Das Wort ?wissenschaftlich" wird im Zusammenhang mit Kinematographie geflissentlich mi?braucht. Man bezeichnet frischweg jeden Film nach Naturvorg?ngen als ?wissenschaftlich". Für alle andern bleibt ja das sch?ne Schildchen ?künstlerisch". In Wirklichkeit kann von ?wissenschaftlicher" Kinematographie im strengen Sinne nur da gesprochen werden, wo diese Technik - wie etwa das Mikroskop - der Forschung neue M?glichkeiten er?ffnet, also etwa gestattet, Dinge zu beobachten, deren man ohne sie nicht habhaft werden konnte, oder alte in solcher Weise, die vorher nicht m?glich war.
Erst im weitern Sinne lassen sich Filme als wissenschaftlich bezeichnen, die alle Anforderungen erfüllen, um wenigstens als Hilfsmittel im auf wissenschaftliche Ziele gerichteten Unterricht verwendet werden zu k?nnen. Beides gilt von den bisher geschaffenen erdkundlichen Filmen nur ausnahmsweise, und wir wollen kurz untersuchen, wie weit die Kinematographie überhaupt für wissenschaftliche Zwecke brauchbar sein mag, und welche Anforderungen in diesem Falle an sie gestellt werden müssen.
Zun?chst als Forschungsmittel im strengen Sinne kommt sie in zweierlei Hinsicht in Betracht. Erstens für die Erdgeschichtswissenschaft, insofern sie erdkundliche Erscheinungen, die der Ver?nderung oder dem Vergehen ausgesetzt sind, dauernd festh?lt und dadurch auch sp?tern Forschern und Geschlechtern die Untersuchung und Vergleichung erm?glicht. So stellte sich z. B. heraus, da? der Geiserfilm, den ich schon erw?hnte (Neuseel?ndische Geiser, Urban-Eclipse), gerade dadurch einen au?erordentlichen Wert hatte, da? er eine interessante, inzwischen aber verschwundene Naturerscheinung - vielleicht die gro?artigste ihrer Art - festhielt.3) Dergleichen Gegenst?nde würden sich in der Welt viel finden, aber nicht blo? auf dem Gebiete der Superlative, der ?gro?artigsten" usw., sondern mehr noch unter unscheinbaren Naturerscheinungen. Hier berühren sich die Interessen der Wissenschaft mit solchen der Allgemeinheit, für die erfreulicherweise das Verst?ndnis mehr und mehr um sich greift: denen des Naturschutzes, und wo der nicht mehr m?glich ist, der Erhaltung von Naturdenkm?lern wenigstens im Bilde. Die Natur- und Heimatschutzgesellschaften seien an dieser Stelle besonders auf das Hilfsmittel der Kinematographie im genannten Sinne wie auch zur Werbung für ihre Bestrebungen aufmerksam gemacht. Wenn z. B. jetzt der Gedanke, gro?e Naturschutzparks nicht nur in der engern Heimat, sondern eben in der ganzen Welt, vor allem in den Kolonien, anzulegen und im ursprünglichen Zustande zu erhalten, Gestalt gewinnt, so sollte man das Interesse dafür aufrufen durch Bewegungsbilder der betreffenden Gegenden, denen andere von bereits als unrettbar erkannten Gegenden wirksam an die Seite gestellt werden k?nnten. Besonders kommt dieses Sammeln von kinematographischen Naturdenkm?lerabbildungen für die Gebiete der Pflanzen-, Tier- und Menschengeographie in Betracht. Man vergleiche die ergreifenden Darstellungen, mit denen Paasche im ?Vortrupp" und an andern Orten die denkende Menschheit auf die entsetzliche Ver?dung der Natur gerade in bis dahin ?jungfr?ulichen" Jagdgründen aufmerksam machen will, und lese da nach, wieviel der pr?chtigsten und bezeichnendsten Tierarten - Elefanten, Wale usw. - bereits dem Aussterben nahe sind. Ganz besonders denken wir hier natürlich auch an die Menschenkunde im weitesten Sinne des Wortes (Ethnographie), Rassen-, Volkskunde einschlie?lich urwüchsiger Bauarten, Industrien, Trachten usw. Hier handelt es sich ja ebenfalls leider h?ufig genug schon um unabwendbares Aussterben; überall aber liegt ein st?ndiger, oft langsamer, oft sehr pl?tzlicher Wandel der Erscheinungen vor. Diesen entwicklungsgeschichtlichen Wandel sowohl im Drum und Dran wie auf k?rperlichem Gebiete kann die Kinematographie in hervorragender, oft in einziger Weise der Forschung der Nachwelt vor Augen halten. Endlich kommt die Festhaltung einzelner Naturschauspiele, z. B. des Ausbruchs und Werdens neuer Vulkane, in Betracht, zu deren Aufnahme freilich meistens Zufallsglück geh?rt. Es w?re eine planm??ige Aufnahme m?glichst vieler derartiger Naturdenkm?ler über die ganze Welt zu befürworten. Für diese Aufnahmen mü?ten dann natürlich Sammlungen (Archive) angelegt werden, deren Inhalt nicht durch zeitgen?ssische Vorführungen gef?hrdet und im Wert gemindert werden dürfte. Ein solches Unternehmen w?re, wie unten nachzuweisen, durchaus kostenlos durchzuführen.
Aufmerksam mu? ich aber auch hier darauf machen, da? derartige Filme, richtig hergestellt, einen ganz unsch?tzbaren, mit der Zeit ungeheuer steigenden Sammlerwert haben würden. Es würde also keineswegs eine tote Geldanlage sein. über Filme als Sammlergegenstand beabsichtige ich mich, im ?Buch vom Kino" weiter auszulassen.
Die zweite Eigenart, durch die die Kinematographie für die Forschung unmittelbaren Wert hat, liegt in der M?glichkeit, die Aufnahmen zu Messungszwecken zu verwenden. Der Film zerlegt jede Bewegungseinheit in eine gro?e Menge einzelner Teile, deren Zeitabstand voneinander genau bemessen ist, und - die zur genauen Nachbestimmung standhalten. Sie erlauben daher, Bewegungen zu untersuchen, die in der Wirklichkeit zu flüchtig oder vereinzelt, oder auch zu klein und kurz sind, um mit den Sinnen aufgefa?t zu werden. Dadurch wird der Wissenschaft geradezu ein neues Bet?tigungsgebiet erschlossen, welches ich Rhythmologie benennen m?chte: die Erforschung der Zeitgesetze in den freien Bewegungserscheinungen der Natur. Sie ist z. B. betreffs der Wellenbewegung im Meere, des Aufschlagens bestimmter Wellen an Flu?ufer usw. schon versucht worden, aber es standen keine andern Hilfsmittel zur Verfügung als Uhr und Hand und etwa Instrumente, die jedenfalls kein best?ndiges (kontinuierliches) Bild der Erscheinungen boten. über den Wert einer solchen Forschung brauche ich dem Gebildeten kein Wort zu sagen.
Endlich das dritte kinematographische Forschungshilfsmittel, dem vorigen verwandt, wenn auch schon mehr auf das Gebiet der Lehr- und Veranschaulichungshilfsmittel hinüberweisend, ist die Aufnahme unter künstlich ver?nderten Bedingungen. So ist es vor allem m?glich, Ver?nderungen, die sich in Wirklichkeit über l?ngere Zeitr?ume erstrecken, in wenige Minuten zusammenzudr?ngen und dadurch ebenfalls wieder ihre Einheit und ihren Rhythmus sinnenf?llig zu machen. Wenn auch dergleichen wohl mehr für andere Naturwissenschaften in Betracht kommt, so gibt es doch auch Gelegenheiten, wo es für die Erdkunde in Betracht kommt, und wenigstens vielen bequeme Beobachtungen erm?glicht, die - etwa wie die t?glichen Meeresgezeiten, die j?hrlichen Gletscherschwankungen, allm?hliche Verwitterungsvorg?nge - sonst nur vereinzelt ungenau, mühsam und mit unverh?ltnism??igem Aufwand gemacht werden k?nnten.
Ganz allgemein bildet der Kino eins der wertvollsten Hilfsmittel des Forschungsreisenden, dem sie eine bequeme, dokumentarisch getreue und dauernde Einheimsung seiner Beobachtungen, ihre schnelle überführung in die Stoffmenge der Forschung erm?glicht und zugleich unter Umst?nden ein unwiderlegliches Beweismittel seiner Erfolge und Behauptungen gibt. Wir wollen hier sogleich die Frage behandeln, auf welche Weise sich der Gebrauch dieses Hilfsmittels praktisch durchführen l??t. Es kommen hier namentlich zwei Schwierigkeiten in Betracht: die Belastung des Gep?cks und die Kostenfrage. Die Technik der Kinoaufnahmen kann kein Hindernis bieten; sie ist im allgemeinen sehr einfach und leicht. Eine kurze gute Einführung darin bietet Liesegangs ?Lichtbild- und Kinotechnik" (Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 1), ausführlich desselben Verfassers ?Handbuch der Kinematographie" (Düsseldorf, 8 M) und andere. über die allgemein zu beobachtenden Ma?regeln vgl. mein ?Kino und Kunst".
Der im Gro?betrieb übliche Aufnahmekino, wie er von zahlreichen Firmen hergestellt wird, bildet mit dem n?tigen schweren Fu? (Stativ) und allem Zubeh?r allerdings eine betr?chtliche Last, zu deren Bew?ltigung auf l?ngere M?rsche mehrere Tr?ger abwechseln müssen. Dennoch kommt er in erster Linie in Betracht, da er doch wohl nicht nur allein die für die unvermeidliche Inanspruchnahme durch Bef?rderung usw. n?tige Festigkeit und Derbheit besitzt, sondern auch allein die Filme liefert, deren Format und Durchl?cherung den allgemein in Kinotheatern usw. verbreiteten Vorführungsapparaten entspricht. Diese sind aber wieder für die Vorführung in gro?en R?umen notwendig. Auf der M?glichkeit aber, die aufgenommenen Bilder wenigstens zum Teil von den Kinotheatern und in Vereinsvorführungen usw. gesch?ftlich zu verwerten, beruht aber haupts?chlich die vorteilhafte Erledigung der Kostenfrage. - Es gibt aber auch mittlere und kleinere Aufnahme- und Vorführungsapparate, die erstern ?Schul"-, die letztern ?Salon"-Kinematographen genannt. Diese haben den Vorzug, sehr viel handlicher zu sein, besonders die letztern, die kaum das Gewicht einer 9 × 12-Kamera ausmachen, und deren Stativ natürlich ebenfalls leichter sein kann. Die Bilder dieser Apparate genügen bei richtiger Behandlung durchaus den meisten, auch wissenschaftlichen Zwecken, nur lassen sich die Bilder nicht so gro? und daher nicht in sehr gro?en S?len projizieren. Die Filme sind n?mlich nur von etwa halber Breite und die Bildchen von halber H?he der im Gro?betrieb üblichen, und die Durchl?cherung ist anders angeordnet. Dadurch sind sie schwieriger und jedenfalls nur ausnahmsweise in Kinotheatern usw. unterzubringen. Dadurch, da? man sie auch sonst nur in kleinern Kreisen zeigen kann, lassen sie sich auch finanziell nicht so verwerten, ein übelstand, dem allerdings die bedeutende Film- und Behandlungsersparnis gegenübersteht. In der Kleinheit liegt aber noch ein weiterer Nachteil: die Einzelheiten kommen nicht so heraus, die Unterscheidungsgrenze liegt um die H?lfte tiefer als bei Normalfilmen, und wenn man sie auf gleiches Format zu projizieren versucht, so tritt das photographische Korn st?rend in die Erscheinung. Der gr??te Mangel ist aber wohl der, da? die Kassetten, die diesen Apparaten angeh?ngt werden, nur kurze Filme zu fassen verm?gen. Bei l?ngern würde die ungleiche Abwicklung infolge der unverh?ltnism??igen Verminderung des Umfangs der Filmrolle auch Ungleichm??igkeit des Aufnahmezeitma?es zur Folge haben. (Ausführlich gedenke ich die Frage der Liebhaber-Kinematographie in meiner Schrift ?Das Buch vom Kino" zu behandeln.) Neuerdings sind aber auch eine ganze Reihe von Apparaten mittleren Umfangs und Gewichts geschaffen worden, die für ?Normalfilme" eingerichtet sind, und übrigens l??t die lebhafte T?tigkeit hinter den Kulissen der Apparate-Fabriken auf diesem Gebiete darauf schlie?en, da? hier bald Vollkommenes zutage treten wird.
Wichtig ist die Kostenfrage. Sie kann indessen nicht ernstlich schrecken, wenn man sich überlegt, da? zwar jedes einzelne Meter Rohfilm 1 M kostet (ein 5 Minuten laufender Normalfilm ist ungef?hr 100 Meter lang), für ein Negativ und ein Positiv also ohne die Behandlungskosten und Verpfuschtes, Abfall usw. 2 M (im gro?en wird es etwas billiger), da? aber auf der andern Seite der fertige Film, wenn er gelungen ist, einen gro?en unmittelbaren und einen gr??ern Zukunftswert besitzt. Von dem Zukunftswert wissenschaftlicher Filme haben wir gesprochen. Es wird leicht einzuführen sein, ihn durch die Anregung des Sammeltriebes verm?gender Privater und interessierter K?rperschaften (Gemeinde, Staat usw.) unmittelbar zu verwirklichen. Noch gewisser und leichter ist der Weg, wenigstens Teile guter derartiger Aufnahmen der ?ffentlichen Benutzung, dem Turnus der Kinotheater usw. zur Verfügung zu stellen. Naturgem?? werden Forscheraufnahmen sowieso ein bedeutend gr??eres Interesse selbst für die breite ?ffentlichkeit haben als gew?hnliche Operateuraufnahmen, die ja meistens von der Heerstra?e stammen. Dieses Interesse wird sich durch geeignete Behandlung bei der Vorführung wesentlich steigern lassen, und die lebhafte Kinoreformbewegung wird ein übriges dazu tun. Eine Aufnahme aber, die erst mal die Runde durch die Kinotheater der Welt gemacht hat, hat sich selber und viele andere reichlich bezahlt gemacht. Hier ist also der Weg für Forscher, wissenschaftliche Institute und Sammlungen gegeben, kostenlos, ja mit überschu?, sich das Wertvollste zuzulegen. In welcher Weise das im einzelnen geschehen k?nnte, darüber werde ich im Abschnitt ?Kinogesundung" sprechen. Hier will ich nur hinzufügen, da? an ein Kostenhereinbringen auf dem Wege von Einzelvorführungen wohl in keinem Falle zu denken ist. Nur berührt sei, da? auf Forschungsreisen selbst durch gelegentliche Vorführung von eignen und fremden Aufnahmen dem Unternehmenden manche Gelegenheit ge?ffnet, mancher Nutzen geschaffen werden, und n?tigenfalls auch eine unmittelbare finanzielle Erleichterung entstehen kann.
über Nutzen, Verwendung und Berechtigung der Kinematographie für den wissenschaftlichen Unterricht, also an Hochschulen, Handels-, Kolonial- usw. Schulen, brauche ich mich kaum noch beweisend zu verbreiten. Wenn dagegen hier und da noch Vorurteile bestehen m?gen, so liegen sie meines Erachtens nur in der ungenügenden Beschaffenheit und der Kostspieligkeit und besonders der Schwierigkeit der Erlangung genügenden Filmstoffes. Die Anschaffung von Apparaten und Einrichtungen lohnt natürlich nicht, solange nur wenige unvollkommene Filme in Betracht kommen, und jeder Beflissene diese ebensogut im n?chsten Kinotheater sehen kann. Das wird ja ganz anders werden, sobald Aufnahmen von Wissenschaftlern selbst in reichlicher Menge zur Verfügung stehen. über die zurzeit herrschende Schwierigkeit der Beschaffung erdkundlicher Filme und ihre Behebung spreche ich an anderer Stelle. Hier aber ist der Ort, über die notwendige Beschaffenheit wissenschaftlich brauchbarer Filme zu sprechen, und wir kommen damit zu dem Gegenstand: erdkundliche Filmaufnahmen. Für sie gelten die allgemeinen, im erh?hten Grade all die Vorschriften, die ich in meiner Schrift ?Kino und Kunst" als unerl??lich für ?kunstgerechte", d. h. einfach sachgem??e und wohldurchdachte Aufnahmen ausführlich behandelt habe. Wir wollen sie hier unter unserm besondern Gesichtspunkte abermals durchnehmen.
Für Kinoaufnahmen kommen naturgem?? diejenigen Gegenst?nde vornehmlich in Betracht, in denen die Bewegung irgendeine wichtige sachliche oder ?sthetische Rolle spielt, soweit der Film imstande ist, sie deutlich und richtig wiederzugeben. Vielleicht gibt es da kein Gebiet der Erdkunde, das gar nicht in Betracht k?me, aber doch einige ganz vorwiegend. Die Erde als Weltk?rper, also in ihren Beziehungen zum Raum und zu den Gestirnen, bietet unmittelbar nur wenig Stoff für uns, ebenso als Gegenstand der Messung und Teilung. Für die Erdgeschichte sind vorwiegend Archivaufnahmen wichtig, auf die wir hingewiesen haben. Au?erdem sind eine Menge allt?glicher Vorg?nge erdgeschichtliche Entwicklungen im kleinen, so die unmittelbare Beobachtung eines Sturzregens und seiner geologischen Folgen, die Beobachtung von Lawinen, Gletscherbewegungen usw. Ferner k?nnen wir hierher Erdbebenerscheinungen, Vulkanausbrüche und Verwandtes rechnen, dessen kinematographische Festhaltung von gr??tem Werte w?re. Hieran schlie?t sich die Meteorologie: Wetter- und Klimavorg?nge und andere atmosph?rische Erscheinungen. Ich m?chte hier deutlich dem etwaigen Vorurteil entgegentreten, als ob atmosph?rische Bildungen für den Kinematographen zu fein w?ren. Sie lassen sich alle, soweit das blo?e Auge sie erkennt, auch kinematographieren, wenn wir auch hier die Farbe als etwas sehr Wesentliches vermissen werden. Zur Veranschaulichung der Oberfl?chengestaltung der Erde, ihrer gro?en Grundformen und ihrer feinen Einzelheiten ist das Bewegungsbild viel berufener und n?tiger, als man zun?chst angesichts der Bewegungslosigkeit des festen Landes denkt. Denn erstens regt es sich und lebt überall in der Welt, selbst in der Wüste, und je ruhiger der Hauptgegenstand, desto feiner und für das Ganze bezeichnender und unentbehrlicher sind die kleinen Bewegungen - das Hinhuschen einer Eidechse, das Hinhauchen einer Staubwolke usw. Zweitens aber bewegt sich, wo die Erde regungslos ist, doch auf ihr das Licht und zaubert durch sein Spiel geheimnisvolles Leben. Dasjenige aber, was fast überall die Welt belebt, und vielleicht der gewaltigste Gegenstand der Kinematographie ist das Wasser in allen seinen Formen. Ob es als Salzlake überm Wüstenboden blinkt, als B?chlein rieselt, als Flu? str?mt, als Wasserfall herniederbraust, als Meer blinkt, kr?uselt, brandet oder tobt, ob es als Regen oder Schnee herniederf?llt, als Eis funkelt oder als Nebel gl?nzt und wallt - in all seinen Formen ist es unersch?pflich sch?n, unergründlich gesetzm??ig, voll unendlicher Aufgaben für den Forscher, voll Lehren für den Schüler, der gro?e Gestalter und Maler des Erdballs. Wenig einzelnes habe ich zu sagen über die Pflanzen-, Tier- und Menschengeographie. Mit den genannten Dingen tritt ja das Leben selbst, die vom Geiste beherrschte Bewegung auf die erdkundliche Bühne, und hier versagt jeder Versuch, das dem Kinematographen Zug?ngliche auch nur in seinen Grundzügen aufzuz?hlen. An Stoff fehlt es hier nicht, aber nicht der Stoff, sondern nur die Art der Aufnahme macht den erdkundlichen wie den allgemeinen Wert des Bildes aus.
Abermals mu? ich hier, und zwar in der nachdrücklichsten Weise, bitten, meine Schrift ?Kino und Kunst" zur Erg?nzung heranzuziehen, denn ohne die gro?en allgemeinen Zusammenh?nge und Gesichtspunkte, die dort ausführlich behandelt werden, sind die nachfolgenden Sonderangaben nicht voll zu verstehen. Vollendete Kinokunst - und jede Aufnahme ist ein Stück Kunst, d. h. freie menschliche H?chstbet?tigung im Rahmen des technisch und zwecklich Angezeigten, oder sie ist gar nichts -; vollendete Kinokunst l??t sich nicht durch Befolgung einzelner Vorschriften lernen, sondern nur aus Erfassung des Geistes der Sache heraus. Auch kann ich mich hier über die Technik im engern Sinne nicht auslassen, obgleich ihre meisterhafte Anwendung natürlich die Hauptbedingung für den Sachwert des Bildes ist.
Noch mehr wie sonst gilt auf dem Gebiete erd- und menschenkundlicher Bewegungsaufnahmen, da? ihr Wert einzig und allein in der unverf?lschten, dokumentarisch genauen Wirklichkeitswiedergabe beruht. Und zwar wollen wir die unbelauschte Wirklichkeit beobachten, nicht - den Eindruck, den Apparat und Aufnahme auf die Welt gemacht haben. Erde, Wasser, Luft und B?ume lassen sich ja dadurch nicht beirren; Tiere aber mu? man in den meisten F?llen durch oft sehr schlaue Mittel und vor allem genaue Vorerforschung ihrer Gewohnheiten und - Geduld belauern und t?uschen. Dafür ist eine wohlgelungene Landschaftsaufnahme mit tierischer Staffage auch vielleicht das Bild, das das meiste Entzücken und die h?chste Bewunderung hervorruft, vor allem aber auch eine wirkliche H?henleistung der Kinokunst, und von au?erordentlichem Sachwert. Jeder erinnert sich ja an die wunderbaren Tieraufnahmen von Kearton. Gewi? hat aber auch jeder Kinobesucher mit einem peinlichen Nebengefühl bemerkt, da? fast alle derartigen Aufnahmen in künstlicher Umgebung, besonders in t?uschend ausgestatteten zoologischen G?rten (Hagenbeck) gemacht worden sind. Solche Bilder haben so gut wie gar keinen wissenschaftlichen und sehr geringen Lehrwert, und kinematographisch sind es keine Leistungen. Auch die Zuhilfenahme von künstlichem K?der, versteckten Zutreibern, Magnesiumlicht usw. entspricht nicht dem Geiste des Kinos, denn alles das bringt unwirkliche, unnatürliche Züge hinein. Noch schwieriger fast als die natürliche Aufnahme von Tierbildern ist die von Menschen. Das unersch?pfliche Stoffgebiet der V?lkerkunde und Menschengeographie wird bedeutend eingeengt durch die Sonderbarkeit jedes Menschenwesens, sich vor dem Apparat anders als natürlich zu geben. Fast auf allen derartigen Bildern gibt es - manchmal mit, meist wider Willen des Aufnehmers - mindestens einige Personen, die die Kamera entdeckt haben, und sich infolgedessen zu gro?er Heiterkeit und zur Zugabe von Extrafaxen verpflichtet fühlen, oder sich pl?tzlich erinnern, da? der Mensch eigentlich seine Beine und Arme ganz anders gebrauchen mü?te, als er es unbeobachtet tut, oder die aus Schüchternheit, ja gar aus Furcht - ausrei?en. Die Aufnahme von Menschenszenen ist nicht nur eine technische, sondern vor allen Dingen eine ganz bedeutende - seelenkundliche Leistung. Es wird sich in vielen F?llen empfehlen, den Aufnahmezweck und -vorgang nicht zu verhehlen, da eben doch die Aufnehmenden dabei selber zuviel bewu?t mittun müssen - sie müssen innerhalb eines bestimmten Gesichtskreises bleiben usw. -, und da eben eine zuf?llige Entdeckung der Sache den gr??ten Schaden stiftet. Der sichere Weg ist in solchen F?llen wohl der, den jeder einschlagen mu?, der volkskundlichen Stoff einsammeln will: sich erst so das Vertrauen der Leute gewinnen und sie dabei so weit in das Verst?ndnis einführen, auch ihr eignes Interesse anregen, da? der Sache für sie das Befremdende genommen wird, und sie, n?tigenfalls durch Vorproben, Befangenheitsfehler ablegen lernen. Da? auch dann noch das Unternehmen die gr??te Menschenkenntnis und geistige überlegenheit, überdies sehr viel Umsicht und übung erfordert, ist gewi?. Denn: wenn auch das Menschenleben überall interessant ist, wo man hineingreift, so ist es doch nicht überall kinematographisch erfa?bar. Namentlich spielt da ein anderer Umstand, n?mlich die Beleuchtung, eine oft recht unbarmherzige Rolle. Sie mu? man bei derartigen Aufnahmen lange vorher auskundschaften und berechnen.
Nur soweit der Wirklichkeitswert der Aufnahmen dadurch nicht beeinflu?t wird, dürfen wir andere Gesichtspunkte des guten Geschmacks sprechen lassen. Diese sind vor allem: Auswahl des Wesentlichen (das sind hier haupts?chlich Bewegungsvorg?nge, nicht die Gegenst?nde an sich) und, aus geld- und kraftwirtschaftlichen Gründen m?glichste H?ufung desselben - wiederum nur bedingungsweise. Was ich aber besonders hervorheben will, ist die Notwendigkeit, jeder einzelnen Szene die n?tige L?nge zu bewilligen. Sie mu? so lange dauern, da? erstens mindestens eine vollst?ndige Bewegungseinheit darauf kommt. Es sollte ja selbstverst?ndlich sein, da? die Filmparze dem m?henden Bauern nicht gerade dann den Lebensfaden abschneiden darf, wenn er den Arm zum Schwunge erhoben hat, ebenso wie sie ihn nicht mitten in einer T?tigkeit das Licht der Bogenlampe erblicken lassen darf. Wo es sich um systematisch wiederkehrende Bewegungen handelt, müssen diese Rhythmen vollst?ndig und mehreremal zur Anschauung kommen. Ich erinnere mich an eine gro?artige Meeresbrandung: wie rabiate Vorl?ufer kommen lange flache Wellen sch?umend auf Klippen losgerannt und scheinen vor ihnen umzukehren, um sich mit den nachkommenden zu vereinigen. Dann stürzen sie brandend heran ... mittlerweile sieht man hinter ihnen eine der ?Gro?en" sich sammeln, erheben, heranschweben ... sie stürzt brüllend und in Schaumkaskaden zerfetzt, über die Felsen weg. Nach dieser Kraftprobe tritt eine unheimliche Pause ein - da sammelt es sich im Hintergrunde schwarz und m?chtig, b?umt sich ungeheuer auf, den Himmel verdunkelnd, gleitet heran wie ein auf die Hinterbeine geb?umtes Ungeheuer und naht sich so drohend, da? man unwillkürlich die Augen schlie?t - im n?chsten Augenblick ist alles auf der Leinwand ein Chaos. Schaudernd und doch mit einer ?sthetischen Befriedigung, die nur die gr??ten Szenen der reinsten Kunstwerke gew?hren, erleben wir das Kraftschauspiel der Natur. Aber - im selben Moment springt das Bild um, und es erscheint irgendeine andere Szene. Das ist sachlich so falsch wie geschmacklich. Was wir gesehen haben, war eine Wogenperiode - es geh?rt zu ihrem Wesen, da? sie sich im gleichen gelassenen Rhythmus je und je wiederholt: wir müssen das ein paarmal erleben, um es richtig zu erfassen. Aber auch ?sthetisch ist es notwendig, denn unsere Seele ist bis ins Innerste im Banne dieses Schauspiels; es mu? sich ausleben und auswirken, unsere Nerven müssen ihm gegenüber den Halt wiederfinden, und es mu? uns Zeit gelassen werden, uns vollkommen in die Stimmung hineinzuleben. Nur nebenbei bemerke ich, da? es natürlich Barbarismus schlimmster Art ist, nach solcher Szene ohne Pause eine andere folgen zu lassen; es mu? eine Ruhepause folgen. In der üblichen Kinematographie wird aber noch viel schlimmer gegen die Gesetze des Nervenlebens, des Geschmacks und der Sachlichkeit gesündigt. Szenen von zwei bis drei Sekunden sind nicht selten, Szenen von sachgenügender L?nge geradezu eine Ausnahme. Jede Bewegungsszene mu? so lange dauern, bis die über der wildesten Bewegung schwebende heitere Weltruhe wieder im Beschauer zur Herrschaft kommt. Selbst die geringst bewegten Bilder - Wüste, Waldeinsamkeit usw. - ja diese, in denen abgeschlossene Bewegungseinheiten eigentlich fehlen, erst recht, müssen so lange dauern, da? die in ihnen liegende Stimmung deutlich und nachhaltig zum Ausdruck kommt - ganz abgesehen davon, da? vor allem natürlich das Auge Gelegenheit haben mu?, das Dargestellte überhaupt sachlich voll zu erfassen.
Eine weitere Bedingung für die Brauchbarkeit erdkundlicher Aufnahmen in irgendeinem Sinne ist die Besorgung und Beigabe ausführlichen Sachfeststellungs- und Erl?uterungsstoffs. Auch dessen Mangel ist eine Hauptursache für die bisherige verh?ltnism??ige Erfolglosigkeit erdkundlicher Bilder in Kinotheatern und ihre Ablehnung durch wissenschaftliche und Unterrichtsfachleute. Es ist unglaublich, aber wahr, da? es bei den meisten im Handel befindlichen Filmen gar nicht m?glich ist, ihren Inhalt so festzustellen, wie es für das volle Verst?ndnis, ja auch nur dazu n?tig w?re, um zu erfassen, worin eigentlich das Interesse des Bildes liegen soll. In sehr vielen F?llen sind sogar die Bezeichnungen und Inhaltsangaben der Bilder falsch. Von drei Pal?stinafilmen, die ich von drei Firmen erhielt, war je etwa die H?lfte der Teile nicht aus Pal?stina, sondern anderswoher, und zwar handelte es sich dabei nicht um ?hnlichkeiten - da? etwa Oasen aus ?gypten und Palmenhaine aus Arabien ?eingelegt" waren, sondern ein angebliches Jerusalem war in Wirklichkeit einmal Kairo, einmal Damaskus usw.; dabei hatte ich die Bilder pers?nlich von den Ursprungsfirmen geholt, und sie waren für mich zu besonders wichtigem Zwecke gedruckt worden. Jene mehrmals erw?hnten Geiser Neuseelands waren mir als solche von den Fidschiinseln verkauft worden. Es bedurfte im ersten Falle der Mitwirkung des Probstes von Jerusalem, der zuf?llig am Orte war, um die Irrtümer festzustellen, der Durchsicht umfangreicher Literatur, um sie zu berichtigen. Im zweiten Falle habe ich mir mit Fachleuten lange den Kopf zerbrochen, bis wir durch eine wahre Nick-Carter-Arbeit auf das Richtige kamen. Zahlreiche andere, und zwar Glanzfilme jenes erdkundlichen Musterprogramms, die wir teuer bezahlt hatten, mu?ten wegen der Unm?glichkeit, ihren Gegenstand trotz der Beihilfe von Fachleuten festzustellen, ausgemerzt werden, und ich wei? heute noch nicht, was sie bedeuten. Die meisten, die wir brachten, erhielten ihren Wert, ihr brennendes Interesse erst durch Erl?uterungen, die wir den Zuschauern geben konnten, weil wir in monatelanger mühsamer Durchackerung der Literatur diejenigen Hinweise gefunden hatten, von denen die l?cherlichen Begleittexte der Firmen nichts wu?ten. So erhielt der Film ?Flu?fahrt auf dem Avon in Neuseeland" - an sich eine der sch?nsten Aufnahmen, die ich kenne (Urban) - doch sein ich m?chte sagen: pikantes, unmittelbar ergreifendes, nicht nur menschliches, sondern auch erdkundliches Interesse erst dadurch, da? wir die Urgeschichte der Riesen- und Trauerweiden aufst?berten, die an beiden Ufern wogten. (Sie sind Abk?mmlinge eines einzigen Reises vom Grabe Napoleons auf St. Helena, und zugleich ein Musterbeispiel für die Gier, mit der der Boden Neuseelands fremde Einführungen aufgenommen hat.) Diese Beispiele k?nnte ich ins Unendliche vermehren. über die Ursachen dieser M?ngel habe ich mich in ?Kino und Kunst" ausgelassen.
Jede erdkundliche Aufnahme mu? mit ihrem eignen Tagebuch verbunden sein, d. h. es müssen ausführliche Angaben nicht nur über Ort, Datum usw. der Aufnahme, sondern vor allem über ihre Einzelheiten gemacht werden, auch solche, die im Augenblick nebens?chlich oder selbstverst?ndlich erscheinen. Ich würde vorschlagen, zun?chst jedem Negativ einen Aufnahmezettel folgender Art beizugeben (s. S. 39.)
Die Angaben unter A werden vom Aufnehmenden ausgefüllt, die unter B von der entwickelnden Anstalt usw. Den Abschnitten entsprechende Schlu?zeichen und Vermerke werden mit Bleistift auf dem Rohfilm angebracht. Au?erdem aber sind in einem besondern Tagebuch (unter der in Sp. 1 vermerkten Nummer und Wiederholung der Bezeichnung in Sp. 3) genaue Angaben über den Inhalt des Films zu machen, als:
Nr. Bilderreihe: ?Neu-Seeland" A
Aufgenommen von .............
Rohfilm ...............
Apparat ...............
Nr. Tag
Stunde Ort
Gegenstand Personen usw. Blende
Beleuchtung Dauer
Tempo, L?nge Bemerkungen
1. 14. III. 1914
11? v. Geiser ?Wairoa" Hintergrund X......Berg Bedeckt
Bl. 2 40 Sek.
Normal
(etwa 14 m) Dampf und hei?. Wasser, nicht sehr hoch, vorn links flüchtender Mann
2. 14. III. 1914
3 n Geiser ?Feder d. Prinzen v. Wales"
?Prince of Wales Feather" Klar
Bl. 3 70 Sek.
(etwa 25 m) Kennzeichen: mehrere wie ein Federbusch auseinanderfahrende Strahlen, durch Schlamm usw. schattiert
Hierzu: drei Photos
3. 16. III. 1914 Dorf X...... bei Napier Poi-Tanz (N?heres Tageb.) Klar
Bl. 2 30 Sek.
Normal
(etwa 10 m) Anmarsch mit Gesang
4. " " "
Fortsetzung " 40 Sek. Erster Tanz
B
Firma ......
Entwicklung ..............
Nr. Erhalten am Entw. Ergebnis Bem. f. d. Kopie Dauernde Nummer d. Negativs Verbleib Verwendet in
1. 12. IV. 1914 17. IV. 1914 Sehr hell verst?rkt Viragieren 342 N. S. 1316 Serie: Neu-Seeland 1316
Serie: Wasserwunder 227
2. " " Gut - 343 " wie 342
3. " " Gut Virage 344 " Serie: Neu-Seeland 1316
Serie: Volkst?nze 2703
4. " " " " 345 " "
Allgemeiner Sinn und wissenschaftliche Bedeutung der Aufnahme.
Die Namen (nebst Aussprache!) und Kennzeichen aller Einzelheiten der ?rtlichkeit (Berge, Wasser, Ansiedlungen, B?ume, Tiere) und kinematographisch hervorragenden Personen (Name, Stand oder Beruf, T?tigkeit im Bilde, Kennzeichen, Tracht, Waffen usw.).
Verlauf der Szene, Geschehnisse, Bewegungsvorg?nge.
Dabei wahrgenommene, im Bilde nicht wiedererscheinende, daher zu erg?nzende Nebenerscheinungen (Ger?usche, Farben, eventuell Ma?e, Reden, Ausrufe, Liedertexte, Noten usw.) und andere wissenswerte oder wissenschaftlich n?tige oder interessante Einzelheiten.
Es ist einleuchtend, da? erst durch diese gedanklichen Erg?nzungen der Film seinen h?chsten gegenst?ndlichen und eventuell erscheinungsgeschichtlichen Wert erh?lt. Ebenso einleuchtend aber ist es, da? diese Erl?uterungen nur von einem Fachmann, jedenfalls einer dem Gegenstand wissenschaftlich ganz gewachsenen Pers?nlichkeit gegeben werden k?nnen, und zweitens, da? nur selten ein und dieselbe Person das Bild aufnehmen und die n?tigen Beobachtungen und Notizen dazu machen kann. Ja h?ufig werden sich in letztere Arbeit allein mehrere Personen teilen müssen.
Die Unzul?nglichkeit der bisherigen gesch?ftsm??igen erdkundlichen Kinematographie beruht letzten Endes darauf, da? sie zumeist von ganz unberufenen Laien nach reinen Gesch?ftsgesichtspunkten gemacht wird. Die gesch?ftlichen Gesichtspunkte bewirken, da? die meisten Bilder von den gro?en Heerstra?en der Cookweltreisenden gemacht werden, wo sie natürlich selten mehr ein wirkliches Stück natürliche Natur zeigen, sondern fast immer jenes Fremdenindustrieelend, das alles, lebende und tote Dinge, und die Menschen zumeist, auf den Fremdenfang ?frisiert" zeigt. Wer die üblichen Kinobilder daraufhin beobachtet, wird das sehr h?ufig best?tigt finden. Derselbe Beweggrund bewirkt, da? zumeist fade ?Sensationsszenen" unter der Herrschaft superlativer Schlagw?rter (?die gr??ten ... die berühmtesten ... der Welt" usw.) und mit alberner, theaterm??iger Staffage gemacht werden, weil sie so vermeintlich besser ?ziehen". Dasselbe bewirkt die erdkundliche Unbildung der meisten ?Operateure". Sie gehen nicht nach dem, was erdkundlich wichtig und fesselnd ist, sondern nach dem, was sich am tüchtigsten bewegt - und wenn sie mal etwas Wertvolles erwischen, so wissen sie selber nicht warum, und die Sache bekommt dadurch etwas Schiefes. Wenn irgendwo, so ist auf dem Gebiete erdkundlicher Aufnahmen eine enge Verbindung kinematographischer mit wissenschaftlichen Fachleuten im beiderseitigen Interesse geboten. Mit dem ungeheuern Kapital, das von den Firmen in erdkundliche Aufnahmen gesteckt wird, lie?e sich ein Material von unerme?lich sachlichem Werte aufh?ufen, das sich aber auch durch ein zehnfach und hundertfach gesteigertes Interesse der ?ffentlichkeit viel gl?nzender als jetzt verzinsen lie?e. Die gro?en Firmen klagen ja alle, da? sie mit ihren Naturaufnahmen schlechte Gesch?fte machen, da? trotz des gro?en Aufwandes kein rechtes Interesse dafür, am wenigsten bei Fachleuten, aber nicht einmal bei Schulbeh?rden zu erwecken ist. Nun, das liegt einzig und allein an der Unsachgem??heit der Aufnahmen. Ohne ma?gebende Mitwirkung erdkundlicher Fachleute, und zwar Spezialisten, bei der Wahl, Vorbereitung, Ausführung und nachhaltigen Behandlung kann keine erdenkliche Aufnahme von h?herm Werte und wissenschaftlich erzieherischer Brauchbarkeit entstehen. Geographische Fachleute aber k?nnen dadurch, da? sie derartige Aufnahmen machen helfen - aber natürlich nicht als eine ?popul?re" Spielerei, mit der man eigentlich seiner Würde etwas vergibt, und der man nur die Brosamen zugute kommen l??t, die vom Tische ?ernster" Wissenschaft abfallen, sondern mit voller Hingabe und Gewissenhaftigkeit, und nach eingehender schülerm??iger Einübung - nicht nur sich selber und der Wissenschaft manche kühne Hoffnung erfüllen, sondern auch ein tüchtiges Stück Arbeit im Dienste der allgemeinen Bildung, der Ausbreitung erdkundlichen Wissens und des Interesses an und des Verst?ndnisses für diese Wissenschaft tun. Hier liegt der Keim aller Kinogesundung und der Hebel, den Kino zu einem Kultur- und Bildungswerkzeug zu machen, und die Geographen sind die berufenen Mitarbeiter dazu. Es ist keine Schande für sie, in diesem Sinne über den Kreis ihrer engern Fachinteressen hinaus zu blicken.
Besonders m?chte ich hier auch noch auf den Nutzen hinweisen, den beide Teile davon haben k?nnten, wenn sich Kinoleute und Missionare in aller Welt verst?ndigten. Die letzteren sind naturgem?? oft gro?e Kenner der Erd- und V?lkerkunde ihres Gebiets.
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3) Und zwar leider dennoch auf Nimmerwiedersehen! Bei Nachforschung stellte sich heraus, da? das unsch?tzbar wertvolle Negativ nach einer gewissen Anzahl Kopien wie üblich ?vernichtet" worden ist - eine bezeichnende Illustration zum Thema ?Traum und Wirklichkeit in der Kinematographie". Filmarchive!