 unternommen hatte. Ueberall sah sie zu ihrer innigsten Wonne, wie gern die Teutschen wahres Verdienst erkennen und ehren, und wie tief Mozarts Ges?nge auf ihre Herzen gewirket haben.
Bey ihrem Aufenthalte zu Berlin im Febr. 1796 gab der h?chstselige Wilhelm II., dieser vortreffliche Freund der Tonkunst, und der ganze k?nigl. Hof ausgezeichnete Beweise seiner Liebe und Achtung für das Genie Mozarts. Durch ein gn?diges Handbillet ward ihr blos aus Rücksicht auf die Talente ihres Mannes das k?nigl. Theater und die Kapelle zum Gebrauche für ihr Konzert überlassen; und ihre Unternehmung wurde nicht nur von dem Monarchen, sondern auch von dem ganzen Publikum auf das gro?müthigste unterstützt. Ueber alle Beschreibung gro? und rührend war die Wirkung, welche die Aufführung der Singstücke aus der Oper: La Clemenza di Tito bey dem Konzerte auf den K?nig, und das so ungew?hnlich zahlreich versammelte Publikum machte. Alles war gleich begeistert, die gro?en S?nger, das vortreffliche Orchester und die Zuh?rer. Der Geist des verewigten Künstlers, (so drückt sich ein Berliner Wochenblatt aus, worinn die Akademie sehr interessant beschrieben wurde) schien über der Versammlung zu schweben, als zum Anfange die Sinfonie aus der Zauberfl?te von dem Orchester so meisterhaft vorgetragen, eine feyerliche, einweihende Stille hervorbrachte. Das Handbillet worinn der K?nig von Preu?en einen so rühmlichen Beweis seines guten Geschmackes und der Achtung für teutsches Talent gegeben, lautet w?rtlich so:
?Sr. K?nigliche Majest?t von Preu?en etc. etc. machen sich ein wahres Vergnügen, durch die Gew?hrung des Wunsches der Wittwe Mozart zu beweisen, wie sehr Sie das Talent ihres verstorbenen Mannes gesch?tzt und die ungünstigen Umst?nde bedauert haben, welche ihm die Früchte seiner Werke einzuerndten verhinderten. Allerh?chst dieselben bewilligen der Wittwe Mozart zur Ausführung dessen letzter Komposition, La Clemenza di Tito das gro?e Opernhaus, so wie Dero eigenes Orchester, haben auch dieserhalb die n?thigen Befehle an den Kammerherrn Freyherrn von der Reck erlassen, an welchen sich selbige nunmehr zu wenden hat, und wegen des hiezu zu bestimmenden Tages und wegen des übrigen Details mit ihm sich geh?rig zu besprechen. Berlin den 14ten Februar 1796.?
Fr. Wilhelm.
Selbst der Italiener seit Jahrhunderten im unbestrittenem Besitze des Meisterrechtes der Tonkunst überwand seinen Nationalstolz, und erkennt nun Mozarts Ueberlegenheit in der Musik an. Seine Opern werden in Rom, Mayland und andern St?dten mit Beyfall gegeben; die Klaviersachen von jedermann gespielt; Meister studiren seine Partituren.
Noch früher hat Frankreich seiner Kunst gehuldiget. Der Beyfall den die Mysterien der Isis (Zauberfl?te) in Paris erhielten ist ein Beweis davon. Don Juan machte kein so gro?es Glück; aber die? war, wie alle Nachrichten einstimmig aussagten, die Folge der schlechten Darstellung des Stückes. Denn der hohe Werth der Musik selbst wurde vollkommen anerkannt. Seine Sinfonien, Klavierkonzerte, Quartetten werden allgemein bewundert, h?ufig gespielt, und im Stich und Druck ohne Aufh?ren neu aufgelegt.
England, welches deutsches Tonkünstlerverdienst von jeher sch?tzte und lohnte, kennt und bewundert auch Mozarts allgewaltigen Geist. Die Seelenmesse ward in London ?fter mit dem gr??ten Beyfalle aufgeführt; der Absatz seiner Werke, die bey Breitkopf und H?rtel herausgekommen, ist nach England eben so stark, als in Deutschland und Frankreich.
Wo giebt es überhaupt Kenner und Liebhaber der sü?esten der Künste, wo nicht Mozarts T?ne t?nten und jedes Ohr entzückten? Selbst in den entferntesten Welttheilen, wohin kaum der Name der berühmtesten Europ?er dringt, wiederhallen seine Harmonien. In den philippinischen Inseln, (schreibt unser Landsmann, der bekannte Botaniker H?nke) werden seine Werke mit Entzücken geh?rt.
Fu?noten:
[4] Anmerkung: Diese Reise nach Paris gab der Welt die gro?e Sinfonie in D. die deshalb und ihres raschen Feuers wegen, die franz?sische hei?t.
[5] Vorzüglich der verehrte Herr Duscheck, Kucharz, Praupner, Johann Kozeluch, (nicht Leopold der in Wien lebt,) die beyden Loschek, Maschek, Caj. Vogel, Wenzel, Weber, R?sler, Witassek, Tomaschek u. a. m.
[6] Der Verfasser las den Brief im Original, und fand ihn sehr gut geschrieben.
[7] Er unternahm sie im Frühjahr des Jahrs 1789.
[8] Mozart bearbeitete für ihn H?ndels Acis und Galathea, Messias, Cecilia, und das Fest des Alexanders in den Jahren 1788, 89, 90.
[9] Der Verfasser erz?hlt die Begebenheit, wie er sie oftmals aus dem Munde der Wittwe geh?rt hatte, und überl??t es jedem Leser Betrachtungen darüber anzustellen. Er sah eines der Billette, die der unbekannte Besteller an Mozart schrieb. Man kann daraus nichts Besonders abnehmen. Es ist sehr kurz, Mozart wird darinn ersucht das Requiem zu senden, und eine Summe zu bestimmen, um welche er j?hrlich eine gewisse Anzahl Quartetten machen k?nnte. Warum hat der unbekannte Verehrer der Talente Mozarts, (so nannte er sich,) für gut gefunden verborgen zu bleiben? Was ist mit dem Requiem geschehen? Man erfuhr nie, da? es damals irgendwo aufgeführt worden sey. Mozarts Freunden würde es ein gro?es Vergnügen machen, einigen Aufschlu? über die Sache zu erhalten. Denn man kann keine gegründete Ursache denken, die eine solche geheimni?volle Verborgenheit nothwendig machte.
[10] Dieser als Künstler und Mensch gleich verehrungswürdige Mann ist im Jahr 1798 im Dezember gestorben.