?Aber woher haben Sie das wunderliche Ding, Baumann?? sagte der Knabe mit blitzenden Augen, denn sein ganzes Interesse war geweckt worden. ?Doch nicht selber gefertigt? Das sieht ja gerade so aus, als ob es schon über hundert Jahre alt w?re.?
?Das ist es auch vielleicht, lieber Baron,? erwiederte der junge Mechanikus, ?und eine nicht ganz werthlose Antiquit?t, die dem alten, reichen Salomon geh?rt.?
?Aber was, um Gottes willen, stellt es vor? Was bezweckt es? All' die vielen R?der, die schwere Kugel dann und die Hebel!?
?Es sollte ein altes Problem l?sen,? l?chelte Baumann, ?das perpetuum mobile.?
?Um vielleicht durch ein perpetuum immobile zu beweisen, da? es auch das Gegentheil geben müsse,? lachte Benno, der seine Krankheit ganz vergessen hatte. ?Wie komisch das ist! Es rührt und regt sich ja gar nicht.?
?Weil es noch nicht in Gang gebracht ist,? erwiederte Baumann; ?wenn das aber geschieht – und wir wollen das gleich einmal thun –, so kann ich Ihnen versichern, da? es ununterbrochen fortl?uft und kein Aufh?ren mehr zu berechnen ist, die Zeit natürlich ausgenommen, wo sich das Material selber abnutzt und die R?der ausgeleiert werden – ein Nachtheil, der allen Menschenwerken anh?ngt, ob er sie nun sp?ter oder früher ereilt.?
?Und wie kommen Sie dazu, Baumann??
?Es war die erste Arbeit, die mir, seit ich mich selbstst?ndig etablirt habe, anvertraut wurde,? sagte der junge Mechanikus, ?und ich glaube, ich habe meine Aufgabe ehrenvoll gel?st, denn der alte Salomon versicherte mir, er h?tte das kleine Werk schon in alle gr??eren St?dte Deutschlands, zu den berühmtesten Arbeitern gesandt, ohne es je reparirt zu bekommen. Die Antwort von Allen habe gelautet, sie wollten lieber etwas Aehnliches neu herstellen, als den Fehler finden, der hier die R?der verhinderte, fortzuarbeiten. Und doch lag das Ganze nur an einer Kleinigkeit, an einem falsch eingesetzten R?dchen, das vielleicht einmal eine ungeschickte Hand beim Reinmachen herausgenommen und, da es Aehnlichkeit mit einem andern hatte, nicht wieder an die rechte Stelle brachte. Das aber st?rte natürlich die Arbeit des ganzen Werkes, weil seine Z?hne etwas weiter aus einander stehen.?
?Und Sie fanden den Fehler??
?Gewi?, und Sie sollen sich jetzt selber überzeugen, wie günstig und glatt es geht. Drei Tage und drei N?chte habe ich es schon bei mir im Zimmer in Gang gehabt; es arbeitet vortrefflich, und ein Ablaufen des R?derwerkes ist, so lange die R?der selber in Ordnung bleiben, gar nicht denkbar.?
Er hatte dabei die Messingkugel auf einen bestimmten Punkt gelegt und lie? sie dort auf einen Hebel fallen; dadurch kam das ganze R?derwerk in Gang, und die Kugel selber wurde langsam, aber in genau abgemessener Weise nach und nach und von Zahn zu Zahn wieder hinauf an ihre alte Stelle gebracht, um ihren Kreislauf dort von Neuem zu beginnen. Jedesmal aber, wenn sie den Punkt erreichte und dann wie vorher ab und auf den Hebel traf, brachte sie das Ganze von Frischem in Gang.
Kathinka, die sich noch im Zimmer befand, hatte der kleinen Maschine, an der sich Benno nicht satt sehen konnte, mit vielem Interesse zugeschaut, aber doch dabei manchmal aus dem Fenster gehorcht, denn es war ihr fast, als ob sie unten die scharfe, keifende Stimme des Fr?uleins von Wendelsheim h?rte. Was war da wieder vorgefallen – und sicher trug wieder der Baron Bruno daran die Schuld, der eben dort zum Thore hinaussprengte, oder hatte wenigstens die Ursache gegeben. Sollte sie selber jetzt hinuntergehen? Es war wohl besser, sie wartete noch eine kurze Zeit, bis der Sturm ein wenig ausgetobt; sie mochte der ?Tante? nicht muthwillig in den Weg laufen.
Eine Viertelstunde verging noch so, und Benno konnte nicht müde werden, das kleine Kunstwerk zu beobachten, das, freilich immer nur eine Spielerei, doch dem Verfertiger alle Ehre machte, als pl?tzlich die Thür rasch ge?ffnet wurde und Tante Aurelia einen Blick in's Zimmer warf.
?So,? rief sie dabei, ?und Du sitzest noch hier, die H?nde im Schoo?, und wei?t gar nicht, da? unten Alles auf dem Kopfe steht? Und Benno soll seinen Thee wohl ebenfalls kalt trinken, Mamsell, heh? Haben wir Dich deshalb in's Haus genommen und die langen Jahre gefüttert, um nur eine Hofdame aus Dir zu machen, die sich Morgens in Staat wirft und dann den ganzen Tag spazieren geht??
?Ich wu?te nicht, da? es schon so sp?t war,? sagte Kathinka schüchtern und glitt an der Zornigen vorbei aus der Thür, w?hrend die Tante ihr nachzankte: ?Und wozu hast Du Deine Augen, als Dich selber darum zu bekümmern und nach der Uhr zu sehen, Du nachl?ssiges Ding Du! Den jungen Leuten nachlaufen, ja, das kann sie, aber zu sonst ist sie auf der Gotteswelt nichts nutz, und ich erlebe doch hoffentlich auch noch die Zeit, wo wir die Bürde hier vom Halse los werden!?
Kathinka hatte wahrscheinlich nicht die H?lfte der harten Worte mehr geh?rt, denn sie war in Schreck und Scham die Treppe hinabgesprungen. Benno aber, als sie die Thür wieder schlo?, jedenfalls um ihr nachzugehen und ihre Strafpredigt fortzusetzen, seufzte recht tief auf und sagte traurig: ?Das arme, arme M?dchen! Sie ist so gut und brav, arbeitet von früh bis sp?t und pflegt mich, wie es eine Mutter nicht besser k?nnte, und nie ist die Tante mit ihr zufrieden; immer und ewig zankt sie und macht ihr unser Haus zu einer H?lle. O, da? ich nur gesund w?re und ihr beistehen k?nnte! Aber wenn ich nur laut reden will, sticht es mich hier so in der Brust, und ich mu? dann stundenlang regungslos auf meinem Kissen liegen.?
?Ich glaube,? sagte Baumann leise, ?das gn?dige Fr?ulein Tante zankt mit Jedermann und braucht t?glich einen gesunden Skandal, um sich bei frischen Kr?ften zu erhalten. Es ist auch so eine Art perpetuum mobile, das ich aber, aufrichtig gesagt, lieber nicht repariren m?chte, wenn es einmal aufh?ren sollte zu arbeiten.?
?Sie haben recht, Baumann,? l?chelte Benno, ?und ihre Zunge ist die Kugel, die stets auf's Neue das ganze R?derwerk in Bewegung setzt, denn schon nach den ersten Worten arbeitet sie sich selber in die gr??te Aufregung hinein. Nur mit mir zankt sie nicht, so gern sie es auch manchmal m?chte, und da? Sie mich besuchen, scheint ihr auch nicht angenehm zu sein.?
?Ich habe wenigstens noch nie einen freundlichen Blick oder Gru? von ihr bekommen.?
?Dessen k?nnen sich überhaupt nur wenig Menschen rühmen,? seufzte Benno. ?O, warum sich und Anderen das Leben so schwer machen! Es ist doch so sch?n und, ach, so kurz!?
Kathinka trat herein und brachte den Thee, setzte ihn aber nur auf den Tisch und verlie? augenblicklich das Zimmer wieder. Sie hatte rothgeweinte Augen und wollte die wahrscheinlich nicht vor den jungen Leuten sehen lassen.
Baumann's Blick haftete auch mit innigem Mitleiden auf ihr; sie war so jung und so unglücklich schon, stand so ohne Schutz und Freunde da, und ertrug doch Alles mit so stiller Demuth, ohne ein einziges Wort der Widerrede! Er hatte auch wirklich einen bittern Fluch gegen die ?steinerne Tante? auf den Lippen, verbi? ihn aber, um Benno nicht wehe zu thun, und setzte nun langsam die Maschine au?er Gang und zurück neben seinen Hut.
?Sie wollen doch noch nicht fort, Baumann?? fragte Benno rasch. ?Du lieber Gott, dann bin ich ja ganz allein, denn Kathinka hat die Tante weggejagt und Bruno ist ja auch wieder fortgeritten, er w?re sonst gewi? noch einmal heraufgekommen.?
?Ich kann noch etwas bleiben, lieber Baron, aber ich fürchte, Sie regen sich zu sehr auf. Sie sehen jetzt schon so bla? aus.?
?Weil ich mich über die Tante ge?rgert habe,? sagte der Knabe. ?Weshalb zankt sie immer mit der armen Kathinka – ich bin ja auch gar nicht krank mehr, nur noch schwach, wie mir der Doctor selber gesagt hat, und nur ausruhen soll ich mich, recht ordentlich ausruhen, damit ich wieder zu Kr?ften komme – k?nnt' ich nur fort von hier!?
?Aber wohin?? fragte Baumann.
?Bruno hat mir versprochen,? fuhr der Knabe mit leuchtenden Blicken fort, ?wenn er jetzt das viele Geld von seiner gro?en Erbschaft bekommt, was ja nur noch wenige Wochen dauert, dann macht er mit mir eine Reise nach Italien. Dort ist weiche, warme Luft, dort erhol' ich mich gewi? in so viel Tagen, wie hier in Monden, und dann nehmen wir Kathinka als Krankenpflegerin mit – ja, Baumann, gewi?! Ich habe es schon Alles mit meinem Bruder ausgemacht – ich brauche noch Pflege unterwegs, wenigstens in der ersten Zeit – aber die Tante,? setzte er l?chelnd hinzu, ?die lassen wir hier in dem alten, ?den Schlosse, wo es mir immer ist, als ob die Mauern über mir zusammenbrechen mü?ten, und dann kann sie nicht mehr mit Kathinka zanken, und sie wird wieder heiter und glücklich werden und wieder lachen – ach, Baumann, Sie sollten sie einmal lachen h?ren, wie herzlich, wie lieb das klingt! Aber,? setzte er leise hinzu, ?es ist schon lange her, da? ich es nicht mehr geh?rt habe, und es thut mir doch so wohl.?
Er lag viele Minuten still und regungslos, und Baumann, das Herz von innigem Mitleiden mit dem Armen erfüllt, wagte selber nicht das Schweigen zu brechen. Welchen Trost h?tte er ihm auch geben k?nnen? Endlich sagte Benno wieder:
?Wo nur der Vater heute sein mag, da? er nicht ein einziges Mal zu mir heraufkommt, und er wei? doch, wie ich mich immer freue, ihn hier zu sehen – aber freilich,? setzte er seufzend hinzu, ?bei mir hier oben ist es so langweilig, und er hat so wenig Geduld – da ist die Kathinka besser, und wenn sie dürfte, s??e sie halbe Tage lang an meinem Bett und erz?hlte mir ihre wunderhübschen Geschichten. Ach, sie kann so sch?n erz?hlen, Baumann, und wenn sie es thut, seh' ich all' die Personen, die sie beschreibt, all' die Feen und Elfen mit ihren lieben Gestalten um mein Bett stehen, und es wird mir dann so wohl, o, so wohl...?
Er sank zurück, Todtenbl?sse deckte seine Züge, er war ohnm?chtig geworden, und Baumann zog jetzt die Klingel, um Hülfe herbeizurufen, aber nur die Magd erschien. Das gn?dige Fr?ulein Tante war unten in den St?llen und zankte sich gerade mit einer der Viehm?gde, Fr?ulein Kathinka war aber in den Garten geschickt, um dort die Blumen zu begie?en.
Benno erholte sich jedoch, wie ihm nur Baumann ein nasses Tuch um die Stirn legte, rasch von selber wieder; aber er war jetzt so schwach geworden, da? er nach Ruhe verlangte.
?Ich will schlafen,? sagte er leise, indem er dem Freund die Hand reichte – ?heute bin ich recht elend, aber wenn Sie wieder herauskommen, finden Sie mich von allen Schmerzen frei – dann beginnt eine glückliche Zeit. Leben Sie wohl, mein guter Baumann!? Er drehte sich ab und legte sich auf die Seite. Baumann sah nur noch die eingefallenen Wangen, die hohlen Schl?fe und geschlossenen Augen. Es war ihm, als ob er einen Todten verlie?, als er, seine Maschine im Arm, die Thür des Zimmers hinter sich zudrückte.
Er stieg langsam die Treppe hinunter und betrat durch eine Seitenthür den Garten – es wurde unten im Park an dem einen Theile der Mauer gebaut, und er wu?te, da? er dort hinaus ein bedeutendes Stück seines Weges abschneiden konnte –, aber er mu?te an dem Gartensaal vorüber, und als er die Thür desselben passirte, bemerkte er den alten Freiherrn, der dort, die Stirn noch immer an die Glasscheibe gelegt, stand und anscheinend hinaus in den Garten sah. Im ersten Momente wollte er ihn auch anreden und ihm sagen, da? Benno wieder eine Ohnmacht gehabt. Der Kranke schlief aber jetzt gerade; wenn der Baron hinaufging, st?rte er ihn nur wieder. Das vorher gerufene M?dchen würde es schon der Tante sagen; er selber beschlo?, nichts davon zu erw?hnen. Nur als er vorüberging, zog er seinen Hut ab und grü?te den alten Herrn, dessen stieres Auge auf ihm haftete – aber ob er ihn trotzdem nicht sah? Er dankte wenigstens nicht, noch gab er irgend ein Zeichen der Erkennung. Still und regungslos stand er an der Glasthür und starrte, wie in das Leere, in die grünen Büsche und Str?ucher hinein. Dem jungen Mann wurde es auch ganz unheimlich, als er ihn da so stehen sah. Was um Gottes willen war vorgegangen, das den alten, sonst so strengen und kalten Herrn derma?en erschüttern und von seiner n?chsten Umgebung ablenken konnte!
?Soll mich der Himmel vor Macht und Reichthum bewahren,? flüsterte Baumann leise vor sich hin, als er durch die laubigen G?nge des Parkes schritt, ?wenn ich sie solcher Art mit meinem Seelenfrieden erkaufen mu?te! Wie kummervoll der Mann aussieht! Hat er vielleicht von dem neuen Anfall des jüngsten Kindes geh?rt und sorgt sich darüber? – armer Vater! – Oder ist es etwas Anderes, das ihn drückt? Wenn so, dann mü?te er es auch allein tragen, denn er hat keinen Freund, dem er sich anvertrauen k?nnte oder wollte.? Er war wohl ein ?vornehmer Herr,? aber er stand allein, trostlos allein in der weiten Welt, und Niemand half ihm seine Lasten tragen, und doch war der Glanz und Prunk, der ihn umgab, und das Meiste von alledem, nur noch gemacht, wie Baumann recht gut wu?te. Ein übertünchtes Elend, um Rang und Stand mit den letzten, fast ersch?pften Kr?ften aufrecht zu erhalten, und das Alles ohne die Spur von h?uslichem Glück und Frieden, und nichts in dem gro?en, ?den Schlosse, als Stolz, Ha? und Unfriede, und dazwischen den lauernden Tod am Krankenbett des Sohnes!
Baumann war, in seine trüben Gedanken vertieft, rasch durch den Park jener Stelle zugeschritten, an welcher, wie er wu?te, die Mauer niedergeworfen worden und eben neu aufgebaut werden sollte. Er hatte auch auf seine Umgebung wenig oder gar nicht geachtet, als er pl?tzlich ein lichtes Kleid durch die Büsche schimmern sah und gleich darauf Kathinka erkannte. Sie kam gerade, eine gro?e, aber jetzt leere Gie?kanne in der Hand, von den ihr anvertrauten Beeten her und wollte nach dem Schlo? zurück. Als sie Baumann bemerkte, war es auch fast, als ob ihr Fu? einen Moment z?gerte; sie w?re ihm in der That am liebsten ausgewichen, denn ihre Augen zeigten noch Spuren von vergossenen Thr?nen, und sie scheute sich, die den Fremden sehen zu lassen; aber es ging nicht mehr, er war schon zu nahe herangekommen, und Baumann selber ging auf sie zu, um ihr den Unfall mitzutheilen, der Benno w?hrend ihrer Abwesenheit betroffen.
?Du lieber Gott,? rief sie erschreckt aus, ?der arme junge Mensch! O, nicht einen Augenblick sollte er allein gelassen werden – sie wissen ja gar nicht, wie krank er ist, sie k?nnen es nicht wissen, oder sie würden anders handeln. Ich will gleich zu ihm.?
?Lassen Sie ihn jetzt,? sagte Baumann freundlich; ?er ist eingeschlafen, und die Ruhe wird ihm gut thun; er bedarf ihrer.?
?Er wird bald von allen seinen Leiden ausruhen,? sagte Kathinka traurig – ?bald und für immer.?
?Halten Sie seinen Zustand wirklich für so gef?hrlich??
?Ich fürchte, ja. Er hat die letzten Tage an Kr?ften in erschreckender Weise abgenommen, und seine Augen haben einen so unheimlichen Glanz bekommen.?
?Der arme, arme Benno, wie wenig Freude hat er noch im Leben gehabt, und so jung schon sterben – sterben jetzt, da vielleicht in dem Reichthum seines Bruders und dem neu erwachenden Glanz des Hauses auch ein besseres Dasein für ihn beginnen k?nnte! Glauben Sie nicht?? fuhr er fort, als Kathinka leise mit dem Kopf schüttelte. ?Bruno würde gewi? freundlich mit ihm sein, er ist von Herzen gut und hat ihn lieb.?
?Ja,? sagte Kathinka, ?Bruno schon, aber die Tante ist der b?se Geist im Hause, der kein Glück und keinen Frieden aufkommen l??t, und ich selber h?tte es auch schon lange verlassen, wenn ich nicht Benno's wegen bliebe. Aber er hat sich so an mich gew?hnt, da? er ganz unglücklich sein würde, wenn ich ginge – sonst lieber trocken Brot unter Fremden essen,? setzte sie leise hinzu.
?Sie haben ein schweres Leben hier im Hause, mein armes Fr?ulein,? sagte Baumann mitleidsvoll, ?und ich begreife da wirklich die Tante nicht, denn sie hat Benno lieb, das zeigt sich in Allem, und doch kr?nkt sie ihn so oft durch Sie. Er sagte mir selber heute, da? ihn das Zanken wieder krank gemacht.?
?Ich mu? zum Hause zurück,? erwiederte Kathinka ausweichend. ?Benno k?nnte aufwachen und nach mir verlangen, und meine Arbeit ist hier beendet. Leben Sie wohl, Herr Baumann!? Und mit leichten Schritten eilte sie den Gang hinab dem Schlosse zu.
Fritz Baumann verlie? den Park heute mit recht schwerem Herzen. Er hatte den kranken Knaben wirklich liebgewonnen, und wie lange konnte es noch dauern, bis er in der kühlen Erde ruhte! Dann kehrte auch er nicht mehr in den Schatten dieser B?ume zurück, dann war auch ihm der Weg hieher abgeschnitten, denn er fühlte recht gut, da? ihn der Baron wie die Tante hier nur Benno's wegen duldeten. Er selber würde sie auch nie aufgesucht haben.
Er stand noch und sah zu dem Schlo? nachdenkend zurück, das gerade hier, bei einer Biegung des Weges, durch die dichten Wipfel sichtbar wurde, als er pl?tzlich das schmerzliche Winseln und Heulen eines Hundes und scharfe Peitschenschl?ge auf dessen Rücken h?rte. Es war der Revierf?rster, der seinen Dachs an der Leine hatte und aus irgend einem Grund j?mmerlich abprügelte.
?Du gro?er Gott,? sagte Baumann fast unwillkürlich vor sich hin, ?ist das ein trostloser Platz hier – nicht einmal ein Hund kann sich da wohl fühlen! Ich will dem Himmel danken, wenn ich ihn nicht mehr zu betreten brauche!? Und rasch ausschreitend, erreichte er bald darauf die Parkbrücke und gleich dahinter die freie Stra?e, wo er ordentlich aufathmete, als ob er einem Gef?ngni? entwichen sei.